Entlebucher Tagebuch – Donnerstag, 6. August. 2026. Heute Morgen fuhr der alte Mann nach seinem Kaffee wieder ins Büro. Frauchen begleitete mich auf dem morgendlichen Kontrollgang. Die Luft war noch angenehm kühl, und außer den üblichen Amseln und ein paar aufgeregten Spatzen gab es nichts, was meine Aufmerksamkeit länger festhielt. Genau so mag ich das. Man schaut nach dem Rechten, prüft, ob alles so ist, wie es sein soll, und wenn sich nichts verändert hat, kann man den Tag ganz entspannt beginnen.
Frauchen glaubt manchmal, wir würden einfach nur spazieren gehen. Aber für einen Entlebucher ist ein Kontrollgang etwas anderes. Ich merke mir, wer unterwegs ist, wo etwas anders aussieht als gestern und ob irgendwo neue Gerüche aufgetaucht sind.
Auf den Feldern trafen wir die Labradore und gingen ein ganzes Stück gemeinsam. Zwischendurch wurde natürlich ein wenig gerannt. Mit guten Freunden das Revier zu kontrollieren, macht einem Entlebucher einfach Spaß. Irgendwann trennten sich unsere Wege wieder und wir machten uns auf den Heimweg.
Zu Hause saß Frauchen wieder vor ihren leuchtenden Vierecken im Esszimmer. Das ist mir ganz recht, denn von dort aus kann ich sie, den Garten und einen großen Teil des Hauses gleichzeitig im Blick behalten. So macht sich mein Sicherheitsdienst deutlich einfacher.
Viel Zeit zum Ausruhen blieb allerdings nicht. Der Paketbote fuhr vor und ich meldete seine Ankunft. Frauchen ging zur Haustür und ließ die Tür zum Flur einen Spalt offen. Ich weiß, was das bedeutet. Eine offene Tür heißt, dass ich mit aufpassen soll.
Der alte Mann macht das genauso, wenn merkwürdige Gestalten vor der Haustür stehen. Warum das beim Paketboten anders sein sollte, erschloss sich mir nicht. Hinter Frauchen beobachtete ich aufmerksam die Lage und stellte sicher, dass der Mann das Paket abgab.
Als die Pakete übergeben waren, teilte ich ihm vorsichtshalber noch einmal deutlich mit, dass sein Auftrag nun erledigt war und er gehen konnte. Frauchen fand das wohl etwas übertrieben. Ich hingegen finde, klare Kommunikation verhindert Missverständnisse. Der Paketbote schien das übrigens genauso zu sehen, denn er machte sich ohne weitere Diskussion auf den Weg zum nächsten Haus.
Am Abend war dann der alte Mann an der Reihe. Die Sonne hatte heute ein Einsehen und es war ein gutes Stück kühler als in den vergangenen Tagen. Gerade so viel, dass der alte Mann meinte, wir könnten endlich wieder eine größere Runde durch den Wald bei den Sieben Eichen machen.
Am Parkplatz war dann gleich klar, dass wir nicht die Einzigen mit dieser Idee waren. Auch die lauten Zweiräder, die es lieben, die Neuffener Steige rauf und runter zu fahren, waren unterwegs. Man hört sie meistens schon lange, bevor man sie sieht.
Mich stören sie nicht besonders. Ich gehe einfach ein Stück zur Seite, beobachte die Lage und warte, bis sie vorbei sind. Danach wird es im Wald erstaunlich schnell wieder ruhig.
Hier oben war es fast schon angenehm von der Temperatur. Ich kontrollierte wie gewohnt die Wege und hielt Ausschau nach allem, was dort nicht hingehörte. Dann lief uns auch noch ein Eichhörnchen frech über den Weg. Als wir die Stelle erreichten, spähte ich noch eine ganze Weile zwischen die Bäume, konnte den kleinen Kerl aber nirgends mehr entdecken.
Während ich noch damit beschäftigt war, nutzte der alte Mann die Gelegenheit. Ganz unauffällig präparierte er einen Baumstamm mit ein paar Leckerlis. Er glaubt wirklich, ich würde so etwas nicht bemerken. Ich ließ ihn in dem Glauben.
Nach der Freigabe machte ich mich an die Arbeit. Die meisten Leckerli fand ich sofort. Nur eines hatte der alte Mann tatsächlich besonders gut versteckt. Ich umrundete den Baumstamm noch einmal, prüfte jede Ritze ganz sorgfältig und hatte es schließlich doch noch in der Nase.
Heute gingen wir sogar noch ein Stück weiter als bis zu dem Bach, der immer noch kein Wasser führt. Auf halber Strecke unserer Schleife lag ein großer Ast quer über dem Weg. Der alte Mann blieb tatsächlich einen kurzen Moment daran hängen. Passiert ist zum Glück nichts, aber ich ging noch einmal zurück und kümmerte mich selbst um den Ast. Danach ragte jedenfalls nichts mehr auf den Weg.
Als wir wieder am trockenen Bach ankamen, stellte der alte Mann meinen Napf erneut ins Bachbett, damit ich eine Trinkpause machen konnte. Langsam glaube ich, er hat Sorge, dass ich vergesse, dass man hier eigentlich trinken kann, wenn irgendwann wieder Wasser darin fließt.
Als wir zu Hause ankamen, suchte ich mir meinen Platz und schloss für heute die Augen.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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