Entlebucher Tagebuch – Sonntag, 9. August 2026. Obwohl heute Sonntag ist, sind wir zur üblichen Zeit aufgewacht. Das kann allerdings auch an der Katze gelegen haben, die unter unserem Fenster herzzerreißend miaute. Offenbar hatte sie schon früh am Morgen etwas mitzuteilen.

Der alte Mann begann seine Morgenroutine wie gewohnt mit einem Kaffee auf dem Sofa, während ich noch den Schlaf von Frauchen bewachte. Einer muss schließlich darauf achten, dass sie nicht zu früh aus dem Bett geholt wird. Außerdem war ja Sonntag. Da darf ein Mensch auch einmal etwas länger schlafen.

Nach den menschlichen Morgenritualen auf dem Sofa war es dann auch für mich Zeit, den Tag offiziell zu beginnen. Wir gingen zusammen auf die Morgenrunde.

Als der alte Mann die Hundetasche vorbereitete, die er sich für unsere Runden immer um die Hüfte schnallte, löste sich auch das Rätsel um die verlorene Flasche vom Vortag. Er fand sie in einem der Fächer wieder und wunderte sich ausgiebig darüber, wie sie dort überhaupt hineingepasst hatte.

Ich fand das weniger erstaunlich. Menschen verstauen Dinge manchmal an Orten, an denen sie sie später selbst nicht mehr vermuten. Die Flasche war jedenfalls wieder da. Damit konnte der Fall „verlorene Wasserflasche“ offiziell abgeschlossen werden.

Wir fuhren zu dritt zum Schelmenwasen, dem Parkplatz am Burgwald. Von dort wollten wir von der anderen Seite zum Bach ohne Wasser laufen. Frauchen hatte wieder ihre Stöcke dabei. Heute fand ich sie schon nicht mehr unheimlich oder besonders. Sie gehörten inzwischen offenbar einfach zu Frauchen dazu und liefen bei unserer Runde eben mit.

Wir liefen auf dem Weg zwischen dem Burgwald und den Weinbergen entlang. Die Bäume sorgten dabei noch für Schatten, was bei den Temperaturen durchaus willkommen war. Kurz bevor wir in den Wald abbogen, waren die Weinberge schon zu Ende. Hangabwärts lag eine eingezäunte Wiese, auf der zwei Esel standen.

Auch wenn Esel Pferden ziemlich ähnlich sehen, gibt es beim Geruch keinen Zweifel. Esel riechen eindeutig anders. Ich nahm das zur Kenntnis und wir gingen weiter. Wir waren ja auf einer Morgenrunde und nicht auf einer zoologischen Besichtigungsreise.

Als wir am Bach angekommen waren, sah er allerdings nicht viel besser aus als weiter oben an der Stelle, die wir von den Sieben Eichen aus kontrollieren. Auch hier war vom eigentlichen Bach nicht besonders viel zu sehen. Immerhin gab es schon die eine oder andere nasse Stelle, sodass man erkennen konnte, dass irgendwo noch Wasser vorhanden war.

Ein Stück weiter unten hörte man dann plötzlich ein Rauschen. Dort schien das Wasser wieder aus der Erde zu kommen. Offenbar hatte es sich im Sommer weiter oben einfach ein Stück weit zurückgezogen und versteckte sich nun unter der Erde.

Leider kamen wir von dort nicht ohne Weiteres weiter. Man hätte dem Bach noch ein Stück folgen und vermutlich hinunterklettern müssen. Frauchen wäre sicher nicht mit uns den Bach hinuntergeklettert. Außerdem meinte sie inzwischen, dass es schon wieder ziemlich warm werden würde.

Also drehten wir um und gingen gemeinsam zurück zum Auto. Der Bach durfte vorerst weiter unten aus der Erde kommen, ohne dass ich genau nachsehen konnte, woher.

Als uns auf dem schmalen Weg noch ein Hund entgegenkam, den wir bisher nicht kannten, entschieden der alte Mann und ich uns lieber für einen größeren Bogen. Wir liefen über die Wiese und machten etwas mehr Abstand. An der Leine halte ich grundsätzlich etwas mehr Abstand, als ich es ohne Leine für nötig halten würde. Das macht Begegnungen für alle Beteiligten einfacher.

Als wir wieder am Auto waren, mussten wir feststellen, dass unsere kleine Erkundungstour deutlich länger gedauert hatte als ursprünglich gedacht. So kamen wir ziemlich genau passend zum Frühstück wieder zu Hause an.

Den Rest des Tages verbrachte das gesamte Rudel mit einem vernünftigen Hitzemanagement. Bei den Temperaturen muss man nicht beweisen, dass ein Entlebucher auch am Sonntag einen ganzen Tag unterwegs sein kann. Ein schattiger Platz, ausreichend Ruhe und möglichst wenig unnötige Bewegung waren für den Rest des Tages völlig ausreichend.

Fee hatte allerdings noch einen eigenen Programmpunkt. Sie fragte beim alten Mann nach und bekam daraufhin ein oder zwei Extrakuschelrunden. Ich beobachtete das Ganze von meinem Platz aus. Fee weiß offenbar ziemlich genau, wie man einen Sonntag angenehm gestaltet.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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