Entlebucher Tagebuch – Donnerstag, 29. Oktober 2026. Heute Morgen geschah schon wieder etwas Merkwürdiges. Der alte Mann hatte einen Bürotag, übernahm aber trotzdem die Morgenroutine. Wie schon gestern. Zuerst gab es einen ausgiebigen Kaffee, dann zog er sich an und wir gingen auf Kontrollgang. Frauchen blieb zu Hause.

Das Anziehen dauert inzwischen etwas länger. Der alte Mann braucht jetzt eine dicke Jacke und eine Mütze. Ich habe meinen Fellwechsel längst hinter mir und bin für die kalten Tage gut ausgerüstet. Der alte Mann muss sich seine Winterausstattung dagegen jeden Morgen erst mühsam anziehen. Heute zog er die Mütze tief über die Ohren, und dann konnten wir los.

Im Revier gab es nichts zu beanstanden. Keine verdächtigen Bewegungen, keine ungewöhnlichen Vorkommnisse, die einen Bericht erforderlich gemacht hätten. Auf halber Strecke trafen wir die Collies.

Benni war zunächst in bester Rennlaune. Wir jagten uns über die Wiese, schlugen Haken und wechselten die Richtung. Allerdings hatte Benni heute noch eine andere Beschäftigung. Überall lag Fallobst, und immer wieder blieb er mitten im Spiel stehen, um einen Apfel zu fressen. Sein Herrchen war davon wenig begeistert und versuchte, ihn davon abzuhalten. Benni kaute.

Irgendwann war es mit dem Rennen vorbei. Früher als sonst. Benni hatte genug, und Indy hatte ohnehin nicht vor, sich an unseren wilden Runden zu beteiligen.

Ich versuchte es noch ein paarmal. Erst rannte ich dicht an Benni vorbei, dann an Indy. Als das nichts half, stupste ich beide an. Benni interessierte sich wieder für den Boden, Indy blieb stehen und sah mir nach.

Gut. Dann eben allein.

Ich zog meine Kreise über die Wiese, mit vollem Tempo und engen Kurven. Zwischendurch kam ich bei den beiden vorbei, aber keiner ließ sich umstimmen. Der alte Mann stand mit den anderen Zweibeinern zusammen und sah zu. Seine Mütze hatte er noch auf.

Wieder zu Hause fuhr der alte Mann tatsächlich ins Büro. Frauchen meinte, das würde sich für die paar Tage bis Weihnachten ohnehin nicht mehr lohnen. Ich habe nachgerechnet. Weihnachten ist noch ziemlich weit weg. Jedenfalls sind bis dahin noch viele Morgenrunden zu erledigen. Vielleicht hat Frauchen einen anderen Kalender.

Ich verstehe den alten Mann trotzdem. Verlässlichkeit ist wichtig. Wobei für mich das Rudel Vorrang hat. Je weniger sich einer davon entfernt, desto besser.

Der alte Mann hatte angekündigt, gegen Mittag zurück zu sein und für uns zu kochen. Daraus wurde nichts. Er kam erst später nach Hause, und das geplante Essen wurde auf den Abend verschoben.

So viel zum Thema Verlässlichkeit.

Mir war es recht. Mittags bekam ich mein Nassfutter. Und weil der alte Mann abends wie so oft etwas für mich mitkochte, blieb mir an diesem Tag das Trockenfutter erspart.

Vor dem Abendessen stand noch eine große Runde mit Frauchen auf dem Programm. Ich glaube, ihr kommt es sehr gelegen, dass der alte Mann inzwischen morgens mit mir unterwegs ist. Die Temperaturen nähern sich zu dieser Tageszeit langsam dem idealen Entlebucherbereich. Frauchen scheint das etwas anders zu empfinden.

Auf den Wiesen zog ich meine Kreise. Gestern hatte Frauchen sich beim alten Mann über deren Größe beschwert. Heute rief sie mich gelegentlich zurück, und ich kam ein Stück näher, bevor ich erneut loslief. Meine Kreise fielen dadurch etwas kleiner aus. Frauchen schien zufrieden.

Auf einer der Wiesen entdeckte ich ein besonders interessantes Mauseloch. Ich steckte die Nase hinein, schnupperte und beschloss, mir die Sache unter Zuhilfenahme meiner Vorderpfoten genauer anzusehen. Die Erde flog bereits in kleinen Portionen hinter mich, als Frauchen eingriff. Erdarbeiten gehörten anscheinend nicht zum genehmigten Programm.

Die Dusche blieb mir erspart. Das feuchte Gras hatte meine Pfoten auf dem Heimweg sauber gewischt. Als wir zu Hause ankamen, war von meiner Grabung an mir kaum noch etwas zu sehen.

Am Abend stand der alte Mann in der Küche und bereitete unser verschobenes Essen zu. Ich blieb in der Nähe, bis er meinen Napf füllte.

Später lagen wir auf dem Sofa. Die beiden schauten gemeinsam auf das große leuchtende Viereck, während ich mein erstes Schläfchen hielt.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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