
Es gibt Dinge, die verstehen Entlebucher nie ganz. Katzen gehören dazu.
Bei uns wohnen zwei davon. Lilly und Fee. Beide riechen nach Katze. Beide haben vier Pfoten. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon fast wieder auf.
Lilly ist die Chefin. Das behauptet sie nicht. Das weiß sie einfach. Sie geht langsam durchs Revier und hat alles im Blick. Mäuse verschwinden, bevor überhaupt jemand merkt, dass sie da waren. Fremde Katzen überlegen sich gut, ob sie unser Grundstück betreten. Lilly muss dafür weder bellen noch knurren. Ein Blick reicht meistens.
Fee ist anders. Sie ist neugierig, flink und taucht manchmal an Orten auf, von denen ich gar nicht wusste, dass man dort überhaupt hinkommen kann. Kaum habe ich sie entdeckt, ist sie auch schon wieder verschwunden.
Als Entlebucher habe ich lange versucht zu verstehen, warum Katzen nicht einfach sagen, was sie vorhaben. Wir melden schließlich, wenn etwas wichtig ist. Katzen halten Informationen dagegen offenbar für ihr Privatvergnügen.
Mit Lilly habe ich das inzwischen verstanden. Sie entscheidet selbst, wann sie gesehen werden möchte und wann nicht. Das akzeptiere ich. Man muss nicht jede Diskussion führen.
Bei Fee ist das etwas anders. Ich glaube, sie schaut manchmal nach mir. Allerdings nur, wenn sie ganz sicher ist, dass ich tief und fest schlafe. Dann schleicht sie sich heran, schnuppert vielleicht kurz und verschwindet wieder. Sobald ich wach bin, tut sie so, als hätte sie gerade etwas völlig anderes vorgehabt. Das scheint eine Katzenregel zu sein. Wach darf ich davon nichts mitbekommen. Also tue ich so, als wüsste ich von nichts.
Die Arbeit haben wir trotzdem gut aufgeteilt. Ich passe auf das Rudel und unser Revier auf. Lilly kümmert sich um Mäuse. Fee kümmert sich … nun ja … wahrscheinlich um Dinge, die nur Katzen verstehen.
So funktioniert das erstaunlich gut.
Man muss eben nicht immer alles verstehen. Manchmal reicht es, wenn jeder zuverlässig seine Aufgabe erledigt.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
