Entlebucher Tagebuch – Freitag, 31. Juli 2026. Der alte Mann stand heute schon früh auf, damit wir unsere Morgenrunde noch vor der Sonne schaffen konnten. Natürlich nicht, bevor er seinen Kaffee auf dem Sofa getrunken hatte. So beginnt bei ihm eben jeder Tag. Als wir endlich loskamen, war es noch angenehm kühl. Jedenfalls im Vergleich zu gestern Abend. Da hatte die Wärme selbst nach Sonnenuntergang noch zwischen den Bäumen gestanden. Heute ließ sich das Revier viel angenehmer kontrollieren. Die Gerüche lagen noch frisch in der Luft, jede Spur ließ sich sauber prüfen und ich konnte in aller Ruhe nachsehen, ob sich über Nacht irgendwo etwas verändert hatte.

Auf den Feldern nutzte ich die Kühle dann für ein paar ausgedehnte Sprints. Solange es noch kühl ist, muss man solche Gelegenheiten nutzen. Einige der Stoppelfelder sind inzwischen schon glatt gemacht. Das ist zwar schade, weil dabei viele spannende Gerüche verschwinden. Zum Rennen eignen sie sich jetzt aber noch besser. Der alte Mann hatte heute sogar den Wurfball dabei. Also gab es zwischen den Kontrollgängen immer wieder ein paar schnelle Sprints über die Felder. Das hat richtig Spaß gemacht und die kühle Morgenluft ließ mich dabei ordentlich Tempo machen.

Dann wurde der Ball wieder eingepackt und wir wechselten vom Rennen zum Arbeiten. Der alte Mann übte mit mir verschiedene Kommandos und das Abwarten. Arbeiten liegt einem Entlebucher einfach. Wenn wir eine Aufgabe bekommen und gemeinsam mit unseren Menschen etwas erarbeiten können, sind wir mit voller Konzentration dabei. Ich jedenfalls habe begeistert mitgemacht. Für das Abwarten hatte sich der alte Mann einen Platz ausgesucht, von dem wir weit über die Felder bis zur Burg Teck schauen konnten. Die Sonne stand genau über der Burg und wurde von einem dünnen Schleier aus Wolken gedämpft.

Bevor wir wieder in die Stadt zurückkehrten, schauten wir noch in der Senke vorbei. Dort lag heute ein Rehbock. Er hatte wohl beschlossen, einfach liegen zu bleiben und uns nur zu beobachten. Ich habe ihn natürlich registriert und er mich auch. Wir gingen ruhig weiter und der Rehbock blieb einfach liegen.

Kurz bevor wir die ersten Häuser erreichten, holte der alte Mann den Ball noch einmal aus der Tasche. Er gab ihn mir und sagte, ich solle ihn nach Hause tragen. Wenn ich den Ball so übergeben bekomme, wird daraus eine richtige Aufgabe. Also habe ich ihn bis nach Hause getragen.

Zu Hause musste der alte Mann nur kurz an den leuchtenden Vierecken arbeiten. Das schien heute schnell erledigt zu sein. Mittags gab es dann Würstchen für die Menschen. Ich setzte mich neben Frauchen und schaute sie an. Sie schaute erst auf ihren Teller, dann zu mir und wieder auf ihren Teller. Kurz darauf fehlte dort ein Stück Würstchen und ich hatte es.

Den Rest des Tages verbrachten Frauchen, der alte Mann und ich gemeinsam auf dem Sofa. Immer wieder schauten die Menschen nach draußen, weil Regen angekündigt war. Die Wolken zogen vorbei, der Wind frischte etwas auf, aber der Regen blieb aus. Ich legte mich zu den beiden aufs Sofa. Der Regen kam trotzdem nicht.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert