Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 5. August 2026. Heute Nacht hat der Himmel zwar Wasser vom Himmel geworfen, aber die Nacht hat ihre eigentliche Arbeit verweigert. Statt die Luft abzukühlen, blieb alles warm. Zu der Zeit, zu der Frauchen an einem Bürotag normalerweise aufsteht, waren wir längst alle wach. Nicht wegen eines Geräuschs oder einer wichtigen Meldung, sondern einfach, weil es zu warm war.

Der alte Mann musste heute wieder ins Büro. Ich fürchte, das wird jetzt wieder öfter vorkommen. Soweit ich verstanden habe, hat das Bürorudel neue Welpen bekommen. Solange der alte Mann noch ins Büro fährt, soll er ihnen wohl ein bisschen beibringen, wie der Laden läuft. Frauchen meint zwar, für so etwas sei er viel zu grantelig, aber machen wird er es trotzdem. Und wenn die Tage wieder ganz kurz werden, hört er sowieso auf, so viel auf die leuchtenden Vierecke zu starren.

Heute stand wieder Morgenrunde mit Frauchen an. Bei der Hitze ist mir ihr ruhigeres Tempo allerdings gar nicht so unrecht. Eine Revierkontrolle muss gründlich sein. Man hetzt nicht einfach daran vorbei. Jeder Weg, jeder Waldrand und jede Wiese müssen kurz geprüft werden. Hat jemand in der Nacht neue Nachrichten hinterlassen? Ist irgendwo etwas anders als gestern? Riecht es nach Reh, Fuchs oder einem Hund, der hier eigentlich nichts verloren hat? Frauchen nennt das Spazierengehen. Ich nenne es ordentliche Revierarbeit.

Auf den Feldern haben wir dann meinen Collie-Freund Indi getroffen. Er hatte seinen neuen Kumpel Beni dabei, einen jungen Welpen, der noch überall gleichzeitig sein wollte. Wir haben uns ihrer Morgenrunde angeschlossen. So konnten Indi und ich in Ruhe die wichtigen Dinge kontrollieren, während Beni mit großen Augen versuchte, die Welt an einem einzigen Vormittag zu entdecken. Das ist wohl normal, wenn man noch so jung ist.

Als Frauchen und ich schon fast den Heimweg antreten wollten, kamen plötzlich die drei Labradore um die Ecke. Fast im selben Moment erschien auch meine Freundin Rosa mit einer neuen Hundefreundin. Aus der ruhigen Morgenrunde wurde auf einmal eine ziemlich große Hundeversammlung. Zum Glück kannte ich fast alle und wusste, dass sie sich benehmen konnten. Ich musste also nicht ständig darauf achten, dass alles geordnet blieb. Nur Beni musste ich zweimal zur Ordnung rufen. So übermütige Jungtiere vergessen manchmal, dass nicht jeder ihre Begeisterung teilt. Ich finde, jemand muss ihnen das auch sagen. Die anderen erwachsenen Hunde sahen das allerdings deutlich entspannter als ich. Jeder hat eben seine eigene Vorstellung davon, wie viel ein Welpe ausprobieren darf.

Nach einer Weile drängte Frauchen dann doch zum Aufbruch. Sie wollte wieder zurück zu ihren leuchtenden Vierecken. Mir kam das ganz gelegen. Auch wenn ich alle Hunde kannte und keiner Ärger machte, mag ich es lieber übersichtlich. Dem Entlebucher geht es da wie dem alten Mann: Zu viele Geister auf einem Fleck sind auf Dauer einfach anstrengend.

Zuhause angekommen lief es wie schon an den letzten Tagen. Die Fliesen im Flur waren heute eindeutig die begehrtesten Liegeplätze. Frauchen verschwand wieder zu ihren leuchtenden Vierecken, der alte Mann war ohnehin im Büro, und ich wechselte nur gelegentlich von einer kühlen Stelle zur nächsten. Mehr hatte dieser Nachmittag nicht zu bieten.

Später, also schon so spät, dass eigentlich klar war, dass die Hitze heute auch keinen Feierabend mehr machen würde, ist der alte Mann mit mir noch einmal zum Großen Gieß gefahren. Die abendlichen Geschäfte erledigen sich nun einmal nicht von allein. Als wir auf den Parkplatz einbogen, standen dort tatsächlich ein paar Jugendliche und spielten Ball. Mitten im Nirgendwo. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Aber die Hitze macht mit Menschen manchmal merkwürdige Sachen. Wahrscheinlich suchen sie sich dann einfach irgendeinen Platz und finden ihn plötzlich genau richtig.

Wir gingen einfach an ihnen vorbei. Genau in dem Moment flog ihr Ball in unsere Richtung. Keiner der Jugendlichen lief sofort hinterher. Sie warteten lieber, bis ich vorbei war. Dabei habe ich weder gebellt noch sonst irgendetwas gemacht. Ich bin einfach weitergelaufen. Langsam glaube ich wirklich, dass Frauchen mit ihrer Geschichte über den Blick des alten Mannes recht hat. Anscheinend tragen wir beide denselben Gesichtsausdruck: „Überlegt euch gut, was ihr als Nächstes tut.“

Am Großen Gieß waren noch ein paar Jungs, die sich im Wasser abkühlten. Der alte Mann meinte, wir müssten die jetzt nicht erschrecken, also gingen wir oberhalb des Wasserfalls in die Steinach. Dort war es ohnehin ruhiger. Durch das Wasser, das der Himmel in der Nacht heruntergeworfen hatte, führte die Steinach auch wieder ein bisschen mehr Wasser. Nicht viel, aber genug, dass es sich an den Pfoten gleich ein wenig kühler anfühlte.

Das bisschen kühle Steinach hatte uns gereicht. Danach fuhren wir einfach nach Hause.

Trotz der Hitze ein guter Tag für einen Entlebucher, eure Eira.


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