Entlebucher Tagebuch – Sonntag, 06. September 2026. Die erste Nacht im eigenen Bett. So ein eigenes Bett ist schon eine feine Sache. Man liegt gemütlich, hat seine Decke und eigentlich sollte einer ruhigen Nacht nichts im Wege stehen.
Zum Anfang der Nacht musste ich allerdings eine Meldung machen. Und danach noch das eine oder andere Mal sehr genau hinhören. Im Städtchen waren viel mehr Menschen unterwegs als sonst und je später es wurde, desto merkwürdiger benahmen sich die Menschen auf ihrem Heimweg. Manche gingen nicht mehr so richtig geradeaus, andere schienen Schwierigkeiten mit ihrer Orientierung zu haben. Die konnten von Glück reden, dass ich im Bett lag und nicht auf der Straße. Am Vatertag hatte ich auf den Feldern einigen Herren, die genauso schwankend unterwegs waren, schon deutlich gesagt, wie Menschen sich zu verhalten haben.
Am Morgen war dann Frauchen die Erste, die aufstand. Ich schaute mir das eine Weile an, dann fand ich, der alte Mann sollte darüber informiert werden. Ich glaube, er war da anderer Meinung. Zumindest kam er so rechtzeitig zu seinem Morgenkaffee und wir konnten anschließend zur Morgenrunde aufbrechen.
Zu dritt machten wir uns auf den Weg. Die Luft war noch angenehm kühl und feucht. Für mich waren das deutlich bessere Bedingungen als gestern Nachmittag, als es noch warm und trocken war. Nach unserer Runde konnte ich deshalb eine besonders gründliche Revierkontrolle machen.
Von Weitem sahen wir die Labradore, die schon auf dem Rückweg waren. Es ist gut zu wissen, dass sie da sind, aber man muss sich nicht immer begrüßen. Ein kurzer Blick aus der Entfernung reicht. Jeder weiß, dass der andere da ist.
Die Menschen ließen mich heute weitgehend alles untersuchen und hielten sich mit Übungen und Spielchen zurück. Das empfand ich heute durchaus als angenehm. So konnte ich mich in Ruhe um mein Revier kümmern.
Am Ende der Runde trafen wir dann noch die Collies und Rosa. Also fast. Eigentlich waren sie nicht direkt auf unserem Heimweg, aber hier hatte der alte Mann meine Aufregung richtig gedeutet und wir machten noch einen Schlenker. Alle kurz begrüßt, mit dem kleinen Benny, der jetzt fast schon so groß ist wie ich, eine Runde gelaufen und dann konnten wir entspannt den Heimweg antreten.
Unten in der Stadt hörte man schon Motoren aufheulen und irgendwie lag der Geruch von Benzin in der Luft. Der alte Mann und das Herrchen der Collies meinten, dass Rennautos in der Stadt wären und es den Hunden dort heute zu viel werden würde. Ich denke, sie haben damit nicht unrecht. Frauchen meinte, das ganze Spektakel bräuchte man heute überhaupt nicht mehr.
Da der Tag wieder heiß wurde, war ich überhaupt nicht böse darüber, dass wir einen ruhigen Haustag einlegten. Ab und zu hörte man das Aufheulen eines Motors und immer wieder das Pfeifen eines besonderen Zuges.
Den habe ich früher schon einmal aus der Nähe gesehen. Der macht Rauch und dampft und riecht ganz anders als die anderen Züge. Nicht nach Autos, sondern nach bestimmten Häusern im Winter. Und trotzdem fährt er. Das soll einer verstehen.
Die lauten Autos sind dem alten Mann ziemlich egal. Ihn stört eher die Menge an Menschen, die mit ihnen in die Stadt kommen. Bei den nach Häusern im Winter riechenden Zügen bekommt er dagegen so einen weichen Blick. Ich glaube, die erinnern ihn an seine Welpenzeit.
Am Nachmittag fuhr der alte Mann dann mit mir ein Stück aus der Stadt hinaus, sodass wir von hinten an den Burgwald kamen. So konnten wir unsere zweite Runde des Tages in Ruhe machen und ich gleich noch eine weitere Revierkontrolle nach dem Urlaub absolvieren.
Ich nahm mir Zeit und arbeitete mich Stück für Stück durch mein Revier. Die Wege, die Waldränder, die Wiesen und die Stellen, an denen besonders viele interessante Gerüche zusammenkommen. Hier ein ausgiebiges Schnüffeln, dort eine genauere Untersuchung und zwischendurch immer wieder stehen bleiben und schauen, was sich verändert hatte.
Besonders wichtig sind die Gerüche. Wer hier unterwegs war, wer neu dazugekommen ist und wer vielleicht schon länger nicht mehr vorbeigeschaut hat – vieles davon kann man noch erschnüffeln, auch wenn die Menschen davon überhaupt nichts mitbekommen.
Ich war jedenfalls zufrieden. Das Revier war noch da. Und ich war wieder zurück.
Als wir zurück waren, wollte Frauchen noch einmal ihre Lehrstunde „Tierfiguren turnen“ üben und der alte Mann war wieder ihr Schüler. Dabei konnten die beiden feststellen, dass seine Schulter zwar noch nicht wieder ganz heil ist, aber viel besser.
Mir war das vorher schon klar. Darum legte ich mich auf seine Matte und er durfte um mich herum turnen.
Ich finde, so eine therapeutische Maßnahme sollte viel öfter angewendet werden. Dabei kann man gut darauf achten, dass der Patient nicht übertreibt. Und wer könnte das besser überwachen als ich?
Als dann alle zufrieden waren, konnten wir alle zusammen auf dem Sofa kuscheln und den Tag ausklingen lassen.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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