Entlebucher Tagebuch – Freitag, 03. Juli 2026. Heute Morgen haben die Vögel tatsächlich eine halbe Stunde länger geschlafen. Das kam dem alten Mann sehr entgegen. Er strahlte schon beim Aufstehen eine bemerkenswerte Gelassenheit aus. Allerdings brauchte er dafür auch zwei Kaffee. Ich will das nicht bewerten, aber vielleicht besteht da ein Zusammenhang.

Auf unserer Morgenrunde trafen wir den Fuchs wieder. Er lag mitten auf einer Wiese und ließ sich von der Sonne wärmen. Als wir näher kamen, hob er nur kurz den Kopf. Ich blieb stehen und sah ihn an. Er blieb einfach liegen. Wir grüßten uns auf die höfliche Art und jeder setzte seine Arbeit fort. Freunde sind wir sicher nicht. Aber man kennt sich inzwischen. Man weiß, dass der andere keinen Unsinn macht, und das reicht völlig.

Später durfte ich am Holzstapel nach Leckerchen suchen. Der alte Mann versteckt sie inzwischen ziemlich geschickt. Offenbar hält er es für sinnvoll, dass ein Entlebucher seine Nase regelmäßig beschäftigt. Recht hat er. Gefunden habe ich trotzdem alle.

Die eigentliche Überraschung kam erst danach.

Plötzlich stand der schwarze Labrador vor mir. Wir kennen uns schon länger. Er ist der mittlere von den drei Labradors, denen ich hier draußen immer wieder begegne. Ein kräftiger schwarzer Rüde, nur ein kleines Stück größer als ich. Kein Jungspund mehr. Heute hatte er vielleicht gerade deswegen andere Pläne mit unserer Bekanntschaft.

Grundsätzlich sprach nichts dagegen. Nur der Zeitpunkt passte nicht. Er war ein paar Tage zu früh dran.

Heute wollte ich ihm nicht mehr so deutlich sagen, dass er Abstand halten soll. Gleichzeitig war ich aber noch nicht so weit, ihn näher an mich heranzulassen. Dazwischen gibt es eben auch ein paar Tage.

Eine ganze Weile später kam sein Mensch mit den beiden anderen Labradors nach. Sie meinte nur schmunzelnd, dass der Schwarze verschwunden gewesen sei, sobald er mich gerochen hatte. Inzwischen war auch klar, warum. Schließlich nahm sie ihn an die Leine.

Wenn er nächste Woche noch einmal vorbeikommt, denke ich vielleicht darüber nach.

Später zuhause gab es über den Tag verteilt noch das eine oder andere Extra-Zergeln mit Daniel. Man muss gute Gelegenheiten schließlich nutzen.

Abends brauchte ich dann einen Moment, bis ich merkte, wohin wir unterwegs waren. Der alte Mann wählte heute einen Weg, auf dem der Asphalt schon im Schatten lag. Das war mir deutlich lieber.

Er behauptete, wir würden Freunde besuchen. Das stimmt zwar. Aber dort wohnt auch Ivy.

Die Menschen treffen sich dort regelmäßig und reden über Gott und die Welt. Das dürfen sie von mir aus gerne tun. Solange immer mal wieder jemand daran denkt, Ivy und mich zu kraulen, haben wir damit überhaupt kein Problem.

An solchen Abenden komme ich zwar etwas später ins Bett. Aber für einen Besuch bei Ivy nehme ich das gerne in Kauf.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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