Entlebucher Tagebuch – Dienstag, 11. August 2026. Heute war Bürotag von Frauchen. Das bedeutet bei uns vor allem eines: früh aufstehen. Sehr früh. Zu einer Uhrzeit, zu der ein Entlebucher normalerweise höchstens kurz prüft, ob draußen alles noch an seinem Platz ist, und sich anschließend wieder hinlegt. Aber heute klingelte der Wecker schon um 4:55 Uhr. Frauchen stand tatsächlich auf, und damit war auch für mich klar, dass die Nacht beendet war. Aufstehen, nach dem Rechten sehen und die erste Runde drehen, bevor Frauchen sich für das Büro fertig machte.
Frauchen hatte es eilig, der alte Mann brauchte seinen Kaffee und ich musste natürlich überprüfen, ob draußen über Nacht irgendwelche Veränderungen passiert waren. Man weiß ja nie. Als Frauchen dann das Haus verlassen wollte, stellte ich vorsichtshalber noch den alten Mann sicher. Man kann ihn nicht einfach allein zurücklassen, nur weil Frauchen ins Büro muss. Ich positionierte mich ordentlich bei ihm und übernahm die Aufsicht.
Frauchen sah mich an und meinte: „Sieht der so aus, als wenn er sich schon bewegen würde?“
Nun ja. Genau deshalb war ich ja da.
Aber auch der alte Mann nutzte die frühe Stunde. Er wollte noch etwas von der kühleren Morgenluft bei der Morgenrunde haben. Eine vernünftige Idee, eigentlich. Nur hatte er sich geirrt. Kühl war es nämlich nicht mehr wirklich. Die Nacht hatte offenbar beschlossen, ihre Wärme einfach mit in den Morgen zu nehmen. Aus der erhofften kühlen Morgenrunde wurde eher eine frühe Runde, bei der man froh sein konnte, überhaupt früh losgekommen zu sein.
Die Runde lief für mich jedenfalls erfolgreich. In meinem Revier gab es keine besonderen Störungen. Fast keine.
Da war nämlich noch ein junger Vater mit einem besonders stylischen Kinderwagen unterwegs. Sehr stylisch. Vielleicht sogar ein bisschen zu stylisch für einen Kinderwagen. Ich fand das verdächtig und habe mir das Gespann deshalb besonders sorgfältig angesehen und den alten Mann entsprechend ausführlich gemeldet. Bei solchen Veränderungen muss man genau hinschauen.
Auf den Feldern ließen wir es ebenfalls locker angehen. Wir hatten zwar das Auto der Labradore gesehen, aber von den Labradoren selbst war heute nichts zu sehen. Damit war für mich klar: keine Begegnung, keine besonderen Vorkommnisse.
Unseren eigentlichen Weg änderten wir dann trotzdem. In der Ferne entdeckten wir eine kleine Gruppe Rehe, die zwischen Bäumen und Ästen stand und dort in aller Ruhe graste. Der alte Mann meinte, wir sollten sie besser nicht aufscheuchen. Wir machten deshalb einen kleinen Schlenker und wechselten auf die Schafrunde. Das war für mich völlig in Ordnung. Man muss nicht jede Begegnung haben, nur weil sie möglich wäre.
Als wir wieder zu Hause ankamen, saß die Nachbarin von gegenüber wieder vor dem Haus und trank Kaffee. Diesmal trug sie allerdings nicht diese knallige rote Jacke vom letzten Mal. Damit stellte sie heute keine Veränderung dar, die ich hätte melden müssen. Ich nahm sie zur Kenntnis und ließ sie weiter ihren Kaffee trinken. Nicht alles, was man sieht, ist eine Meldung wert. Nur das, was sich verändert hat.
Nach dem Frühstück ging der alte Mann in den Keller zu seinen leuchtenden Vierecken und ich wechselte ins Hitzemanagement. Dafür gibt es bei uns einen bewährten Platz: die kühlen Fliesen. Möglichst wenig bewegen, möglichst viel kühlen und trotzdem alles mitbekommen, was im Haus passiert. Mehr musste am Vormittag nicht sein.
Bis dann gegen Mittag die Tür aufging und Frauchen wieder nach Hause kam. Da kam doch noch einmal richtig Leben in mich. Eine Rückkehr nach einem Bürotag verdient eine ordentliche Entlebucher Begrüßung.
Das war dann aber auch die Energieverschwendung, die an so einem Tag unbedingt notwendig war. Danach konnte ich wieder ruhen. Bewegung ist schließlich nicht grundsätzlich schlecht, aber man muss schon wissen, wann genug davon gemacht wurde.
Erst kurz vor der Schlafenszeit musste noch einmal etwas Geschäftliches erledigt werden. Wir waren dafür nur ein paar Meter unterwegs, aber selbst das fand ich bei den Temperaturen schon anstrengend. Schnell wieder zurück ins kühle Haus.
Dort gab es noch ein kleines, hitzegerechtes Beschäftigungsprogramm. Nicht zu viel, nicht zu wild und vor allem nichts, bei dem man unnötig Energie verschwenden musste. Ein bisschen Kopf, ein bisschen Entlebucher und ansonsten möglichst wenig Bewegung.
Entlebucher warten auf kühlere Tage, sagt euch eure Eira.
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