Entlebucher Tagebuch – Montag, 31. August 2026. Heute Nacht ließ der Himmel wieder viel Wasser fallen. Ich konnte es durch das offene Fenster hören, riechen und beobachten. Regen klingt nämlich ganz anders, wenn man noch im Bett liegt. Er trommelt auf das Dach, rauscht durch die Bäume und bringt diesen besonderen Geruch mit, der schon verrät, dass draußen alles nass ist.

Der alte Mann wurde vom beginnenden Tag geweckt und hatte offenbar beschlossen, dass man nur, weil man sich gerade in einer Ersatzhöhle befindet, nicht gleich alle Gewohnheiten über Bord werfen muss. Also nahm er seinen Kaffee und setzte sich aufs Sofa. Als Entlebucher finde ich das ein ausgesprochen vernünftiges Verhalten.

Als wir dann zu dritt aufbrachen, um die Morgenrunde zu absolvieren, gingen wir Richtung See. Was mir sofort auffiel: Frauchen hatte den Leuchtturm eingepackt. Ich war etwas verwundert. Einen Leuchtturm nimmt man schließlich nicht einfach so mit.

Wir gingen durch die Unterführung zum Strand des Hotels. So einen engen Durchgang finde ich immer etwas unheimlich. Vor allem, wenn über einem auch noch die Autos grummeln und man nicht genau sehen kann, was auf der anderen Seite kommt. Aber was tut man nicht alles für einen Morgen am See.

Bevor ich zum Wasser laufen durfte, musste ich erst noch die Wiese und die Bänke kontrollieren. Ich schnupperte hier und dort und schaute mir alles genau an, bevor es weiterging.

Dann schauten sich die beiden an, und der alte Mann fragte Frauchen, wie sie den Leuchtturm wieder aus dem Wasser holen wolle, wenn ich heute wasserscheu wäre.

Frauchen schaute ihn bei dieser Frage ziemlich verdutzt an und gab ihm kurzerhand den Leuchtturm.

Der alte Mann schüttelte den Kopf, als wollte er sagen: War ja klar. Dann machte er kurzerhand die Zergelschnur am Leuchtturm an der Schleppleine fest und warf ihn so weit es ging in den See.

Ich natürlich hinterher. Schließlich musste der Leuchtturm geborgen werden. Zu meinen Gunsten muss ich sagen, dass der See wirklich ausgesprochen wenig Wasser hatte. Als ich den Leuchtturm erreichte, war ich gerade einmal bis zum Bauch nass.

Als ich den Turm erfolgreich gerettet hatte, löste der alte Mann die Leine wieder, und das richtige Spielen konnte beginnen. Es gab ein paar Würfe, ein wenig Gerangel, wenn ich mit dem Leuchtturm zurückkam, und natürlich ein Leckerli, wenn ich ihn am Ende sauber übergeben hatte.

Im Anschluss liefen wir noch eine Weile den Weg am See entlang, und ich führte meine Kontrolle weiter. Am Ufer gab es genug zu schnuppern und zu sehen, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten.

Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Auto in eine Stadt in der Nähe. Frauchen schaut nämlich gerne eine Serie, die dort gedreht wird, und deshalb wollten wir uns die Häuser und Plätze einmal in echt anschauen. Was ich sowieso für die bessere Wahl halte. Schließlich kann man sich die Welt zwar im Fernsehen ansehen, aber draußen gibt es viel mehr zu entdecken. Vor allem für einen Entlebucher.

Es war Montagvormittag, und die Stadt war voll. Richtig voll. Überall Menschen, die kreuz und quer unterwegs waren.

Der Gesichtsausdruck des alten Mannes sagte eigentlich schon alles. Und mir waren es ebenfalls deutlich zu viele Menschen. Bei so vielen Leuten ging die Ordnung ziemlich schnell verloren. Jeder lief irgendwohin, blieb plötzlich stehen oder kam aus einer Richtung, mit der man nicht gerechnet hatte. Da blieb ich lieber dicht bei den beiden und behielt die Umgebung im Auge.

Die beiden nahmen mich zwischen sich und liefen einen Weg ab, den Frauchen auf ihrem leuchtenden Bildschirm angezeigt bekam. Ich fand das schon ziemlich spannend. Es gab so viele unbekannte Gerüche, dass ich kaum wusste, wo ich zuerst schnuppern sollte.

Nur einmal wurde ich besonders aufmerksam. Da kam so ein merkwürdiger, schlaksiger Kerl auf uns zu. Ich richtete mich auf und beobachtete ihn genau. Als er näher kam, stellte ich mich vor den alten Mann und Frauchen und machte ihm unmissverständlich klar, dass er uns nicht einfach so zu nahe kommen sollte. Danach ging er weiter und ich konnte mich wieder entspannen.

Insgesamt hatten die beiden schon das meiste von dem gesehen, was sie sehen wollten. Nur mit den Fotos, die Frauchen machen wollte, war es eher schwierig. Vor den Häusern standen immer große Gruppen von Menschen, denen gerade erklärt wurde, was das für Häuser waren und was dort passiert war. Frauchen hatte deshalb manchmal mehr Menschen als Häuser auf ihren Bildern.

Irgendwann hatten wir dann genug von den vielen Menschen und fuhren zurück in die Ersatzhöhle. Dort machten wir uns etwas zu essen und ruhten uns nach diesem ganzen Stadtstress erst einmal aus.

Natürlich liefen wir auch noch einmal über die Wiesen und durch den Wald. Diesmal war es wieder eher mein Revier. Ich konnte in Ruhe die bekannten Wege ablaufen, an den interessanten Stellen stehen bleiben und überprüfen, was sich seit dem letzten Rundgang verändert hatte. Hier ein Geruch, dort eine Spur und zwischendurch natürlich immer wieder ein Blick, ob alles seine Ordnung hatte.

Der alte Mann sah dabei schon viel entspannter aus. Er ging gemütlich seinen Weg, während ich große Kreise um die beiden zog. Mal ein Stück voraus, dann wieder zurück, kurz in den Wald hinein und über die Wiese.

Frauchen sah ebenfalls zufrieden aus und ließ mich meine Kontrolle machen. Nur auf eine Sache bestand sie: Wir sollten auf keinen Fall wieder den Weg von gestern nehmen. Sie wollte nicht noch einmal über einen Graben hüpfen.

Wieder zurück konnten wir alle zufrieden den Tag auf dem Sofa ausklingen lassen.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira


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