Entlebucher Tagebuch – Freitag, 24. Juli 2026. Die Nächte gewinnen jetzt jeden Tag ein paar Minuten dazu. Das bedeutet für uns morgens ein bisschen mehr Schlaf. Ich finde, das ist eine der besseren Ideen der Natur.
Wenn der alte Mann dann aufsteht, bleibt alles wie immer. Erst die Kaffeemaschine, dann das Sofa. Solche festen Abläufe mag ich. Sie bedeuten, dass die Welt noch in Ordnung ist und jeder weiß, was als Nächstes passiert.
Nachdem der alte Mann eine ganze Weile im Arbeitszimmer auf die leuchtenden Rechtecke geschaut hatte, machten wir uns schließlich auf den Weg zur Revierkontrolle. Ich prüfte wie immer die wichtigsten Duftnachrichten der Nacht, kontrollierte die Wege und vergewisserte mich, dass alles so war, wie es sein sollte.
Am Friedhof sahen wir, dass die drei Labradore – oder vielleicht eher ihr Frauchen – sich mehr nach der Uhr richteten als wir. Sie saßen jedenfalls schon wieder im Auto und wollten nach Hause.
Auf dem Weg zu den Feldern bekam ich eine sehr interessante Spur in die Nase. Ich folgte ihr eine Weile, doch irgendwann verlor sie sich wieder. Das war aber nicht weiter schlimm, denn dort draußen gab es noch genug anderes zu erkunden.
Wir genossen die frische Luft, übten verschiedene Kommandos oder ich durfte wieder nach den Dingen suchen, die der alte Mann unterwegs verloren hatte.
Auf dem Rückweg kamen wir an einer der ungemähten Wiesen vorbei. Das Gras reichte inzwischen fast zwei Entlebucher hoch. Mitten darin entdeckten wir eines der Rehe, das uns genauso aufmerksam beobachtete wie wir es.
Mit ordentlichem Appetit auf das Frühstück kamen wir wieder am Haus an. Allerdings wurde uns der Zutritt zunächst verweigert. Eine der streunenden Katzen, die manchmal von Frauchen gefüttert wird, saß direkt vor der Haustür und hatte offenbar beschlossen, dort zu warten. Als ich vorsichtig nachfragen wollte, was das sollte, zeigte sie mir ihre Krallen. Daraufhin überließ ich die Angelegenheit lieber dem alten Mann.
Der alte Mann forderte sie zunächst freundlich auf, Platz zu machen. Als das keinerlei Wirkung zeigte, schob er sie kurzerhand ein Stück zur Seite. Sie war klug genug, den alten Mann nicht herauszufordern, sprang von der Treppe und setzte sich ein paar Schritte entfernt hin. Erst dann durften wir endlich ins Haus.
Dann begann der ruhige Teil des Tages. Frauchen war heute unterwegs und wird wohl auch die nächsten Tage unterwegs sein. Aber sie ist vernünftig genug, zum Schlafen immer wieder zum Rudel zurückzukommen. Der alte Mann hält sich leider nicht immer an dieses bewährte Konzept.
Am Abend gingen wir seit Langem mal wieder durch den Burgwald. Dabei musste ich feststellen, dass sich die Gerüche verändert hatten. Das ist nicht weiter verwunderlich. Wer ein Revier zu lange vernachlässigt, darf sich über neue Duftnachrichten nicht wundern. Wir sollten dort wieder öfter nach dem Rechten sehen.
An einer Stelle war plötzlich alles schwarz und es roch ganz besonders. Es erinnerte mich an den Geruch, der entsteht, wenn der alte Mann bei großer Hitze trotzdem noch ein Feuer macht, um darauf das Fleisch schwarz werden zu lassen. Ich vermute, Menschen nennen das Grillen.
Der alte Mann blieb einen Moment stehen, zeigte auf die Stelle und meinte, das hätte auch übel ausgehen können. Im Sommer müsse man im Wald besonders gut aufpassen. Ein kleines Feuer könne schnell zu einem großen werden.
Als wir wieder zu Hause waren, ließen wir den Tag gemeinsam mit Frauchen ruhig ausklingen. So gehört sich das. Am Ende eines Tages sollte das Rudel wieder vollständig sein.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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