Diskussionen und erstes Wasser

Diskussionen und erstes Wasser

Entlebucher Tagebuch – Montag, 28. September 2026. Heute Morgen war Frauchen schon vor der Zeit wach. Der alte Mann meinte, sie wolle wohl noch die letzten Tage nutzen, an denen sie so früh mit dem Arbeiten anfangen kann. Frauchen hat das bestritten. Der alte Mann hat ihr offenbar nicht geglaubt, aber das war dann eine Sache zwischen den beiden.

Seinen Sofa-Wachwerde-Kaffee gab es trotzdem. Ich legte mich neben ihn und beobachtete das Ganze.

Anschließend fuhr der alte Mann ins Büro und Frauchen ging mit mir auf die Morgenrunde. Zuerst stand die übliche Revierkontrolle an. Hier schnüffeln, dort genauer nachsehen und zwischendurch überprüfen, wer seit gestern unterwegs gewesen war. Es hatte sich einiges getan.

Frauchen und ich waren uns allerdings nicht immer einig, mit welcher Geschwindigkeit so eine Kontrolle durchgeführt werden sollte. Ich fand, dass manche Stellen eine zügige Annäherung verlangten. Frauchen fand, dass die Leine dabei trotzdem locker bleiben könnte. Daraus entwickelten sich ein paar kleinere Diskussionen.

Ich versuchte es mit Zug nach vorne, Frauchen mit Stehenbleiben. Ich versuchte es erneut mit Zug nach vorne und Frauchen hatte ihre Meinung überraschenderweise nicht geändert. So kamen wir stellenweise langsamer voran, als ich vorgesehen hatte.

Unterwegs kamen uns zwei Hunde entgegen, die ich nicht kannte. Frauchen fand, das wären gute Sparringspartner für „wir lassen andere Hunde ohne Meinungsäußerung an uns vorbeigehen“.

Als wenn ich so etwas üben müsste.

Beide benahmen sich anständig, also gingen sie an uns vorbei und ich hatte nichts zu beanstanden.

Auf den Feldern haben wir ein paar Kommandos geübt. Frauchen gab die Signale und ich führte sie aus.

Irgendwo lag außerdem der Geruch von den Labradoren in der Luft. Ich prüfte die Spur mehrmals, aber sie war schon zu alt, um noch eine vernünftige Richtung herzugeben. Die Labradore selbst trafen wir jedenfalls nicht mehr.

Viel Strecke hatten wir wegen unserer anhaltenden Leinendiskussion nicht gemacht. Lange unterwegs gewesen waren wir trotzdem.

Zu Hause konnte ich den Sicherheitsdienst übernehmen. Frauchen setzte sich vor ihre leuchtenden Vierecke und starrte hinein, während ich aufpasste.

Die Sonne hatte heute den falschen Kalender erwischt und war der Meinung, wir könnten Ende September noch einmal Hochsommertemperaturen gebrauchen. Das Haus verließen wir deshalb für eine ganze Weile nicht mehr.

Erst gegen Abend fuhr der alte Mann mit mir zum Parkplatz Siebeneichen. Von dort gingen wir zu dem ausgetrockneten Bach, um nachzusehen, ob sich inzwischen etwas getan hatte. An unserer üblichen Stelle war alles wie erwartet: trocken.

Weiter bachabwärts sah die Sache anders aus. Dort findet das Wasser langsam wieder seinen Weg aus dem Berg. Im Moment ist es nur ein ziemlich lächerliches Rinnsal zwischen den Steinen, aber es wird.

Später suchten wir uns einen Platz auf dem Sofa. Diesmal sogar mit Frauchen.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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