Entlebucher Tagebuch, Dienstag, 14. Juli 2026. Heute war ich als Erste wach. Also übernahm ich die wichtige Aufgabe, die beiden zu beobachten. Ich schaute sie einfach so lange an, bis sie endlich die Augen aufmachten. Das dauerte allerdings erstaunlich lange. Für einen Entlebucher ist so etwas schwer nachzuvollziehen.

Der alte Mann war dann aber erstaunlich schnell bereit für die Morgenrunde. Offenbar hatte auch er verstanden, dass man wichtige Dinge am besten vor dem Frühstück erledigt. Also drehten wir unsere Runde noch, bevor es Frühstück für uns beide gab.

Offiziell nahm ich auf halber Strecke eine Abkürzung, damit wir dem unruhigen Himmel zuvorkamen. Inoffiziell verlief dort einfach eine unglaublich interessante Spur. So oder so hatten wir die Ersatzhöhle auf diese Weise fast erreicht, als der Himmel laut wurde und Wasser fallen ließ. Deshalb wurden wir kaum nass.

Beim Frühstück war ich heute Morgen wohl etwas empfindlich. Als mir einer der anderen Trailhunde zu nah kam, reagierte ich deutlicher, als man es von mir gewohnt ist. Er schien es mir aber nicht übel genommen zu haben. Später, als ich bei der Arbeit an ihm vorbeilief, hielt er es nicht einmal für nötig, den Kopf zu heben. Damit war die Sache für uns offenbar erledigt.

Als wir dann zur morgendlichen Übung aufbrachen, war der Himmel immer noch laut und ließ Wasser fallen. Das hielt uns allerdings nicht auf.

Die Menschen machten erst einmal eine Vorbesprechung unter einem Dach. Ich musste währenddessen im Auto warten. Das Auto war aber offen und ich konnte Frauchen und den alten Mann die ganze Zeit sehen. Für einen Entlebucher ist das Grund genug, sich gelegentlich an der Unterhaltung zu beteiligen.

Dann begann für mich erst einmal eine längere Wartezeit. Heute war ich nämlich erst am Ende der ersten Runde an der Reihe. Irgendwann gingen wir gemeinsam mit zwei anderen Hunden vom Parkplatz zu den Straßen, in denen wir üben sollten.

Auf einmal hielt mich der alte Mann etwas zurück und Frauchen verschwand ohne uns. Ich erklärte ihm sehr deutlich, dass Frauchen gerade verloren gegangen war. Er ließ sich davon allerdings überhaupt nicht beeindrucken und verlangte stattdessen, dass wir warteten. Als ich ihn weiterhin davon überzeugen wollte, dass wir ihr unbedingt folgen mussten, schickte er mich sogar ins Platz.

Als wir ihr dann endlich folgen durften, ging ich selbstverständlich zügig voran. Irgendjemand musste schließlich dafür sorgen, dass wir Frauchen wiederfanden.

Dann erreichten wir die anderen und ich musste schon wieder warten, bis Frauchen endlich wieder auftauchte. Meiner Meinung nach kam sie eindeutig viel zu spät. Das habe ich ihr bei ihrer Rückkehr auch sofort und unmissverständlich mitgeteilt.

Dann dauerte es noch eine kurze Weile, bis ich endlich mit Suchen an der Reihe war. Gemeinsam liefen wir zum Startpunkt und der alte Mann setzte mich in einer bestimmten Richtung ab. Ich blieb ganz professionell sitzen, während er mich umschirrte, und ließ mir den Duft zeigen. Den hatte ich natürlich so schnell aufgenommen, dass der alte Mann es entweder nicht richtig gesehen hatte oder glaubte, so schnell könne ich gar nicht riechen. Ich machte ihm deutlich, dass ich längst Bescheid wusste.

Dann ging es los. Nach ein paar Metern wurde die Spur allerdings immer schwächer und war schließlich ganz verschwunden. Also drehte ich um. Alle wirkten plötzlich sehr zufrieden und lobten mich. Wahrscheinlich wollten sie nur davon ablenken, dass sie mich in die falsche Richtung gestartet hatten. Professionelle Arbeit zu loben, schadet allerdings nie.

In der anderen Richtung verlief die Spur dann genau so, wie sie sollte. Wir fanden die versteckte Person schnell. Sie wusste außerdem wieder genau, wie man sich als Versteckperson zu verhalten hat: warten, bis ich ordentlich vorsitze, die Bezahlung unverzüglich aushändigen und auf keinen Fall wegrennen. Genau so arbeitet es sich angenehm.

Dann wurde das Lager aufgelöst und wir fuhren in eine andere Stadt. Dort schickten die Menschen die Autos wieder zugedeckt schlafen. Wenigstens vergaßen sie diesmal nicht, dass inzwischen auch Essenszeit war. Das fand ich deutlich sinnvoller.

Anschließend übten wir in einem Park. Das war angenehm, denn dort standen Bäume, die reichlich Schatten warfen.

Bei der neuen Aufgabe waren mehrere Menschen gemeinsam losgegangen und saßen später nah beieinander. Ich sollte die richtige Person finden. Ich kam zur ersten und dachte: Die könnte es sein. Trotzdem wollte ich mir die anderen auch noch ansehen. Aber zuerst musste ich überprüfen, ob der alte Mann nicht verloren gegangen war. Das war zum Glück nicht der Fall.

Also ging ich noch einmal zu der Frau zurück, vor der ich schon gestanden hatte. Dabei kam ich zu dem Schluss, dass man nicht immer alles doppelt überprüfen muss, wenn es eigentlich eindeutig ist. Also verkürzte ich das Ganze, setzte mich hin und sagte: Die ist es.

Ich hatte natürlich recht. Alle waren zufrieden und ich wurde vertragsgemäß entlohnt.

Offenbar hatte ich so professionell gearbeitet, dass wir anschließend noch gemeinsam Eis essen gingen. Diesmal bekam ich sogar eine eigene Kugel und musste mich nicht damit begnügen, den Becher des alten Mannes auszulecken. Das war eine angemessene Belohnung für gute Arbeit.

Nach einer ausgedehnten Ruhephase in der Ersatzhöhle gingen wir wieder zu den Tischen unter den Bäumen. Heute waren wir die Ersten und damit deutlich früher dort – eigentlich fast direkt nach meinem Abendessen.

Da außer uns noch kein anderer Hund am großen Tisch war, übernahm ich als pflichtbewusster Entlebucher selbstverständlich den Sicherheitsdienst. Irgendjemand muss schließlich den Überblick behalten.

Kurz darauf kam der Großpudel aus unserer Gruppe. Wir begrüßten uns höflich, sagten Hallo und waren uns schnell einig, dass wir uns bereits kannten. Als er sich dann aber hinlegen wollte, teilte ich ihm vorsorglich noch mit, dass heute ich für den Sicherheitsdienst zuständig sei. Das schien ihn überhaupt nicht zu beeindrucken. Er legte sich einfach hin, als hätte ich gar nichts gesagt. Damit war die Angelegenheit allerdings auch geklärt.

Auch dem Collie, der in den letzten Tagen vorsorglich schon den Wachdienst übernommen hatte, gab ich kurz Bescheid, als er heute dazukam. Ordnung muss schließlich sein.

Beim dritten Hund im Bunde wollte ich gerade ebenfalls meine übliche Ansage machen, als der alte Mann meinte, der wisse das doch schon von heute Morgen. Also schluckte ich meine Ansage wieder herunter. Ich bin schließlich kompromissbereit. Man muss seine Energie ja nicht für Dinge verschwenden, die bereits geklärt sind.

Im Laufe des Abends musste ich mir allerdings eingestehen, dass der Tag anstrengender gewesen war, als ich zunächst gedacht hatte. Rückblickend muss ich zugeben, dass ich nicht durchgehend in Bereitschaft war. Zwischendurch fielen mir für einen Moment die Augen zu. Zum Glück passierte in dieser Zeit nichts, was einen Entlebucher sofort auf den Plan gerufen hätte.

Allerdings rächte sich der verfrühte Aufbruch von Frauchen und dem alten Mann zum Abendessen. Wir waren viel zu früh bei den Tischen unter den Bäumen angekommen – viel zu früh für die letzten wichtigen Geschäfte des Tages. Die beiden hatten aber ganz offensichtlich vor, länger sitzen zu bleiben, als es der Vertrag für die letzte Runde vorsieht.

Zum Glück erkannte der alte Mann sein Fehlverhalten an. Als ich ihm das vereinbarte Zeichen gab, stand er auf und begleitete mich zur üblichen Zeit, damit wir die letzten wichtigen Geschäfte des Tages ordnungsgemäß erledigen konnten.

Danach war ich durchaus bereit, bei der verbleibenden Zeit unter den Bäumen großzügig zu sein. Ich erklärte allerdings auch, dass der anschließend geplante Ausflug in die Wälder nach Erledigung aller wichtigen Tagesaufgaben nicht mehr notwendig sei. Es reicht vollkommen, wenn der alte Mann morgen früh wieder pünktlich aufsteht. Mehr Einsatz muss man für einen erfolgreichen Arbeitstag wirklich nicht verlangen.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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