Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 21. Oktober 2026. Heute war Bürotag für den alten Mann. Sein leuchtendes Viereck meldete sich zu einer halbwegs vernünftigen Zeit, und ich stellte mich auf einen gemütlichen Morgen ein. Der alte Mann mit seinem Kaffee, ich neben ihm auf dem Sofa und Frauchen bereits mit ihren leuchtenden Vierecken beschäftigt. So war jedenfalls mein Plan.

Frauchen hatte offenbar andere Vorstellungen. Sie wuselte schon durch das Haus und fragte den alten Mann, ob er denn noch mit mir hinausgehen würde. Der brummte etwas davon, dass das doch so abgesprochen sei. Besonders gesprächig ist er morgens vor seinem ersten Kaffee nicht. Frauchen betrachtete uns beide eine Weile und meinte, er sähe aber nicht so aus. Ich fand, dass wir einen beschäftigten Eindruck machten. Immerhin saßen wir auf dem Sofa.

Der alte Mann hielt sich an die Vereinbarung. Wir machten eine recht ordentliche Morgenrunde, obwohl es noch dunkel war und regnete. Diese Kombination finde ich für eine Morgenrunde etwas ungewöhnlich. Normalerweise wird es wenigstens irgendwann hell. Aber die Nachrichten am Wegrand müssen auch bei schlechtem Wetter kontrolliert werden.

Unterwegs begegneten wir einem Retriever, den ich schon von mehreren Begegnungen in der Stadt kenne. Wir wissen inzwischen beide, mit wem wir es zu tun haben. Wir gingen in einem ordentlichen Bogen aneinander vorbei. Ganz ohne Aufregung. Auf dem Rückweg trafen wir Rosa. Leider wieder innerhalb der Stadt, wo wir beide an der Leine bleiben mussten. Für eine kurze Begrüßung reichte es, für alles Weitere nicht. Rosa und ich haben da andere Vorstellungen.

Wieder zu Hause begann ein Kommen und Gehen. Frauchen und der alte Mann verließen das Haus zwar nicht gemeinsam, aber beinahe gleichzeitig. Der alte Mann nahm seinen Bürorucksack mit. Das kenne ich. Frauchen dagegen ging ohne Tasche. Das war weniger eindeutig.

Nach einer Weile kam Frauchen zurück. Ich hielt es für angebracht, sie den Rest des Tages besonders aufmerksam zu bewachen. Sie saß vor ihren leuchtenden Vierecken und redete. Nicht nur ein bisschen, sondern richtig viel. Dabei war weit und breit niemand zu sehen, mit dem sie hätte sprechen können. Gelegentlich schien sie sogar Antworten zu bekommen. Ich habe mich mehrfach davon überzeugt, dass sich niemand unbemerkt im Zimmer aufhielt.

Am frühen Nachmittag kam der alte Mann zurück. Er trug zwei seltsame Koffer in das Zimmer von Lilly und Fee und machte die Tür hinter sich zu.

Kurze Zeit später begann Fee ganz jämmerlich zu miauen. Ich lauschte aufmerksam. Wenig später stimmte Lilly mit ein. Was dort hinter der geschlossenen Tür vor sich ging, schien beiden überhaupt nicht zu gefallen. Ich schmiegte mich vorsichtshalber dicht an Frauchen.

Dann verlangte der alte Mann, dass Frauchen und ich ins Arbeitszimmer gingen. Dabei hatte ich nichts getan, was einen solchen Ortswechsel gerechtfertigt hätte. Von dort hörte ich, wie die beiden Katzen weiterhin lautstark protestierten und aus dem Haus getragen wurden. Kurz darauf waren sie und der alte Mann verschwunden. Frauchen ließ mich nicht nachsehen.

Stattdessen gingen wir zu unserer zweiten Runde hinaus. Es regnete immer noch. Besondere Vorkommnisse gab es diesmal keine.

Wir waren schon eine Weile zurück, als der alte Mann wieder auftauchte. Frauchen und ich wurden erneut ins Arbeitszimmer geschickt. Wieder hörte ich protestierende Katzen. Diesmal wurden sie zurück in ihr Zimmer gebracht.

Kaum durften sie wieder selbst entscheiden, wo sie sich aufhalten wollten, verschwanden beide in Richtung draußen. Nach einem solchen Nachmittag hätte ich möglicherweise ebenfalls erst einmal einen Reviergang gebraucht. Allerdings regnete es noch immer. Schon wenige Minuten später waren beide wieder im Haus.

Es dauerte noch eine Weile, bis sich die allgemeine Aufregung gelegt hatte. Dann durfte ich mich endlich wieder frei bewegen. Ich kontrollierte, ob alles noch an seinem Platz war. Zumindest äußerlich schien die Ordnung wiederhergestellt.

Am Abend gab es endlich das, worauf ich mich schon am Morgen eingestellt hatte: gemütliches Ankuscheln auf dem Sofa. Fee scheint dem alten Mann die ganze Angelegenheit nicht besonders übel zu nehmen. Während er jetzt auf seinem Bett meine Geschichte aufschreibt, liegt sie schon wieder schnurrend neben ihm.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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