Entlebucher Tagebuch – Montag, 14. September 2026. Heute wurde der alte Mann kurz vor dem Wecker wach, was nicht weiter dramatisch ist, denn an seinen Bürotagen schlafen wir länger als an den anderen Tagen von Frauchen. So hatte er ein paar Minuten mehr als sonst für seinen Kaffee auf dem Sofa. Ich war beim Aufstehen wohl ein kleines bisschen lauter, denn nur wenige Minuten später tauchte Frauchen auf und fragte, warum wir schon auf seien. Der alte Mann antwortete mit einem Schulterzucken und Frauchen setzte sich einfach zu uns.

Kurze Zeit später verschwand der alte Mann und fuhr ins Büro. Frauchen machte keine Anstalten, sich an ihre leuchtenden Vierecke zu begeben. Wie sich herausstellte, musste sie das heute gar nicht. Ich fand, das war eine ausgesprochen gute Idee. Ohne leuchtende Vierecke am frühen Morgen kann man die Morgenrunde schließlich viel entspannter angehen.

Als der Tag dann auch wach war, machten wir uns auf den Weg. Eine ordentliche Morgenkontrolle beginnt nicht erst draußen auf den Feldern. Im näheren Umfeld muss erst einmal geprüft werden, ob alles seinen gewohnten Gang geht. Türen, Geräusche, Gerüche – nichts davon sollte ungeprüft bleiben. Danach ging es Richtung Felder, und zwar in einem durchaus sportlichen Tempo. Ich hatte Energie und wollte vorankommen. Dann bekam ich den Geruch der Labradore in die Nase, was mich noch ein wenig schneller werden ließ.

Als wir uns trafen, gab es erst einmal eine ordentliche Begrüßung. Danach vollzogen wir die Revierkontrolle gemeinsam, zuerst in großen Kreisen und dann in noch größeren. Irgendwann waren die Kreise so weit geworden, dass die Frauen uns aus den Augen verloren. Frauchen schaute ganz genau, wo ich denn wäre, sah mich aber nicht. Dann kamen die Lapis wieder in Sicht und Frauchen wurde nervös. Sie holte sogar die Pfeife heraus. Das macht sie nur sehr selten. Zweimal pfiff sie schnell hintereinander.

Das war das Zeichen für mich. Ich hatte noch einen großen Halbkreis um sie herum gemacht und setzte nun zum Entlebucher Galopp an. Von hinten raste ich auf Frauchen zu und erwischte sie damit mindestens so unvorbereitet wie den alten Mann, wenn ich meine Ankunft gelegentlich aus einer etwas unerwarteten Richtung gestalte. Dass ich komme, ist ja keine Frage. Die Richtung darf ruhig variieren.

Wir gingen noch ein Stück gemeinsam weiter. Heute waren Frauchen und ich bei Beobachtung und Dynamik erstaunlich gut aufeinander eingestellt. Sie bemerkte Dinge, ich bemerkte Dinge – und manchmal bemerkten wir dasselbe. Ich musste nicht lange erklären, warum ich stehen blieb, einen Blick zur Seite warf oder plötzlich einen Gang zulegte. Frauchen war aufmerksam und ich war aufmerksam. Das machte die Morgenrunde für uns beide ziemlich angenehm.

Dann tauchten noch die Collis auf. Wir schauten uns alle ziemlich verwundert an, denn so etwas hatten wir schließlich noch nie erlebt: Das Herrchen der Collis hatte noch nie einen von ihnen an der Leine. Heute war das anders. Benni, der Jungspund, musste angeleint laufen. Wie ich hörte, befindet er sich wohl gerade in einer ausgeprägten Trotzphase. Zum Glück hatte ich mit ihm ja bereits geklärt, dass nicht alles geht, nur weil man gerade der Meinung ist, es müsse so sein.

Danach verbrachten Frauchen und ich einen schönen Tag zu Hause. Gegen Mittag kam der alte Mann schon wieder zurück. Er war noch einmal beim Arzt wegen seiner Schulter gewesen, die zwar immer besser wird, aber offenbar noch nicht ganz fertig mit ihm ist. Eine weitere Schachtel mit den weißen Leckerlies hatte er jedenfalls dabei. Die soll er jetzt nur noch zum Schlafengehen und zum Essen nehmen.

Danach ging er noch einmal an seine leuchtenden Vierecke. Als er damit Schluss machte, begann er einen Korb zu packen. Wasser und Leckerlies wanderten hinein. Als er anschließend in den Flur ging, folgte ich ihm. Es hätte ja sein können, dass er das Trailgeschirr holt. Tat er aber nicht, nur das normale. Na gut.

Trotzdem fuhren wir eine ganze Weile mit dem Auto, Frauchen war ebenfalls dabei. Als wir ausstiegen, erkannte ich sofort, wo wir waren: auf dem Platz, auf dem wir Treiball trainieren. Ich war sofort bereit. Der Platz war allerdings noch besetzt, deshalb gingen wir erst einmal eine Runde zum Fluss. Das war gar nicht schlecht, denn so konnten alle wichtigen Geschäfte vorher erledigt werden und ich konnte entspannt ins Training starten.

Heute übte Frauchen allein mit mir. Der alte Mann meinte, mit ausklingendem Männerschnupfen und weher Schulter sei Zuschauen völlig ausreichend. Ich sah das anders und lief während des Trainings regelmäßig zu ihm hin. Er ließ sich trotzdem nicht umstimmen. Also trainierte ich weiter mit Frauchen, was durchaus seine Vorteile hatte: Bei ihr fällt die Leckerlie-Ausbeute oft etwas höher aus.

Nach der Sommerpause zeigte sich dann doch, wie anstrengend so ein Training ist. Gegen Ende war ich ziemlich fix und fertig. Nicht körperlich, versteht sich. Immerhin bin ich ein Entlebucher. Aber im Kopf, da hat es ordentlich geraucht. Deshalb war ich ganz froh, als wir wieder ins Auto stiegen und nach Hause fuhren. Dort ließen wir den Tag ruhig auf dem Sofa ausklingen.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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