Eiras Tagebuch – Sonntag, 26. Juli 2026. Heute Morgen war alles so, wie ich es mag. Der alte Mann brauchte wieder ein wenig, bis er seinen Kaffee getrunken hatte. Ich wartete geduldig, auch wenn ich ihm mit einem Blick deutlich machte, dass draußen längst ein neuer Tag auf uns wartete. Irgendwann war der Becher leer, die Leine griffbereit und unsere Morgenrunde konnte beginnen.

Die Luft war angenehm kühl und über den Wiesen lag noch ein Hauch von Feuchtigkeit. Es roch nach Erde, Gras und den vielen Tieren, die in der Nacht unterwegs gewesen waren. Ich kontrollierte jeden wichtigen Weg, schnupperte an den bekannten Stellen und stellte zufrieden fest, dass mein Revier noch genauso aussah wie gestern. Ordnung muss eben sein.

Ich musste heute niemanden begrüßen, niemanden beobachten und auch keine besonders wichtigen Entscheidungen treffen. Es gab keine Hunde, keine Radfahrer und keine Menschen, die plötzlich aus einer Kurve auftauchten. So konnte ich mich ganz auf die vielen Gerüche konzentrieren. Jede Nacht hinterlässt ihre eigenen Geschichten, und ein guter Entlebucher liest sie aufmerksam, bevor der Tag richtig beginnt.

Bevor wir den Heimweg antraten, versteckte der alte Mann noch einen Dummy für mich. Solche Aufgaben mag ich, denn dabei kann ich meine Nase richtig einsetzen. Ich hatte den Dummy schnell gefunden, trat dabei aber irgendwo unglücklich mit einer Vorderpfote auf. Es tat wohl einen Moment lang weh, denn ich wollte die Pfote nicht mehr richtig belasten. Der alte Mann war sofort bei mir und schaute sie sich ganz genau an. Er konnte nichts Auffälliges entdecken. Sicherheitshalber beschlossen wir trotzdem, den Rückweg anzutreten. Mit jedem Schritt lief sich die Pfote langsam wieder ein, und schon nach kurzer Zeit konnte ich wieder ganz normal auftreten.

Der alte Mann ließ mich trotzdem in meinem Tempo laufen. Er weiß inzwischen, dass ich dabei nicht einfach nur Zeit vertrödle. Ich sammle Informationen. Wer war hier? Wann war er hier? War alles ruhig oder gab es etwas Besonderes? Heute lauteten die Antworten immer wieder: alles ganz normal.

Inzwischen schien die Sonne bereits durch die Baumkronen. Zuhause wartete das Frühstück, und danach begann für den alten Mann wieder die Arbeit.

Frauchen ließ uns heute noch einmal allein, und so verbrachten der alte Mann und ich einen ganz ruhigen Sonntag. Während er im Haus die Dinge erledigte, die er sonntags immer macht, übte ich mich schon einmal im Hitzemanagement. Bei den Temperaturen ist das im Sommer eine der wichtigsten Aufgaben eines Entlebuchers. Also suchte ich mir immer wieder ein kühles Plätzchen, döste ein wenig und sparte meine Energie für den Abend auf.

Als die Sonne langsam tiefer stand, meinte der alte Mann, wir könnten mal wieder zu den Sieben Eichen fahren. Meine Vorderpfote fühlte sich inzwischen wieder ganz normal an, und so fand ich das eine ausgezeichnete Idee.

Am Parkplatz angekommen, wunderten wir uns allerdings. Sonntags dürfen die lauten Zweiräder die Neuffener Steige eigentlich gar nicht befahren. Trotzdem saßen viele Menschen am Hang und blickten gespannt auf die Straße. Der alte Mann meinte, dass sie zwar trotzdem fahren würden, nur eben längst nicht so viele wie an den anderen Tagen. Für mich war das schnell abgehakt. Die Menschen beobachteten die Straße, ich kontrollierte lieber den Wald. Das erschien mir deutlich sinnvoller.

Schon nach wenigen Schritten wurde es ruhig. Aus dem Hohlweg links von uns war das Rauschen der Bäume zu hören. Der Wind strich gleichmäßig durch die Kronen der alten Bäume, und für einen Moment war das das lauteste Geräusch im ganzen Wald. Ich blieb kurz stehen, hob den Kopf und lauschte. Manchmal ist genau diese Ruhe das Schönste an einer Abendrunde.

Im Wald war es angenehm schattig und deutlich kühler als unten im Tal. Ich kontrollierte die Gerüche, stellte zufrieden fest, dass der umgestürzte Baum inzwischen vom Weg entfernt worden war, und überprüfte, ob in den Stämmen am Wegesrand noch immer Leckerlis wuchsen. Zu meiner Zufriedenheit war das tatsächlich der Fall.

Am Bauerlochbach mussten wir feststellen, dass das Wasser noch immer nicht zurückgekehrt war. Das Bachbett lag trocken da, so wie schon seit einiger Zeit. Zum Glück hatte der alte Mann Wasser dabei. Er stellte meinen Napf einfach mitten ins Bachbett und füllte ihn. Anschließend gingen wir noch ein Stück weiter durch den Wald, bevor wir langsam wieder zum Auto zurückkehrten.

Wieder zuhause ließen wir den Abend ganz ruhig ausklingen. Meine Pfote machte inzwischen überhaupt keine Probleme mehr, und ich rollte mich zufrieden auf meinem Platz zusammen. Der alte Mann setzte sich noch eine Weile zu mir. Draußen wurde es langsam still, und auch im Haus kehrte die Sonntagsruhe ein. So durfte dieser Tag genauso ruhig enden, wie er begonnen hatte.

Ein ruhiger Sonntag ist für einen Entlebucher niemals langweilig. Man muss sich nur die Zeit nehmen, genau hinzusehen, sagt euch eure Eira.


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