Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 07. Oktober 2026. Heute Morgen weckte uns das Geschrei eines leuchtenden Vierecks. Frauchen stand auf und ging gleich zu den anderen leuchtenden Vierecken. Der alte Mann und ich gingen erst einmal aufs Sofa. Er mit Kaffee, ich dicht neben ihm. Nach einer Weile setzte sich dann auch der alte Mann an sein leuchtendes Viereck. Ich hatte gehofft, wir wären auf dem Sofa schon am richtigen Platz gewesen.

Als der Tag dann aufstand, machte ich dem alten Mann deutlich, dass es Zeit für die Morgenrunde wurde. Er hatte lange genug auf sein leuchtendes Viereck geschaut. Ich stellte mich neben ihn und sah ihn an. Dann zur Tür. Dann wieder ihn. Schließlich stand er auf.

Draußen war es frisch. Ich nahm die ersten Gerüche auf und überprüfte unterwegs, wer vor uns schon durch die Stadt gekommen war. Der alte Mann lief mit, während ich an den interessanten Stellen etwas genauer nachsehen musste. So kamen wir bis zum Friedhof. Dort trafen wir schon die Lapis. Der Lapi-Opa war bei den frischen Temperaturen wesentlich agiler als im Sommer und kam zu einer höflichen Begrüßung herüber. Ich begrüßte ihn ebenso höflich. Der Jüngste musste an der Leine bleiben. Wir waren noch in der Stadt, und da gelten die bekannten Vorschriften. Für einen kurzen Nasenstupser reichte es trotzdem.

Auf den Feldern war dann endlich genug Platz, um mal wieder zu zeigen, wie ein Entlebucher rennt. Ich zog große, schnelle Kreise über die Wiesen, kam zum alten Mann zurück und startete gleich noch einmal. Er war inzwischen ein paar Schritte weitergekommen. Ich musste meinen Kreis etwas versetzen. Dabei behielt ich die Feldränder, die Wege und den alten Mann im Blick.

Ein paarmal ließ der alte Mann auch den Ball fliegen. Ich hinterher. Manchmal musste ich allerdings erst um den Ball herumlaufen, bevor ich ihn holen durfte. Er lag schon da, ich wusste, wo er lag, aber der alte Mann hatte noch einen Umweg vorgesehen. Ein paar freche Krähen entdeckte ich. Als der alte Mann mich zurückrief, kam ich sogar von denen wieder zu ihm.

Vor dem Haus fanden wir dann noch eine Streunerkatze, die zusammengerollt in einem der Blumentöpfe schlief. Ich machte von der Treppe aus einen langen Hals in ihre Richtung. Der alte Mann sagte, wir lassen sie schlafen. Ich ging mit ihm ins Haus.

Der alte Mann brachte mich zu Frauchen ins Arbeitszimmer, küsste sie und sagte: „Bis morgen Abend.“ Ich legte mich bei ihr hin. Nach einer Weile fiel mir auf, dass der alte Mann gar nicht mehr aufgetaucht war. Ich schaute im Haus nach. Kein alter Mann. Frauchen suchte ebenfalls noch eine Weile, bevor sie mit ihrem leuchtenden Viereck sprach. Daraus kam die Antwort, er habe sich doch verabschiedet.

Das bestritten wir beide aufs Äußerste. Zumindest am Anfang. Frauchen knickte irgendwann ein und meinte, ja, da sei wohl etwas gewesen. Ich blieb bei meiner Darstellung. Einen Kuss hatte sie bekommen. Mit mir war nichts vereinbart worden.

Die Nachmittagsrunde machte ich mit Frauchen, und wir kamen ausgesprochen gut miteinander aus. Warum sie sich montags immer so anstellt, weiß wohl keiner. Die Geschwindigkeit passte, ich bekam genug Zeit zum Schnüffeln und Frauchen die Bestätigung, dass ich „Komm“ und „Fuß“ noch beherrsche. Selbst als zwei kleine, kläffende Hunde an uns vorbeikamen, ließ uns das kalt. Wir gingen einfach weiter. Vermisst haben wir den alten Mann auf dieser Runde zumindest nicht.

Am Abend lagen wir dann nur zu zweit auf dem Sofa. Ich rückte etwas dichter an Frauchen als sonst.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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