Entlebucher Tagebuch – Montag, 07. September 2026. Heute sollte eigentlich ein ganz normaler Bürotag für den alten Mann werden. Eigentlich.
Kaum hatte er sich mit seinem Morgenkaffee auf das Sofa gesetzt, rief Frauchen nach Hilfe. Eines ihrer leuchtenden Vierecke war verschwunden. Diesmal allerdings nicht eines von den kleinen, die die Menschen ständig mit sich herumtragen, sondern ein richtig großes. Eines, das normalerweise auf einem Tisch steht und ihnen bei der Arbeit zusieht.
Also machten sich Frauchen und der alte Mann auf die Suche. Sie fanden das verschwundene leuchtende Viereck schließlich bei Daniel. Warum ein PC-Bildschirm dort stand, wo er eigentlich nicht stehen sollte, weiß ich nicht. Ich habe mich aus solchen menschlichen Angelegenheiten herausgehalten. Hauptsache, das Viereck war wieder da und der alte Mann kam doch noch zu seinem Kaffee.
Danach hätte er eigentlich direkt ins Büro fahren können. Hat er aber nicht. Stattdessen machte er erst einmal die Morgenrunde mit mir.
Das war natürlich eine ausgezeichnete Entscheidung.
Wir gingen unsere übliche Strecke und erledigten dabei alles, was auf einer ordentlichen Morgenrunde so anfällt: Kontrollpunkte überprüfen, Nachrichten lesen, interessante Gerüche auswerten, die allgemeine Lage im Revier beurteilen und selbstverständlich nachsehen, ob über Nacht jemand etwas verändert hatte.
Schon beim Anstieg auf die Felder trafen wir die Labradore. Und heute hatten wir tatsächlich eine ganze Weile den gleichen Weg.
Das bedeutete vor allem eines: Rennen.
Mal vor, mal zurück, mal ein Stück gemeinsam und dann wieder mit ordentlich Abstand. Es gab schließlich einiges zu klären, und solche Dinge bespricht man unter Hunden nicht im Sitzen.
Mir kam das heute jedenfalls sehr gelegen. Ein bisschen zusätzliche Bewegung konnte ich ausgesprochen gut gebrauchen. Und wenn man schon die Gelegenheit bekommt, gemeinsam mit den Labradors über die Felder zu flitzen, dann sollte man sie auch nutzen.
Der alte Mann hatte jedenfalls alle Hände voll zu tun, uns im Auge zu behalten.
Als wir wieder zuhause waren, sprach der alte Mann noch ein paar Mal mit seinem leuchtenden Viereck. Offenbar gab es dort noch einiges zu klären. Ich habe mich währenddessen um wichtigere Dinge gekümmert.
Dann machte er sich auf den Weg ins Büro.
Damit war mein nächster Dienst an der Reihe: Sicherheitsdienst bei Frauchen.
Auch das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Man muss aufpassen, dass alles seine Ordnung hat, darf sich nicht von jeder Kleinigkeit ablenken lassen und muss jederzeit bereit sein, einzugreifen.
Heute war das allerdings gar nicht so einfach. Die Sonne wollte noch einmal unbedingt beweisen, dass der Sommer noch nicht vorbei ist.
Also habe ich meinen Sicherheitsdienst kurzerhand mit einem ausgedehnten Sonnenwachposten verbunden.
Am Nachmittag kam der alte Mann wieder nach Hause. Und als die Sonne langsam ihre Arbeit einstellte, machten wir uns gemeinsam auf den Weg zu den Sieben Eichen.
Frauchen kam diesmal auch mit.
Ich fand das ausgesprochen vernünftig. Schließlich konnte es ja nicht schaden, wenn bei unserem Ausflug jemand dabei war, der sich um die Wasserversorgung kümmerte.
An den Sieben Eichen angekommen, stellte sich allerdings schnell heraus, dass heute nicht der Tag für eine gewöhnliche Runde war.
Hier roch es noch intensiver als sonst. Viel intensiver.
Da blieb mir gar nichts anderes übrig, als auf Extrem-Schnüffeln umzuschalten. Nase auf den Boden, alles andere ausblenden und jeden einzelnen interessanten Geruch sorgfältig untersuchen.
Und dann war da noch dieser Bannwald.
Irgendetwas dort drinnen zog mich heute ganz besonders an.
Ich wollte unbedingt hinein.
Frauchen und der alte Mann sahen das natürlich etwas anders. Menschen haben bei solchen Dingen leider oft eine sehr eingeschränkte Vorstellung davon, wie wichtig eine gründliche Geruchskontrolle sein kann.
Wir gingen also weiter und kamen schließlich wieder an den Bach ohne Wasser.
Ich hatte ja gehofft, dass Frauchen diesmal vielleicht etwas bewirken könnte. Sie war schließlich extra mitgekommen.
Aber nein.
Nichts.
Der Bach ist immer noch trocken.
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