Entlebucher Tagebuch – Freitag, 04. September 2026. Heute Morgen sah ich dem alten Mann schon an, dass ihn seine Schulter in der Nacht geplagt hatte. Oder zumindest sagte mir seine Laune, dass man besser ein wenig Abstand von ihm hält. Ich blieb deshalb im Bett und kuschelte mit Frauchen, bis der alte Mann seinen Kaffee hatte. Danach sah die Welt schon wieder etwas freundlicher aus.

Als wir zur Morgenrunde aufbrachen, hatte sich seine Laune tatsächlich gebessert. Am See konnten wir das Retten des Leuchtturms üben. Einmal warf der alte Mann ihn so weit hinaus, dass ich kurz überlegte, ob das noch mein Einsatzgebiet war. Ich bin Entlebucher und keine Seenotrettung. Trotzdem bin ich ins Wasser und habe ihn zurückgebracht.

Danach ging es mit der Revierkontrolle weiter. Wir liefen am See entlang bis zum nächsten Strand. Ich schnüffelte hier, kontrollierte dort und blieb immer wieder stehen, wenn eine Stelle eine genauere Untersuchung verlangte. Der alte Mann lief hinter mir her und sah sich ebenfalls um. Ich ließ ihn gewähren.

Am Strand angekommen, nahm ich mir Zeit für eine gründliche Kontrolle von Wasser, Sand und Gras. Frauchen versuchte sich währenddessen im Leuchtturmwerfen. Ihre Würfe waren noch ausbaufähig, aber der Leuchtturm landete immerhin im Wasser und damit in meinem Zuständigkeitsbereich. Ich holte ihn zurück. Danach gab es keine besonderen Vorkommnisse mehr. Am Ende war alles in Ordnung.

Auf dem Rückweg wurden die Menschen langsam hungrig. Bei mir war das natürlich nicht anders. Nach einer ordentlichen Morgenrunde schmeckt das Frühstück besser.

Nach dem Frühstück fuhren wir ein Stück mit dem Auto. Frauchen hatte eine Wanderung an der Alz ausgesucht. Eine schöne Rundtour, bei der man an einer Stelle mit einer Fähre über den Fluss setzt. Wobei „Fähre“ eine recht großzügige Bezeichnung ist. Es ist eher ein kleines Boot, das an einem Seil hängt. Wenn man hinüber möchte, muss man nach dem Fährmann rufen. Der ist gleichzeitig der Wirt.

Heute blieb das Rufen allerdings erfolglos. Die Alz hatte so wenig Wasser, dass das Boot nicht fahren konnte. Damit wurde aus der Rundtour eine Hin-und-zurück-Wanderung. Für mich war das kein Problem. Die Strecke war schön, und wenn man sie zweimal läuft, gibt es beim zweiten Mal doppelt so viel zu erschnüffeln.

An einer Stelle wurde ich dann doch ganz aufgeregt. Da kam der Entlebucher in mir durch. Rinder! Meine ureigenste Arbeitsaufgabe. Der alte Mann meinte jedoch, die Rinder seien schon auf der Weide und müssten nicht mehr getrieben werden. Ich überlegte kurz, ob wir das unter Fachleuten ausdiskutieren sollten. Ein Blick auf die Rinder genügte dann aber. Sie standen zufrieden auf ihrer Weide und machten nicht den Eindruck, als warteten sie auf meinen Einsatz. Der alte Mann hatte wohl recht. Ich ließ sie dort und wir gingen weiter.

An einer Stelle kamen wir sogar direkt an den Fluss. Dort konnte ich mich ein wenig abkühlen. Die Sonne meinte es inzwischen wieder ziemlich gut mit uns. Nach der Abkühlung lief ich weiter, legte mein schnelleres Tempo aber lieber dort vor, wo die Bäume Schatten spendeten. In der Sonne ging es etwas gemütlicher weiter.

In der Ersatzhöhle angekommen, blieb die Sonne dann erst einmal draußen. Wir ruhten uns bis zum Abend aus. Als sie langsam tiefer sank und die Temperaturen wieder angenehmer wurden, brachen wir noch zu unserer Feld- und Waldrunde auf.

Auf dem Feld wurde erst einmal gerannt. Ein paar schnelle Runden gehören zu einem ordentlichen Tagesabschluss. Danach wurde gesucht. Nase runter, Spur aufnehmen, ein Stück verfolgen, stehen bleiben und prüfen, was es am Wegesrand Neues gab. Im Wald ging die Kontrolle weiter. Bäume, Wege, Gräser und jede verdächtig interessante Stelle wurden gründlich untersucht. Dazwischen ein Stück rennen, suchen und schnüffeln. Zwischendurch ein Blick zurück: Der alte Mann und Frauchen waren noch da.

Als die Sonne endgültig Feierabend machte, war auch meine Abendkontrolle abgeschlossen. Das Revier war ruhig, die Menschen waren beisammen und ich hatte genug Bewegung für einen Tag.

Danach ging es heute aber nicht gleich auf das Sofa. Die Menschen begannen, Sachen in Koffer und Taschen zu packen. Ich sah ihnen eine Weile dabei zu. Eben lagen die Sachen noch überall herum, jetzt verschwanden sie Stück für Stück in den Taschen.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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