Entlebucher Tagebuch – Montag, 12. Oktober 2026. Gestern Abend fuhr ich wieder allein mit dem alten Mann in die Ersatzschlafhöhle. Frauchen blieb bei Oma. Die Aufteilung war mir inzwischen bekannt, auch wenn ich weiterhin keinen Anlass sah, die Familie nachts auf zwei Höhlen zu verteilen.

Die Nacht verlief ruhig. Heute Morgen ging es besonders früh zurück zu Oma. Ich hatte kaum Gelegenheit, mich dort wieder einzurichten, da brach Frauchen schon mit ihr auf. Oma hatte einen kleinen Koffer dabei. Ich behielt die beiden im Blick. Koffer hatten in den letzten Tagen schon mehrfach zu Veränderungen geführt, bei denen mich vorher niemand gefragt hatte.

Ein wenig beruhigte mich dann, dass der alte Mann und ich ganz normal zur Morgenrunde aufbrachen. Er schlug auch wieder denselben Weg ein. Das fand ich vernünftig. Wenn man einen guten Reviergang gefunden hat, sollte man ihn regelmäßig überprüfen.

Ich nahm mir die wichtigen Grasbüschel vor, las die Nachrichten am Wegrand und blieb dort etwas länger stehen, wo seit gestern jemand Neues unterwegs gewesen war. Der alte Mann ging gelegentlich schon weiter. Offenbar hielt er eine Stelle für erledigt, sobald er daran vorbeigelaufen war. Ich musste erst noch mit der Nase bis ganz unten. Anschließend hinterließ ich meine eigene Nachricht und lief zu ihm auf. Ein Stück weiter gab es bereits den nächsten Vorgang.

Auf den Feldern liefen wir erst einen Bogen um einen fremden Hund. Dadurch fiel mein Freilauf ein paar Meter kürzer aus als gestern. Für ein paar gut gelaufene Kreise reichte der Platz trotzdem. Ich kam dabei dicht genug am alten Mann vorbei, dass er den Luftzug am Hosenbein spüren konnte.

Im Wald waren die Spuren noch genauso aufregend. Der alte Mann verzichtete heute aber auf die zusätzlichen Meter. Ich vermute, er befürchtete, ich könnte sonst wieder den Acker erkunden. Dabei hatte ich den gestern bereits gründlich überprüft.

Nach dem Kontrollgang legte ich mich erst einmal hin. Frauchen kam zum Essen und Ausruhen in Omas Höhle. Danach musste sie zurück zu Oma. Der alte Mann und ich begleiteten Frauchen zu dem großen Haus, in dem Oma ein paar Tage bleiben muss. Dass dieses Haus an unserer Morgenrunde liegt, beruhigte mich. So konnte ich dort wenigstens regelmäßig nach dem Rechten sehen.

Hinein darf ich dort nicht. Einen kleinen Schlenker hatte der alte Mann angekündigt. Ich blieb vorsichtshalber aufmerksam.

Wir liefen eine ganze Weile. Ich fand es schon interessant, dass man bei einem kleinen Schlenker wieder über Wiesen und durch Wälder kommt. Der alte Mann schaute schließlich sicherheitshalber auf sein leuchtendes Viereck. Dann blieb sein Blick daran hängen. Er sah überrascht aus.

Ich hatte unterwegs nur an den passenden Stellen geschnuppert. Er hatte das Viereck.

Wir wechselten dann ziemlich abrupt die Richtung. Nach einer weiteren langen Strecke kamen wir tatsächlich bei Omas Höhle an. Allerdings aus einer Richtung, aus der ich sie bisher noch nicht erreicht hatte. Ich prüfte erst einmal die Tür. Sie war die richtige.

Wir hatten dann beide nichts dagegen, uns aufs Sofa zu legen und dort auf Frauchens Rückkehr zu warten. Ich rückte dicht an den alten Mann und legte den Kopf auf seine Beine.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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