Entlebucher Tagebuch – Freitag, 28. August 2026. Heute Morgen war Frauchen vor dem alten Mann und mir aufgestanden. Vor dem alten Mann, weil er noch nicht ganz wach war. Und vor mir, weil ja einer auf ihn aufpassen muss. Dann hörten wir, wie Lilly nach Hause kam und lautstark verkündete, dass sie noch etwas Frisches wollte. Man weiß ja nie, wann im Haus die Unruhe beginnt. Wir beschlossen, zumindest noch ein paar Minuten im Bett zu bleiben und den beiden von oben zuzuhören. Jede Unruhe muss ja nicht sofort aus nächster Nähe überprüft werden.

Nachdem sie sich gestärkt hatte, verschwand Lilly noch einmal auf eine Abschlussrunde. Vielleicht ahnte sie schon, dass der Himmel später sehr schlecht gelaunt sein würde.

Dann wollte auch der alte Mann nicht länger auf seinen Kaffee warten, und wir gingen nach unten. Als alle so weit wach waren, machten wir uns zu dritt auf den morgendlichen Rundgang. Ich entdeckte gleich eine interessante Spur und wollte ihr zügig folgen. Wirklich auflösen ließ sich das Geheimnis allerdings nicht. Aber es gab genug zu sehen, und kaum etwas gab Anlass zur Beanstandung.

Im Anstieg zu den Feldern sahen wir dann zwei der Labradore auf der Wiese neben dem Weg. Der jüngere war wieder völlig auf seine Arbeit mit dem Dummy fixiert und praktisch nicht ansprechbar. Der alte Labrador hatte dagegen bessere Manieren. Wir begrüßten uns kurz, er konnte bestätigen, dass alles in Ordnung war, und schon ging es für mich weiter.

Einen fremden Hund, dessen Mensch so aussah, als hielte er Hundekontakt gerade nicht für eine besonders gute Idee, passierten wir im großen Bogen. So macht man das als wohlerzogener Entlebucher.

Dann kam der Teil, in dem ich rennen konnte, was ich ausgiebig tat. Nebenbei gab es ein paar Suchspiele und Impulskontrollübungen. Eine durchaus gelungene Mischung. Kurz bevor wir wieder in die Stadt kamen, gab es noch eine kleine, aber feine Übung mit den Treibballkommandos und danach ging es nach Hause.

Wir waren kaum mit dem Frühstück fertig, als Lilly schon wieder nach Hause kam. Für sie eine ungewöhnliche Zeit. Kurz darauf machte der Tag noch einmal Pause und die Nacht kehrte zurück – diesmal mit reichlich Wasser vom Himmel.

Nicht diese Menge schöner Sommerregen, bei der man einfach weitergeht und es gar nicht stört, dass man irgendwann komplett nass ist. Nein. Das war die Sorte Regen, bei der der Himmel beschließt, jetzt einmal gründlich den Staub des Sommers wegzuspülen. Ein richtiges Wasserschütten, bei dem man nur noch zusehen kann, dass man möglichst schnell eine trockene Ecke findet.

Lilly hat so etwas offenbar in der Nase und geht dann lieber im Haus schlafen. Man muss wissen, wann es draußen nichts mehr zu tun gibt.

Allerdings hatte ich damit den ganzen Tag einen erhöhten Kontrollauftrag. Die Menschen begannen, Sachen zu packen. Der alte Mann trug Koffer und Taschen durchs Haus, während die beiden sie mit allerlei Dingen füllten. Ich musste zumindest bei den Hundesachen ein wachsames Auge darauf haben, dass wirklich alles Wichtige mitgenommen wurde. Bei Menschen kann man da nie ganz sicher sein.

Am Nachmittag hatte sich das Wetter wieder beruhigt und der alte Mann machte noch eine ausgedehnte Feldrunde mit mir. Er hatte wohl keine Lust mehr, sich Gedanken darüber zu machen, was noch alles mitmusste. Frauchen hatte sich ohnehin auf den Weg gemacht, um mit ihren Freundinnen ihre Yogastunde zu üben.

Diesmal hatte er einen Dummy mitgenommen und legte richtige Fährten. Ich hatte ordentlich etwas zu tun.

Kaum waren wir mit dem Abendessen fertig, musste ich eine Meldung machen. Da war doch tatsächlich jemand einfach so ins Haus gekommen. Eine Sekunde später konnte ich Entwarnung geben: Daniel war angekommen, mit einer großen Tasche.

Damit war klar, dass wir alle wegfahren würden. Daniel war zum Katzenhüten gekommen. Wobei sich das bei den beiden Katzen im Wesentlichen darauf beschränkt, die Futterdosen zu öffnen. Den Rest erledigen sie selbst.

Da ich vorher alles aufmerksam beobachtet hatte, konnte ich sofort den Leuchtturm aus einer der Taschen hervorholen und Daniel zum Zergeln überreden.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch
Eure Eira


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