Entlebucher Tagebuch – Samstag, 31. Oktober 2026. Gestern war ein ausgesprochen grauer Tag. Der Himmel hing tief über unserem Revier, und selbst das Wetter schien keine Lust zu haben, irgendetwas zu unternehmen. Der alte Mann hatte einen Bürotag und saß zu Hause vor seinen leuchtenden Vierecken. Das machte die Morgenroutine etwas gemütlicher.

Die beiden Revierkontrollen teilten sich der alte Mann und Frauchen. Beide verliefen ohne besondere Vorkommnisse. Die üblichen Wege waren noch vorhanden, und die Gerüche hielten sich mit interessanten Nachrichten zurück.

Mehr gibt es über gestern kaum zu berichten.

Heute Morgen sah die Sache anders aus. Zunächst musste ich die beiden Menschen wecken. Sie schliefen noch, obwohl meine Frühstückszeit längst gekommen war. Hätte ich nicht eingegriffen, wäre meine erste Mahlzeit womöglich ausgefallen.

Nachdem diese Angelegenheit geklärt war, bekam der alte Mann seinen Kaffee. Anschließend beschäftigte er sich mit den Vorbereitungen für die Dinge, die er immer am ersten Tag ohne leuchtende Vierecke erledigt. Ich kenne diesen Ablauf inzwischen. Warum man ausgerechnet an einem arbeitsfreien Tag erst einmal so viele Sachen vorbereiten muss, habe ich noch nicht herausgefunden.

Dann brachen wir zur Revierkontrolle auf.

Bis zu den Feldern ging ich meiner üblichen Arbeit nach. Ich untersuchte die Wegränder, prüfte die bekannten Stellen und nahm mir Zeit für die Gerüche. Es gab einiges zu kontrollieren, aber nichts, was eine Meldung gerechtfertigt hätte.

Auf den Feldern änderte sich mein Arbeitsprogramm. Dort konnte ich endlich richtig rennen.

Und das tat ich. Ich rannte über die Wiesen, zog große Kreise, wechselte die Richtung und kam zwischendurch beim alten Mann vorbei. Kaum hatte ich ihn erreicht, ging es erneut los.

Nur einmal musste ich meine Beine etwas zurücknehmen. Der alte Mann hatte ein paar Sachen im Unterholz versteckt, die ich suchen sollte. Dafür brauchte ich weniger Geschwindigkeit und mehr meine Nase. Ich arbeitete mich durch die Verstecke, bis ich gefunden hatte, was er dort abgelegt hatte.

Danach konnte ich weiter rennen.

Das ist jetzt etwas völlig anderes als noch vor einigen Wochen. Damals war die Sonne der Meinung, dass ihr die ganze Welt gehöre. Sie heizte die Wege und Felder auf, und sogar im Schatten war es manchmal zu warm für längere Rennstrecken.

Auf dem Rückweg bekam ich plötzlich einen Geruch in die Nase, dem ich unbedingt nachgehen wollte. Meine Lauflaune war noch lange nicht erschöpft. Der alte Mann hatte bereits gesehen, was da über den Weg gesprungen war, und hielt weitere Nachforschungen für unangebracht.

Ich war anderer Meinung und beschloss, das lautstark auszudiskutieren.

Ich schlug an.

Kaum war mein Bellen verklungen, kam aus der Ferne eine Antwort. Kurz und bestimmt, genau wie meine.

Ich stutzte.

Dann bellte ich noch einmal. Die Antwort kam sofort.

Ich bellte zweimal. Aus der Ferne kamen zwei Beller zurück.

Ich stellte die Ohren auf und lauschte.

Stille.

Ich wartete.

Immer noch Stille.

Also bellte ich erneut.

Die Antwort kam augenblicklich. Wieder genau so, wie ich gebellt hatte.

Ich stand mitten auf dem Weg und versuchte herauszufinden, wer da mit mir sprach. Zu sehen war niemand. Der Unbekannte schien nur dann etwas zu sagen, wenn ich zuerst das Wort ergriff. Der alte Mann stand daneben und sagte nichts.

Den Geruch, dem ich nachgehen wollte, hatte ich längst vergessen.

Ich lief locker neben dem alten Mann nach Hause.

Nach dem Mittagessen legten wir uns zur Ruhe. Der alte Mann und ich schliefen nebeneinander und hielten uns gegenseitig mit unserem Schnarchen wach. Immer wenn gerade einer eingeschlafen war, sorgte der andere dafür, dass die Ruhe nicht allzu lange anhielt.

Am Nachmittag überredete Frauchen den alten Mann, uns bei der nächsten Revierkontrolle zu begleiten. Sie hatte etwas vorzuführen. Nach ihrer Darstellung entferne ich mich auf den Feldern mit schnellen Schritten viel zu weit von ihr. Außerdem würde ich auf den letzten Metern nach Hause mit solcher Kraft an der Leine ziehen, dass sie mich kaum halten könne.

Der alte Mann sollte sich das einmal selbst ansehen.

Auf den Feldern machte Frauchen mich los. Ich blieb neben ihr und ging ein Stück mit den beiden mit. Dann nahm ich mein Spielzeug und drehte ein paar kleine Kreise um sie herum. Den Rest der Runde blieb ich in ihrer Nähe. Mal lief ich ein Stück voraus, mal neben ihnen, mal blieb ich stehen und wartete.

Auf dem Rückweg ging ich locker neben den beiden her. Selbst auf den letzten Metern nach Hause gab es keinen Anlass, schneller zu werden.

Der alte Mann schmunzelte.

Frauchen sah ihn an und erklärte mit Nachdruck, dass sie mein Verhalten beim nächsten Mal filmen werde. Sonst würde er am Ende noch glauben, sie hätte sich das alles nur eingebildet.

Der alte Mann schmunzelte noch immer.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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