Entlebucher Tagebuch – Dienstag, 3. November 2026. Heute war Frauchens Bürotag. Deshalb fingen die leuchtenden Vierecke schon an, Lärm zu machen, lange bevor die Nacht mit ihrer Arbeit fertig war. Der alte Mann verzog sich murrend mit seinem Kaffee auf das Sofa, während Frauchen im ganzen Haus unterwegs war und sich für ihren Bürotag fertigmachte.
Irgendwann rief sie dem alten Mann zu, er solle schon mal das Auto warm machen. Ich erwartete, dass er aufstehen und nach draußen gehen würde. Stattdessen blieb er auf dem Sofa sitzen, beschäftigte sich kurz mit seinem leuchtenden Viereck und trank weiter Kaffee.
Später behauptete er, das Auto würde inzwischen warm werden.
Im Sommer macht er etwas Ähnliches. Dann behauptet er, das Auto würde kühl werden, obwohl er ebenfalls nur auf seinem Viereck herumtippt. Wenn ich anschließend einsteige, ist es tatsächlich angenehm kühl. Vielleicht funktioniert das mit dem Warmmachen genauso. Überprüfen konnte ich es heute nicht. Als wir später nach draußen gingen, war Frauchen mit dem Auto längst verschwunden.
Für unseren morgendlichen Kontrollgang befestigte der alte Mann die Leine an meinem Halsband. Das bedeutete, dass wir durch die Stadt gehen würden und ich neben ihm zu laufen hatte. Ich schnüffelte nur gelegentlich, zog nicht an der Leine und blieb ordentlich an seiner Seite.
Der alte Mann lobte mich und fragte, warum das nicht immer so ginge.
Ich weiß nicht, was er damit meinte. Er hatte mich an die Leine genommen und wollte, dass ich neben ihm lief. Genau das hatte ich getan.
Als wir die Felder erreichten, suchte sich der alte Mann eine Wiese aus, um mit mir Kommandos zu üben. Normalerweise machen wir solche Dinge nebenbei, während wir unterwegs sind. Heute hatte er offenbar richtigen Unterricht vorgesehen, mit festen Übungen und allem, was dazugehört.
Er zeigte neben sich auf den Boden. Ich setzte mich an seine Seite. Nicht ein bisschen schräg, damit ich ihn besser angrinsen konnte. Nicht erst noch eine kleine Runde, um eine wichtige Nachricht im Gras zu lesen. Nein, direkt neben sein Bein, gerade ausgerichtet, den Blick nach vorn.
Der alte Mann stutzte. Fast hätte er vergessen, mich zu loben.
„Fuß.“
Ich lief dicht neben ihm her.
„Sitz.“
Ich saß.
„Fuß.“
Ich lief weiter.
„Platz.“
Ich lag da, auf ihn ausgerichtet.
Der alte Mann war ausgesprochen zufrieden, und ich nahm die Bezahlung für meine Arbeit entgegen. Sie fiel recht großzügig aus. Nur seinen Blick konnte ich nicht einordnen. Er sah mich an, als wollte er fragen, ob ich ihn eigentlich die ganze Zeit für dumm verkaufe.
Wir gingen weiter, und ich durfte wieder ein Stück vorauslaufen. Wobei ich beinahe glaube, dass der alte Mann absichtlich langsamer wurde, damit der Abstand zwischen uns größer wurde.
„Stopp!“
Ich blieb stehen und drehte mich zu ihm um.
„Sitz!“
Ich saß.
Das wiederholte sich noch zweimal. Jedes Mal mit demselben Ergebnis: Ich saß, bekam meine Bezahlung und anschließend diesen merkwürdigen, misstrauischen Blick.
Insgesamt schien der alte Mann zufrieden zu sein. Jedenfalls gingen wir nun zu dem Teil unserer Runde über, bei dem er versucht, meinen Lederstern vor mir zu verstecken.
Darin ist er inzwischen ziemlich geschickt. Manchmal schickt er mich sogar in die falsche Richtung, und ich muss meine Suche neu beginnen. Ich gebe zu, dass ihm das gelegentlich gelingt. Aber am Ende finde ich meinen Lederstern immer.
Wieder zu Hause setzte sich der alte Mann vor seine leuchtenden Vierecke. Ich rollte mich hinter ihm zusammen, legte die Nase zwischen die Pfoten und schlief tief und fest ein.
Als wäre der Morgen nicht anstrengend genug gewesen, überließ mir der alte Mann am Nachmittag für eine Weile den Wachdienst im Haus. Soweit ich verstanden habe, hatte das immer noch mit seiner Schulter zu tun. Was genau er dort ständig erledigen lassen muss, weiß ich nicht. Er verschwand, und ich übernahm die Sicherung des Hauses. Besondere Vorkommnisse gab es während seiner Abwesenheit nicht.
Vor dem Abendessen machten wir dafür noch eine große Feldrunde. Diesmal verzichtete der alte Mann weitgehend auf seine Kommandos, und ich konnte mich wieder den üblichen Aufgaben der Revierkontrolle widmen. Es gab einiges zu beschnüffeln, und an mehreren Holzstapeln hatte er Leckerlis für mich versteckt.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
-

Eine doppelte Begrüßung, neugierige Rehe und ein Wettlauf mit der Dunkelheit
Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 04. November und Donnerstag, 05. November 2026. Gestern war wieder Bürotag…
-

Ein verdächtig gehorsamer Hund und ein misstrauischer alter Mann
Entlebucher Tagebuch – Dienstag, 3. November 2026. Heute war Frauchens Bürotag. Deshalb fingen die leuchtenden…
-

Ein verspäteter Weckruf, Hunde mit anderen Plänen und ein vorgezogener Montag
Entlebucher Tagebuch – Sonntag, 01. November 2026 und Montag 02. November 2026. Gestern Morgen musste…

Schreibe einen Kommentar