Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 28. Oktober 2026. Der heutige Morgen begann mit einem ausgesprochen entspannten alten Mann. Das war bemerkenswert, denn eigentlich stand ein Bürotag auf dem Programm. Trotzdem übernahm er meine gesamte Morgenversorgung, vom Frühstück bis zum Reviergang. Er hatte es nicht einmal besonders eilig. Ich hatte dagegen Hunger und einige dringende Angelegenheiten draußen zu erledigen.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg. Es regnete. Der alte Mann betrachtete den Himmel wenig begeistert, zog seine Jacke an und setzte sich in Bewegung. Ich konnte nicht erkennen, weshalb das Wetter seine Laune beeinträchtigte. Die Revierkontrolle war noch nicht erledigt, und der Regen hatte daran nichts geändert.

Wir absolvierten die vollständige Runde. Es gab genügend Zeit, die Wegränder zu untersuchen, neue Nachrichten aufzunehmen und festzustellen, wer seit gestern unterwegs gewesen war.

Auf den freien Flächen durfte ich ausgiebig laufen. Große Strecken, ordentlich Tempo und zwischendurch ein weiter Bogen, um nachzusehen, ob am anderen Ende des Feldes etwas Interessantes passiert war. Der alte Mann blieb meistens auf dem Weg.

Immer mehr Felder werden gerade gepflügt. Wo vorher fester Boden war, liegt jetzt lockere Erde. Bei höherem Tempo fliegen kleine Stücke davon hinter mir her, und der Regen sorgt dafür, dass einiges an meinen Beinen hängen bleibt.

Der alte Mann betrachtete mich auf dem Heimweg mehrfach. Ich kenne diesen Blick inzwischen.

Zu Hause ging es erst einmal in meine Dusche direkt am Eingang. Seit ich die habe, muss ich wenigstens nicht mehr in die große Badewanne klettern. Der alte Mann spülte mir Beine und Bauch ab, trocknete mich und nahm anschließend seinen Arbeitsrucksack. Dann verschwand er ins Büro. Soweit war alles wie gewohnt.

Allerdings war Frauchen bei unserer Rückkehr nicht im Haus gewesen. Ich hatte bereits nachgesehen, aber von ihr fehlte jede Spur. Den alten Mann schien das nicht weiter zu beunruhigen. Er hatte weder nach ihr gesucht noch irgendwelche Anstalten gemacht, sich Sorgen zu machen.

Es dauerte eine Weile, bis sich die Angelegenheit klärte. In dieser Zeit war ich allein für die Sicherheit im Haus verantwortlich. Auf Lilly und Fee war nicht zu zählen. Die beiden waren am frühen Morgen patschnass nach Hause gekommen und schliefen seitdem fest. Von einer Beteiligung am Wachdienst war nichts zu bemerken.

Ich behielt die Lage im Auge und achtete besonders auf die Glastür.

Irgendwann kam Frauchen zurück. Selbstverständlich wurde sie ordentlich begrüßt. Ich musste mich davon überzeugen, dass alles in Ordnung war. Anschließend bekam sie noch einen kleinen Tadel. Einfach zu verschwinden, ohne mir Bescheid zu sagen, ist keine besonders zuverlässige Art, einen gemeinsamen Haushalt zu führen.

Frauchen schien sich über meine Begrüßung zu freuen. Ob sie den Tadel verstanden hatte, konnte ich nicht feststellen.

Am Nachmittag hatte sich der Regen verzogen, und wir konnten noch eine ausgiebige Runde unternehmen. Auf den Feldern gab es genügend Platz zum Laufen. Frauchen und ich hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie weit ich mich bei meinen Erkundungen entfernen durfte.

Ich lief einen großen Bogen über das Feld, während Frauchen auf dem Weg blieb. Als sie mich zurückrief, war ich noch mit der Kontrolle des äußeren Bereichs beschäftigt. Sie fand meinen Kreis zu groß. Ich konnte sie die ganze Zeit sehen. Weshalb das nicht ausreichen sollte, blieb unklar.

Bei der nächsten Gelegenheit gab es dieselbe Meinungsverschiedenheit. Frauchen rief, ich kam zurück, und kurz darauf entfernte ich mich wieder. Auf der anderen Seite des Feldes gab es noch einiges zu untersuchen.

Wieder zu Hause berichtete Frauchen dem alten Mann von unseren Schwierigkeiten. Er müsse sich das am Wochenende einmal ansehen, sagte sie. Außerdem müsse sie unbedingt wieder mit der Pfeife trainieren.

Der alte Mann nickte.

Ich nehme an, er war damit einverstanden, sich unsere Runden am Wochenende anzusehen. Mit der Pfeife kann er jedenfalls nicht gemeint gewesen sein. Ich habe ihn noch nie mit einer Pfeife gesehen.

Am Abend lagen wir wieder gemeinsam auf dem Sofa. Da waren die Meinungsverschiedenheiten über angemessene Abstände schnell vergessen. Während Frauchen draußen gerne etwas kürzere Entfernungen zwischen uns hätte, waren wir uns hier einig.

Allenfalls gab es noch eine kleine Diskussion darüber, wer seinen Kopf auf den Bauch des alten Mannes legen durfte.

Am Ende lag dort wieder Frauchens Kopf.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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