Entlebucher Tagebuch – Sonntag, 01. November 2026 und Montag 02. November 2026. Gestern Morgen musste ich den alten Mann schon wieder wecken. Sonst wäre mein Frühstück nicht zur vorgesehenen Zeit ausgegeben worden. Langsam mache ich mir Sorgen. Wie soll das erst werden, wenn er demnächst nicht mehr jeden normalen Tag an seine leuchtenden Vierecke muss? Schon jetzt scheint er ohne meine Unterstützung Schwierigkeiten mit dem Tagesablauf zu haben.

Ein kleiner Stupser genügte immerhin. Danach ging alles seinen gewohnten Gang. Kaffee für den alten Mann, Frühstück für mich und nach einer angemessenen Verdauungsruhe der morgendliche Kontrollgang.

Kaum hatten wir die Felder erreicht, bekam ich Pakos Spur in die Nase. Er war mit seinen Menschen unterwegs, aber schon so weit entfernt, dass von ihnen nur noch ein paar Punkte am Horizont zu sehen waren.

Ich hätte die Verfolgung sofort aufnehmen können. Der alte Mann sah das anders. Er wollte mich weder von der Leine lassen noch selbst einen längeren Spurt einlegen. Dabei wäre die Richtung eindeutig gewesen. Bis zur nächsten Weggabelung versuchte ich, ihn von meinem Vorschlag zu überzeugen. Er blieb bei seiner Meinung und bog dort in die andere Richtung ab. Pakos Spur war bald verschwunden, und ich konnte mich wieder den übrigen Nachrichten am Wegesrand widmen.

Auf dem vom alten Mann gewählten Weg kamen wir gut voran. Zwischendurch holte er den Ball heraus. Ich musste warten, während er ihn warf, und durfte erst auf sein Zeichen loslaufen. Später versteckte er ihn im Unterholz. Dort war meine Nase gefragt. Der Ball ließ sich jedes Mal finden, und so kamen wir trotz der Unterbrechungen zügig voran.

Als wir eine Anhöhe erreichten, hatten wir einen guten Blick über die Felder. Auf einem der parallelen Wege entdeckten wir Pako mit seinen Menschen. Jetzt waren sie weit hinter uns. Warum sie so lange gebraucht hatten, war mir unverständlich. Ich hatte längst andere Interessen und ließ Pako seinen Weg gehen.

Wenig später hörten wir aus der Ferne einen ziemlich lauten Ruf. Anscheinend hatte Pako uns ebenfalls entdeckt. Jedenfalls wurde er von seinen Menschen zur Ordnung gerufen. So laut, dass sogar wir es hören konnten. Der alte Mann sah zu mir herunter. Ich beschäftigte mich gerade mit einem interessanten Geruch am Wegesrand.

Die Sonne hatte den Nebel mittlerweile vertrieben, und über den Feldern war es richtig schön geworden. Der alte Mann beschloss sogar, unsere Runde etwas auszudehnen. Dagegen hatte ich nichts einzuwenden. Es gab noch genügend Wege zu kontrollieren.

Als wir uns auf den Rückweg machten und überlegten, wo wir von den Feldern absteigen sollten, trafen wir Nala. Sie war gerade erst auf dem Weg nach oben. Ich schlug ein kleines Rennspiel vor, doch ihr Interesse hielt sich in Grenzen. Für einen Labrador war das heute eine ziemlich enttäuschende Vorstellung.

Ich hatte bereits eine ausgiebige Runde hinter mir, Nala ihre noch vor sich. Nach ein paar vergeblichen Versuchen ließ ich sie weiterziehen. Offenbar hatte sie andere Pläne für ihren Spaziergang.

Zu Hause war zunächst Mittagsruhe angesagt. Nach der ausgedehnten Morgenrunde hatte niemand etwas dagegen einzuwenden.

Anschließend stand die zweite Revierkontrolle an. Diesmal war Frauchen zuständig. Der alte Mann meinte, er müsse noch etwas im Haus erledigen, und blieb zurück.

Die Runde mit Frauchen wurde ungefähr so anstrengend, wie es sonst nur montagmorgens zugeht. Wir waren nicht im Einklang. Mal zog die eine, dann diskutierte die andere. Zwischendurch blieben wir stehen, um unsere unterschiedlichen Vorstellungen zu klären. Danach ging es ein Stück weiter, bis zur nächsten Meinungsverschiedenheit.

Für heute hatten die beiden Menschen wohl vereinbart, dass der alte Mann später ins Büro muss und deshalb die Morgenrunde übernimmt. Was sie miteinander besprechen, verstehe ich nicht immer. Wie soll es da an mir liegen, wenn die üblichen Missverständnisse zwischen Frauchen und mir plötzlich schon einen Tag früher auftreten?

Nach dieser Runde war ich wohl selbst ein wenig aus dem Takt geraten. Zu Hause forderte ich mit lautem Bellen eine Runde Zergeln ein. Später wollte der alte Mann Leckerlis für mich verstecken. Dafür sollte ich mich noch ein Stück weiter hinter den Sessel zurückziehen, damit ich nicht sehen konnte, wo er sie versteckte. Darüber mussten wir erst einmal diskutieren.

Beim Abendessen rückte ich näher an den Tisch heran als gewöhnlich. Das führte zur nächsten Diskussion.

Gegen Abend lagen wir alle zusammen auf dem Sofa. Frauchen auf der einen Seite, der alte Mann auf der anderen und ich mittendrin.

Eigentlich hätte der alte Mann meinen Bericht schon gestern veröffentlichen sollen. Aber irgendetwas namens IONOS wollte nicht mitspielen. Der alte Mann schimpfte auf seine leuchtenden Vierecke und verschob die Angelegenheit auf heute.

Heute Morgen hatten wir bei der Revierkontrolle erneut unterschiedliche Vorstellungen vom richtigen Ablauf. Beim Treibball ging es ähnlich weiter. Der alte Mann hatte seine Übungen vorbereitet, ich hielt mich nicht immer an sein Programm.

Irgendwann meinte er, ich würde mich aufführen wie Otto. Wer Otto ist, weiß ich nicht. Besonders zufrieden klang er nicht.

Später erklärte er Frauchen, ich hätte vermutlich einen verspäteten Pubertätsschub. Dabei bin ich längst drei Jahre alt.

Am Abend lagen wir wieder alle zusammen auf dem Sofa. Frauchen auf der einen Seite, der alte Mann auf der anderen und ich mittendrin. Von Otto und der Pubertät war keine Rede mehr.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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