Entlebucher Tagebuch – 22. Oktober 2026. Heute Morgen begann der Tag, wie sich das gehört. Der alte Mann saß mit seinem Kaffee auf dem Sofa und ich leistete ihm Gesellschaft. So kann ein Tag anfangen.
Allerdings war der Kaffee noch nicht ausgetrunken, als Lilly erschien. Sie kam lautstark ins Haus und verlangte Thunfisch. Nicht etwa, weil sie kurz vor dem Verhungern gewesen wäre. Zumindest machte sie auf mich keinen solchen Eindruck. Aber Lilly ist der Ansicht, dass man bestimmte Dinge deutlich einfordern muss.
Nachdem ihre Forderung erfüllt worden war, verschwand sie wieder nach draußen. Ich hatte erwartet, dass sie sich nun irgendwo zum Schlafen niederlassen würde. Offenbar stand aber eine weitere Revierrunde auf ihrem Dienstplan. Katzen haben merkwürdige Arbeitszeiten.
Der alte Mann setzte sich vor seine leuchtenden Vierecke. Draußen war es noch nicht richtig hell, und damit war gegen diese Beschäftigung zunächst wenig einzuwenden. Ich wartete, bis der Tag aufgewacht war. Dann wurde es Zeit für wichtigere Angelegenheiten.
Auf unserer Morgenrunde gab es einiges zu kontrollieren. An manchen Stellen musste ich länger verweilen, an anderen genügte eine kurze Prüfung. Der alte Mann wartete meistens geduldig. Er hat inzwischen verstanden, dass gründliche Arbeit nicht durch ständiges Weiterlaufen besser wird.
Oben auf den Feldern trafen wir die Collies. Benni und ich waren uns schnell einig, was nun zu tun war. Wir rannten los, schlugen Haken und jagten einander hinterher. Mal war Benni vorne, mal ich. Sobald einer die Richtung wechselte, musste der andere sehen, wie er hinterherkam.
Der alte Mann hatte dabei wenig zu tun. Das kommt auf unseren Runden nicht besonders häufig vor.
Mit den Collies ging es weiter über die Felder. Zwischendurch wurde geschnüffelt, dann wieder gelaufen. Bis wir uns auf den Heimweg machten, hatten wir eine ordentliche Strecke zurückgelegt.
Zu Hause setzte sich der alte Mann erneut vor seine leuchtenden Vierecke. Ich legte mich in seine Nähe und übernahm die Bewachung.
Das Problem mit den leuchtenden Vierecken ist, dass der alte Mann manchmal vergisst, wie lange er schon davor sitzt. Dann muss ich aufstehen, zu ihm gehen und ihn anstupsen. Meistens schaut er mich erst einmal an, als hätte ich ihn bei etwas Wichtigem unterbrochen.
Manchmal genügt ein Stupser nicht.
Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg zu den Sieben Eichen.
Dort gab es eine bemerkenswerte Veränderung. Der Bach, der bei unseren letzten Besuchen kein Wasser mehr gehabt hatte, führte plötzlich wieder welches. Zwischen den Steinen plätscherte es, und an einigen Stellen hatten sich kleine Wasserbecken gebildet.
Ich ging hinunter und untersuchte die Angelegenheit. Zuerst wurde geschnüffelt, dann nahm ich eine Kostprobe. Das Wasser war in Ordnung.
Wo es zwischenzeitlich gewesen war und weshalb es jetzt zurückgekommen ist, konnte ich nicht herausfinden. Der alte Mann schien sich darüber keine größeren Gedanken zu machen. Ich werde bei unserem nächsten Besuch nachsehen, ob es geblieben ist.
Wieder zu Hause wartete der Treibball. Ein paar Übungen mussten sein. Auf die richtige Position kommt es dabei ebenso an wie auf das Schicken des Balls. Der alte Mann gab seine Kommandos, ich kümmerte mich um den Ball. Gelegentlich wollte er, dass ich erst einmal sitzen blieb.
Dabei lag der Ball direkt vor mir.
Irgendwann waren die Übungen beendet, und ich durfte aufs Sofa.
Der alte Mann saß wieder dort, wo der Tag begonnen hatte. Diesmal ohne Kaffee. Ich machte es mir bequem, und draußen war Lilly vermutlich weiterhin mit ihrer Revierkontrolle beschäftigt.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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