Eine komische Nacht

Eine komische Nacht

Entlebucher Tagebuch – Donnerstag, 13. August 2026. Heute war eine komische Nacht.

Fee schläft ja meistens den ganzen Tag im Katzenzimmer. Ab und zu, besonders am Abend, wenn der alte Mann langsam zur Ruhe kommt, fordert sie einen Menschen zum Kraulen an. Frauchen behauptet, dass Fee sofort wieder verschwindet, kaum dass man sie ein paarmal hinter dem Ohr gestreichelt hat. Beim alten Mann ist das anders. Da lässt sie sich kurz kraulen, kontrolliert erst einmal gründlich, ob er auch ordentlich riecht, und rollt sich dann neben ihm ein. Nicht zum langen Kraulen, sondern einfach, um eine Weile seine Nähe zu genießen.

Wenn ich ins Bett gehe, macht Fee sich normalerweise auf den Weg, um die Nacht zu erobern. Das gehört zu ihren Aufgaben. Heute Nacht war das anders. Sie kam immer wieder zurück. Viermal, vielleicht sogar fünfmal. Jedes Mal blieb sie eine Weile, bevor sie sich wieder auf den Weg machte. Irgendetwas schien sie zu beschäftigen.

Der alte Mann wurde in dieser Nacht mehrmals kurz wach. Erst dachte ich, er würde sich einfach wieder umdrehen und weiterschlafen. Aber irgendwann stand er auf und schaute eine ganze Weile aus dem Fenster. Mitten in der Nacht. Zu einer Uhrzeit, zu der draußen normalerweise wirklich nichts Besonderes passiert. Kein Mensch auf der Straße, kein Auto, kein Hund, der irgendwo etwas zu melden hat. Eigentlich nichts, was einen alten Mann aus dem Bett holen müsste.

Irgendwann legte er sich wieder hin. Und weil ich natürlich dafür zuständig bin, zu kontrollieren, was hier nachts passiert, habe ich es ihm gleichgetan und ebenfalls aus dem Fenster geschaut. Ich hatte die ganze Zeit schon ein Auge auf die Nacht gehabt. Der Himmel war anders als sonst.

Aber dann kam der Morgen, und die Welt wurde wieder normal. Fee ging schlafen und der alte Mann auf sein Sofa zum Morgenkaffee. Damit war die Nacht offenbar erledigt.

Frauchen setzte sich auch zu uns, und wir ließen den Morgen langsam angehen. Zumindest einen Kaffee lang. Dann sorgte der alte Mann doch dafür, dass wir mit der Morgenrunde starteten. Immerhin hatte die Nacht gute Arbeit geleistet. Die Luft war noch angenehm kühl, und über den Feldern lag dieser frische Geruch, den man morgens nur für kurze Zeit bekommt.

Trotz der verrückten Nacht hatte es im Revier keine auffälligen Veränderungen gegeben. Die beiden hatten die Lichter eindeutig überbewertet. Aber sie gehören ja nicht zum Sicherheitsdienst.

Auf den Feldern konnte ich dann das tun, was ich am liebsten tue: die Welt mit der Nase erkunden und zwischendurch meine Beine so richtig auf Trab bringen. Dass ich dabei keine anderen Hunde traf, tat meinem Tatendrang keinen Abbruch. Der alte Mann baute wie immer ein paar Übungen ein, was ich dankbar annahm. Heute wäre ich selbst genug gewesen.

Zuhause hatte ich dann das Gefühl, genug getan zu haben, um die sich bereits ankündigende Hitze gut zu überstehen. Und so taten Menschen, Katzen und Entlebucher das, was man am besten tut, wenn die Sonne ihre Arbeit aufgenommen hat: dösen und abwarten.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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