Entlebucher Tagebuch – Dienstag, 13. Oktober 2026. Diese Reise fordert meine volle Aufmerksamkeit. Besonders der Sicherheitsdienst hat einiges zu tun.
Heute Nacht haben wir alle in Omas Höhle geschlafen. Auch der alte Mann. Die Ersatzhöhle stand leer. Das war eine deutliche Verbesserung gegenüber den bisherigen Zuständen. Wenn alle Menschen in einer Höhle liegen, muss ich wenigstens nicht ständig überlegen, ob irgendwo einer fehlt.
Warum wir überhaupt eine zweite Höhle brauchen, ist damit noch nicht geklärt.
Der Morgen begann ohne die lästige Autofahrt, bei der wir sonst den alten Mann abholen mussten. Der hatte nämlich auf dem Sofa geschlafen und bekam dort gleich nach dem Aufwachen seinen Kaffee. Nicht einmal aufstehen musste er dafür. Der alte Mann hatte sich offenbar recht gut eingerichtet.
Weniger schön war die Morgenrunde. Die fiel ziemlich kurz aus. Zuerst dachte ich, es läge an dem weißen Dampf, den der alte Mann draußen bei jedem Ausatmen vor sich hertrug. Das sah lustig aus, schien ihn aber nicht weiter zu beschäftigen. Jedenfalls war der Dampf wohl nicht der Grund, warum wir so früh wieder umkehrten.
Immerhin lässt sich auch auf einer kleineren Runde eine ordentliche Revierkontrolle durchführen. Man muss nur seine Zeit vernünftig einteilen und die wichtigen Nachrichten am Wegrand sorgfältig prüfen. Außerdem weiß ich inzwischen, dass eine kleine Runde beim alten Mann nicht unbedingt besonders klein sein muss.
Zurück in Omas Höhle ging Frauchen gleich wieder zu Oma in das große Haus. Ich durfte nicht mit. Der alte Mann blieb bei mir und fing an, hier und da Dinge aufzuräumen. Besonders ausführlich beschäftigte er sich mit dem Kühlschrank. Ich fand das zunächst vielversprechend, musste aber feststellen, dass er sich mehr für die Ordnung darin interessierte als für die Dinge, die man daraus essen konnte.
Oma war in den letzten Wochen wohl nicht mehr so gut auf den Pfoten gewesen. Deshalb half der alte Mann ihr heute ein wenig. Ich behielt seine Arbeiten im Auge und sah zwischendurch nach, ob in der Höhle alles in Ordnung war. So verging der Vormittag. Frauchen kam zum Essen zurück, anschließend hielten wir Mittagsruhe.
Danach gingen wir alle drei nach draußen. Zunächst nahmen wir unseren üblichen Weg. Das kam mir entgegen, denn von der Morgenrunde waren noch einige Kontrollpunkte offen geblieben. Ich holte die versäumten Untersuchungen nach und rechnete damit, dass Frauchen gleich wieder zu dem großen Haus abbiegen würde.
Aber sie bog nicht ab.
Sie lief einfach weiter. Der alte Mann auch. Ich sah vorsichtshalber noch einmal nach, ob wir die Abzweigung tatsächlich hinter uns gelassen hatten.
Hatten wir.
Statt zu Oma zu gehen, führte unser Weg hinaus über die Felder. Dann kamen kleine Orte, weitere Wege und wieder Felder. Mit jedem Stück wurde deutlicher, dass wir heute wohl nicht so schnell in die Höhle zurückkehren würden.
Auf einem der Felder entdeckte ich in der Ferne einen Menschen mit zwei Rädern. Neben ihm lief ein Retriever, der dabei offenbar ausgesprochen viel Spaß hatte. Ich machte einen langen Hals. Ein Retriever, der so fröhlich unterwegs war, verdiente durchaus eine nähere Untersuchung. Außerdem hätte ich gegen ein kleines gemeinsames Laufspiel nichts einzuwenden gehabt.
Ich überlegte gerade, ob ich die Entfernung nicht einfach etwas verkürzen sollte, als meine Menschen bereits eingriffen. Dabei hatte ich noch gar nichts gemacht.
Nicht einmal losgelaufen war ich.
Also setzte ich meine Arbeit auf unserem Weg fort. Schließlich gab es hier draußen noch genug zu untersuchen. Die Wege waren mir nicht vertraut, und ich musste besonders sorgfältig prüfen, wer hier unterwegs gewesen war. An den Feldrändern gab es reichlich Nachrichten, und auch in den kleinen Orten konnte ich nicht einfach achtlos weiterlaufen.
Aus der erwarteten Runde wurde eine richtig große Wanderung. Frauchen bestimmte den Weg, der alte Mann lief mit, und ich kümmerte mich um die Revierkontrolle. Die vom Morgen war inzwischen mehr als nachgeholt.
Erst auf dem Rückweg bog Frauchen dann doch noch zu dem großen Haus ab. Ich hatte schon gehofft, sie hätte es für heute vergessen.
Zurück in Omas Höhle übernahm ich wieder den Sicherheitsdienst. Frauchen war schließlich noch im großen Haus, und irgendjemand musste darauf achten, dass sie auch wieder zurückkam.
Ich legte mich so hin, dass ich alles im Blick hatte. Nach der langen Wanderung waren meine Pfoten zwar ein wenig müde, aber das ist kein Grund, seine Pflichten zu vernachlässigen. Eine ganze Weile hielt ich Wache. Draußen blieb es ruhig, der alte Mann war in der Höhle, und von Frauchen war noch nichts zu hören. Irgendwann sank mein Kopf dann doch auf die Pfoten. Die Augen wollte ich eigentlich offen lassen.
Das hat nicht ganz geklappt.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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