Entlebucher Tagebuch – Montag, 24. August. 2026. Heute Nacht, eine Weile vor dem Aufstehen, zog der Geruch des Todes durch das Haus. Lilly hatte trotz Mauserkennung eine Beute ins Haus geschmuggelt. Wie sie die Katzenklappe davon überzeugt hatte, dass sie diesmal nichts im Maul trug, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Jedenfalls stand sie irgendwann lautstark beim alten Mann und forderte seine Aufmerksamkeit. Die Beute war ordnungsgemäß zur Begutachtung anzumelden, bevor Lilly sie genüsslich verspeisen durfte. Der alte Mann wurde geweckt, die Beute begutachtet und Lilly war zufrieden. Zum Glück bekam Frauchen davon nichts mit, die ist bei solchen Dingen eher zart besaitet. Als Lilly fertig war, ging sie schlafen, als wäre damit alles Wichtige erledigt. Der alte Mann beschloss, dass es sich nun auch nicht mehr lohnte, noch einmal ins Bett zu gehen, holte sich einen Kaffee und wir genossen zusammen die Ruhe der Nacht auf dem Sofa. Lilly schlief, Frauchen schlief, Fee vermutlich auch. Wer kann das bei einer Katze in der Nacht schon so genau sagen? Im Haus kehrte jedenfalls wieder Frieden ein.
Wenn das Bett leer ist, dauert es meist nicht lange, bis auch Frauchen bemerkt, dass etwas nicht stimmt. So begannen wir den Tag alle zusammen einfach etwas früher als geplant. Der alte Mann fuhr ins Büro, Frauchen ging an ihre leuchtenden Vierecke und ich passte darauf auf, dass die Katzen ihre Ruhe hatten und sonst alles in Ordnung war.
Als der Tag dann die Nacht vertrieben hatte, begannen Frauchen und ich mit der Revierkontrolle über die Felder. Wir gingen unseren gewohnten Weg, ich prüfte die bekannten Stellen, nahm die Gerüche auf und ließ den Blick über die Felder wandern. Die Luft war noch frisch und überall gab es die Spuren des neuen Tages aufzunehmen. Dann trafen wir die drei Labradore. Die Begrüßung fiel kurz aus, denn schon nach wenigen Augenblicken war klar, dass wir heute lieber spielen wollten. Es wurde gerannt, ausgewichen, gegenseitig angestupst und hintereinander hergejagt. Eine kurze, aber intensive Spieleinlage, bei der für einen Moment keiner mehr genau wusste, wer eigentlich wen verfolgte. Dann war die Sache erledigt, wir sortierten uns wieder und jeder setzte seinen Weg fort. Immerhin war das hier eine Revierkontrolle und keine offizielle Spielveranstaltung.
Zuhause übernahm ich wieder den ruhigen Sicherheitsdienst. Ich behielt die Katzen im Auge, registrierte die Geräusche im Haus und konnte nebenbei das innere Protokoll vom gestrigen Mantrailing weiterführen. Am Nachmittag kam der alte Mann zurück. Ich ließ ihm gerade genug Zeit anzukommen, bevor ich ihn zu einer Nachmittagsrunde überredete. Er fand, dass es mal wieder ein guter Tag für die Sieben Eichen wäre. Eine gute Entscheidung. Trotz der frühen Stunde waren dort schon die ersten lauten Zweiräder unterwegs, doch die Fahrer begnügten sich noch damit, Pläne zu schmieden. Sie standen herum, redeten und ließen ihre Maschinen meistens noch dort, wo sie waren. Wir konnten in Ruhe unsere Runde beginnen.
Ich startete mit der Kontrolle des Bannwaldes. Zwischen den Bäumen gab es einiges zu lesen: frische Gerüche am Wegrand, Spuren von Wild und die Veränderungen an Stellen, die ich gut kenne. An einer Stelle blieb ich länger stehen. Dort hatte sich über Nacht etwas Neues in die Geruchslage gemischt. Ich nahm es auf, sortierte es ein und ging weiter. Der alte Mann wartete nicht, denn er weiß, dass eine ordentliche Kontrolle ihre eigene Geschwindigkeit hat.
Unterwegs kam er auf die Idee, mit mir auf Baumstämmen zu balancieren. Vermutlich wieder eine seiner Übungen für DogWarrior. Die Stämme waren dick genug, dass man darauf gut stehen konnte, aber sie lagen eben auch ein gutes Stück über dem Boden. Ich fand, wenn man schon einmal dort oben war, konnte man oben bleiben. Der alte Mann ging zuerst vor und ließ mich warten. Dann rief er mich zu sich und ich setzte mich vor ihn auf den Stamm. Aufgabe erfüllt, Bezahlung erhalten. So funktionieren vernünftige Übungen. Danach machten wir es andersherum. Diesmal schickte er mich vor. Ich ging auf den Stamm, setzte mich hin und wartete. Der alte Mann kam nach und bezahlte wieder mit Leckerchen. Das Ganze wiederholten wir noch einmal. Mit der passenden Bezahlung kann ich mich sogar auf das langsamere Tempo des alten Mannes einstellen. Man muss ja nicht immer alles schnell erledigen, nur weil man es könnte.
Der alte Mann schaute zufrieden und ich setzte die Revierkontrolle bis zum trockenen Bach fort. Er ist immer noch trocken. Wir nutzten das trockene Bachbett noch für ein paar Suchspiele, bevor wir wieder nach Hause fuhren.
Nachdem die nötigsten Geschäfte am Abend noch schnell am Brunnen erledigt waren, ließen wir den Tag auf dem Sofa ausklingen.
Eure Eira
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