Neulich fragte jemand den alten Mann, was er eigentlich von Hundeplätzen hält.

Nach meinen Beobachtungen wollen Menschen mit dieser Frage meistens gar nicht wissen, was jemand von eingezäunten Plätzen hält. Sie wollen wissen, wie er zu Hundeerziehung steht. Der Hundeplatz ist nur einfacher zu erklären als der eigene Weg, mit einem Hund zusammenzuarbeiten.

Und weil ich dort inzwischen ein paar Erfahrungen gesammelt habe, halte ich mich für ausreichend qualifiziert, die eigentliche Frage zu beantworten.

Für Hunde und ihre Menschen sind solche Plätze eine hervorragende Sache. Dort wird trainiert, gespielt, gelernt und gearbeitet. Die Menschen beschäftigen sich mit ihren Hunden, lernen Körpersprache, üben Signale und verbringen gemeinsam Zeit. Das ist grundsätzlich deutlich sinnvoller, als den Hund morgens in den Garten zu stellen und abends überrascht festzustellen, dass er inzwischen ganz eigene Vorstellungen vom Leben entwickelt hat.

Für viele Mensch-Hund-Teams ist das vermutlich genau der richtige Weg.

Für mich war die Sache allerdings etwas komplizierter. Und möglicherweise auch für den alten Mann. Wobei man bei ihm nie so genau weiß, ob ihm etwas nicht liegt, weil es unvernünftig ist oder weil mehr als fünf Menschen gleichzeitig anwesend sind. Meine Beobachtungen deuten eher auf Letzteres hin.

Schon die Anfahrt hat bei mir Fragen aufgeworfen. Wir fuhren an Wäldern vorbei. An Wiesen vorbei. An Feldwegen vorbei. An Wildspuren vorbei. Und dann hielten wir auf einem eingezäunten Platz, auf dem Menschen Situationen nachstellten, denen wir draußen jeden Tag begegnen konnten.

Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, dass das für viele genau der richtige Ort ist. Für mich fühlte es sich trotzdem anders an.

Dazu kam die Anzahl der Beteiligten. Viele Menschen. Viele Hunde. Viele Gespräche. Viele Meinungen. Viele Regeln. Ich merke schnell, wenn mir zu viel gleichzeitig angeboten wird. Dann schaue ich lieber erst einmal in Ruhe, bevor ich entscheide, womit ich mich beschäftige.

Der alte Mann macht das übrigens ähnlich. Nach ungefähr zwanzig Minuten bekommt er diesen Gesichtsausdruck. Den Blick eines Menschen, der eigentlich längst wieder auf einem einsamen Waldweg unterwegs wäre. Er steht dann höflich da, nickt gelegentlich und tut so, als höre er aufmerksam zu.

Aber ich kenne ihn. Gedanklich läuft er bereits irgendwo durch den Burgwald. Ehrlicherweise geht es mir oft ähnlich. Nicht weil die Menschen unfreundlich wären. Nicht weil die Übungen schlecht wären. Sondern weil ich am leichtesten dort lerne, wo mir die Dinge später auch wieder begegnen. Im Wald. Auf Feldwegen. Am Neckar.

Zwischen Rehen, Radfahrern, Katzen, Spaziergängern und all den kleinen Überraschungen, die niemand planen kann. Dort wird aus Training Alltag. Und genau dort habe ich am meisten gelernt.

Vielleicht liegt das einfach an mir. Vielleicht gibt es viele Entlebucher, die Hundeplätze großartig finden. Das kann gut sein. Ich kann nur erzählen, wie es für mich war.

Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Stunde auf einem Hundeplatz oder einer Stunde mit dem alten Mann irgendwo im Burgwald, dann ist die Entscheidung ungefähr so schwierig wie die Frage, ob ich lieber Käse oder eine schriftliche Prüfungsordnung möchte. Wobei … wenn die Prüfungsordnung aus Käse besteht, können wir noch einmal darüber reden.

Darum haben wir nach einigen Wochen beschlossen, dass dieser Weg für uns nicht der richtige war.

Was nicht heißen soll, dass der alte Mann keine Unterstützung gebraucht hätte. Ich hatte schließlich durchaus eigene Vorstellungen davon, wie unsere Zusammenarbeit funktionieren sollte.

Genau deshalb war die Begleitung durch eine Trainerin und das Arbeiten in einer kleinen Gruppe für uns vermutlich die richtige Lösung: genug Unterstützung, um Fehler früh zu erkennen, genug Alltag, um das Gelernte direkt dort anzuwenden, wo wir es später brauchten, und wenig genug Trubel, dass der alte Mann bereit blieb zuzuhören, statt sich zu fragen, warum er sich das eigentlich antut. Wir müssen nicht darüber reden, wo Trubel bei ihm anfängt.

Der alte Mann bekam Antworten auf seine Fragen. Ich bekam Gelegenheit, auf einige seiner Vorstellungen von guter Zusammenarbeit korrigierend einzuwirken. Gemeinsam arbeiteten wir uns Schritt für Schritt bis zum Hundeführerschein vor.

Bei der Prüfung habe ich dem alten Mann zuliebe natürlich darauf verzichtet, mit ihm zu diskutieren. Auch wenn mir an einzelnen Stellen durchaus Anmerkungen eingefallen wären.

Rückblickend war das für uns wahrscheinlich die angenehmere Variante als regelmäßiges Training auf einem Hundeplatz mit festen Zeiten, vielen Teilnehmern und allem, was dazugehört.

Nicht besser. Nur passender.

Das ist allerdings keine Kritik an Hundeplätzen. Ganz im Gegenteil.

Ich glaube, dort wird an vielen Orten hervorragende Arbeit geleistet. Unzählige Hunde und Menschen profitieren vom Wissen, der Erfahrung und dem Engagement ihrer Trainer. Für viele Mensch-Hund-Teams ist das genau der richtige Weg – und manchmal auch genau der Ort, an dem aus einem etwas ratlosen Menschen und einem etwas kreativen Hund überhaupt erst ein gutes Team wird.

Nur eben nicht für jeden.

Manche lernen lieber auf Waldwegen als auf Übungsplätzen, lieber im Alltag als in einer Trainingsgruppe und lieber in kleinen Gruppen als in größeren Ansammlungen von Menschen.

Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann gilt Letzteres vermutlich nicht nur für mich. Der alte Mann wirkt mit mir auf einem Waldweg meist deutlich entspannter als nach dem Training, wenn viele Menschen noch zusammensitzen und die Gespräche langsam lauter werden.

Das macht einen Hundeplatz nicht schlechter. Es macht nur deutlich, dass nicht jeder Weg zu jedem Mensch-Hund-Team passt.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch

Eure Eira


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert