Entlebucher Tagebuch – Montag, 3. August 2026. Heute war Frauchen-Tag. Das merke ich immer schon morgens. Dann gehört sie mir, und wir machen uns gemeinsam auf den Weg zu den Feldern. Bei diesen Temperaturen starten wir lieber etwas ruhiger, denn auch ein Entlebucher weiß, dass man sich seine Kräfte einteilen muss.
Unterwegs fiel mir allerdings eine Stelle auf, an der sich ein Mensch sein Abendessen wohl noch einmal durch den Kopf hatte gehen lassen. Für Menschen bestimmt kein schöner Anblick. Für eine Entlebuchernase dagegen eine äußerst interessante Information. Ich wollte den Fund gründlich prüfen – man muss schließlich wissen, was im Revier passiert. Frauchen war allerdings der Meinung, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand völlig genügen würde. Wir waren uns in dieser fachlichen Einschätzung nicht ganz einig, aber am Ende hat sie die Diskussion gewonnen.
Kaum waren wir auf den Wiesen angekommen, hatte mich einer der Labradore schon von Weitem gerochen. Noch bevor die anderen überhaupt bei uns waren, kam er freudig angelaufen, um mich zu begrüßen. Kurz darauf wurde gemeinsam geschnuppert, gerannt und ein wenig herumgealbert. Allerdings nur so lange, wie es bei der Hitze sinnvoll war. Irgendwann waren wir uns alle einig, dass heute kluge Pausen wichtiger sind als wilde Sprints.
Frauchen packte anschließend noch den Ball aus, um mit mir ein bisschen zu üben. Auch das nur in kleinen Einheiten. Zum Schluss bekam ich noch eine Aufgabe: Ich sollte den Ball bis nach Hause tragen. Wenn mir eine Aufgabe gegeben wird, erledige ich sie. Also habe ich den Ball zuverlässig bis vor die Haustür gebracht.
Zuhause verschwand Frauchen dann wieder vor den leuchtenden Vierecken. Menschen scheinen damit erstaunlich viel Zeit verbringen zu können. Ich dagegen kümmerte mich um das Entlebucher-Hitzemanagement. Ein kühler Platz auf den Fliesen, alle Viere von mir gestreckt und die Augen nur halb geschlossen – immer bereit, falls doch noch etwas Wichtiges passieren sollte.
Am Nachmittag ließ mir Frauchen dann auch ein paar von den Beeren zukommen, die sie gerade gegessen hatte. Das fand ich ausgesprochen aufmerksam von ihr. So konnten wir gemeinsam eine kleine Erfrischung genießen, bevor ich mich wieder meinem sorgfältig geplanten Entlebucher-Hitzemanagement widmete.
Später kam dann auch der alte Mann aus seinem Büro. Er sah ganz so aus, als wäre Entlebucher-Hitzemanagement heute auch für Menschen keine schlechte Idee. Einen kurzen Moment befürchtete ich schon, er könnte mir meinen Platz auf den kühlen Fliesen streitig machen. Das hätte ich zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht unbedingt gutgeheißen. Zum Glück entschied er sich stattdessen für das Sofa.
Irgendwann kam dann die Zeit, in der ein Entlebucher seine geschäftlichen Angelegenheiten erledigen sollte – vorzugsweise in Verbindung mit einem ordentlichen Reviergang. Die Sonne hatte allerdings andere Vorstellungen. Der alte Mann überlegte noch, ob der Wald vielleicht eine Möglichkeit wäre, verwarf den Gedanken aber schnell wieder. Selbst dort war es heute einfach zu warm.
Schweren Herzens hatten wir uns fast schon damit abgefunden, nur eine kurze Runde bis zum Brunnen zu gehen, als Frauchen eine Idee hatte. Wir könnten doch mit dem Auto bis zum Parkplatz kurz vor Linsenhofen fahren und von dort die kurze Strecke zum Großen Gieß laufen. Dort gäbe es schließlich Wasser zum Abkühlen.
Das war wirklich eine gute Idee. Und wer würde Frauchen schon widersprechen, wenn sie eine gute Idee hat? Also machten wir uns auf den Weg.
Schon auf dem kurzen Stück vom Parkplatz bis zum Wasser konnte ich sämtliche geschäftlichen Angelegenheiten erledigen und gleichzeitig eine gründliche Revierkontrolle durchführen. Die Strecke eignet sich dafür nämlich ganz hervorragend.
Als wir schließlich am Großen Gieß ankamen, machten wir allerdings alle große Augen. Eigentlich heißt es dort so, weil normalerweise reichlich Wasser über die Felsen hinabstürzt. Heute war davon kaum noch etwas zu sehen. Aus dem Wasserfall war nur noch ein schmales Rinnsal geworden. Auch das Wasserloch darunter war auf einen kleinen Rest zusammengeschrumpft, und anschließend hätte man trockenen Fußes bis fast zur Brücke laufen können.
So wenig Wasser habe ich dort jedenfalls noch nie gesehen. Selbst Orte, die sonst immer zuverlässig kühl und voller Wasser sind, sehen im Moment plötzlich ganz anders aus. Das muss ein Entlebucher zur Kenntnis nehmen.
Ich habe die Pfoten trotzdem kurz ins Wasser gestellt. Für eine kleine Abkühlung hat es noch gereicht. Danach machten wir uns wieder auf den Heimweg. Viel mehr brauchte dieser Tag auch nicht mehr. Zuhause legte sich der alte Mann auf das Sofa, ich auf meine kühlen Fliesen, und so ließen wir den Abend ausklingen.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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