Sonntag, 31. Mai 2026

Als wir heute Morgen losliefen, fiel mir relativ schnell auf, dass der alte Mann an mehreren völlig üblichen Abzweigungen einfach vorbeiging. Das ist immer ein interessantes Zeichen. Entweder hat er sich verlaufen oder er hat tatsächlich einen Plan. Als wir Richtung Feuerwehr liefen, wurde ich aufmerksam. Am Feuerwehrhaus war alles ruhig. Die roten Fahrzeuge schliefen noch. Das ist mir deutlich lieber als die Alternative.

Kurz danach kamen wir am Kleintierzuchtverein vorbei. Dort werfe ich grundsätzlich einen Blick auf die Lage. Nicht ohne Grund. Beim letzten Mal sahen wir dort einen Fuchs mit einem Huhn im Maul in den Büschen verschwinden. Es war sehr früh am Morgen. Außer uns schien das niemand bemerkt zu haben. Der Fuchs wirkte zufrieden. Das Huhn eher nicht.

Heute war jedenfalls alles ruhig. Spätestens jetzt war mir klar, wohin wir unterwegs waren.

Zum Großen Gieß.

Wenn es warm wird, gehört dieser Ort zu den vernünftigsten Zielen der Umgebung. Kaltes Wasser, Schatten und genügend Möglichkeiten, die Umgebung im Auge zu behalten. Mehr kann ein Entlebucher von einem Ausflugsziel kaum verlangen.

Am Wasserloch führte ich zunächst einen Vergleichstest durch. Gestern hatte ich an der Steinach in Nürtingen getrunken. Der alte Mann behauptete, das Wasser käme von hier. Beide Proben schmeckten erstaunlich ähnlich.

Nach Bach.

Ich muss zugeben, die Theorie gewinnt langsam an Glaubwürdigkeit.

Der alte Mann schaute aufs Wasser, ich überwachte die Umgebung. Jeder kümmerte sich um das, was er am besten kann. Für den Rückweg wählte der alte Mann eine große Schleife über den Haldenhof. Ein Name, der dringend überprüft werden sollte. Nach meiner Erfahrung gibt es dort deutlich mehr Katzen als Halden.

Ich plädiere deshalb für Katzenhof. Die Beweislage ist erdrückend. 

Am Nachmittag verbrachten der alte Mann und ich einige Zeit im Arbeitszimmer. Normalerweise schaut er dort auf irgendwelche Pläne, Zahlen oder andere Menschensachen. Zu seiner Ehrenrettung muss man allerdings sagen, dass er sich heute mit meiner Seite beschäftigte.

Während er Texte schrieb und Bilder sortierte, lag ich daneben und überprüfte regelmäßig die Qualität seiner Arbeit. Irgendjemand muss schließlich darauf achten, dass ein Entlebucher im Internet angemessen dargestellt wird. Menschen verlieren solche Details erstaunlich schnell aus den Augen. 

Am Abend gingen wir noch einmal zu dritt über die Felder. Frauchen war inzwischen ebenfalls wieder einsatzbereit und so durfte ich ein Stück im Freilauf unterwegs sein. Über den Bergen türmten sich dunkle Wolken auf und sahen eine Zeit lang so aus, als würden sie etwas Großes vorhaben. Menschen beobachten in solchen Situationen den Himmel. Ich beobachte lieber, ob der Himmel tatsächlich etwas tut.

Heute tat er das nicht.

Er grummelte ein wenig in der Ferne, zog ein paar beeindruckende Wolken auf und überlegte es sich dann offenbar anders. Damit blieb genug Zeit für eine ruhige Runde über die Felder, bevor wir gemeinsam wieder nach Hause gingen.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, eure Eira.


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