Katzenmorgen

Katzenmorgen

Entlebucher Tagebuch – Donnerstag, 20. August 2026. Heute Morgen ist Frauchen wieder sehr früh aufgestanden. So früh, dass selbst der alte Mann es nicht bemerkt hat. Ich habe noch eine Weile gewartet, aber irgendwann war es doch an der Zeit, ihn darüber zu informieren. Einer musste schließlich wissen, dass der Tag bereits begonnen hatte. Frauchen saß da schon a den leuchtenden Vierecken und war offenbar längst mitten im Tag angekommen. Der alte Mann dagegen steuerte erst einmal den Kaffee und anschließend das Sofa an. Jeder hat eben seine eigene Art, einen Morgen zu beginnen. Ich fand, dass meine Entscheidung, zunächst noch eine Weile liegen zu bleiben, damit durchaus vernünftig gewesen war.

Während der alte Mann noch seinen Kaffee trank, um überhaupt richtig wach zu werden, kam Lilly nach Hause. Normalerweise ist Lilly eher der Schatten bei uns. Sie taucht irgendwo auf, ist plötzlich da und verschwindet genauso lautlos wieder, wie sie gekommen ist. Heute war es anders. Als sie bemerkte, dass hier bereits einige von uns wach waren, verkündete sie ihre Ankunft lautstark. Offenbar war ihr diesmal wichtig, dass der alte Mann auch wirklich bemerkte, dass sie wieder da war. Also begrüßte er sie ordentlich und Lilly konnte sich wieder ihren eigenen Dingen widmen.

Als die Katzen nach erfolgreicher nächtlicher Revierarbeit Dienstschluss hatten, klingelte beim alten Mann der Wecker. Eigentlich war das die Zeit zum Aufstehen, auch wenn sein Morgen schon etwas früher begonnen hatte. So kam auch er früher als geplant an die leuchtenden Vierecke. Als draußen der Tag ebenfalls das Licht angeschaltet hatte, gingen der alte Mann und ich auf unseren morgendlichen Kontrollgang. Es gab nachzusehen, was sich über Nacht verändert hatte und ob draußen alles noch so war, wie es sein sollte.

Kaum drei Häuser weiter saß noch eine Katze vor einer Tür und wartete auf Einlass. Offenbar hatte man in diesem Haus keine eigene Tür für die Katzen, so wie Lilly und Fee bei uns. Die Katze saß geduldig davor und wartete darauf, dass jemand bemerkte, dass sie wieder nach Hause wollte.

Die Revierkontrolle brachte eigentlich keine besonderen Auffälligkeiten. Nur schien es heute an jeder Ecke in der Stadt und draußen auf den Feldern Katzen zu geben. Sie saßen irgendwo herum, liefen über Wege oder waren mit Dingen beschäftigt, die für sie offenbar sehr wichtig waren. Zumindest interessierten sich die allermeisten überhaupt nicht für uns. Das fand ich angenehm. Wenn jeder seine eigenen Aufgaben hat, muss man sich nicht gegenseitig bei der Arbeit stören.

Der alte Mann war heute offenbar wieder etwas unkonzentriert. Zumindest verlor er unterwegs ein paar Mal den Futterdummy. Ich durfte dann zurücklaufen und ihn suchen. Was soll man machen? Ein Entlebucher hilft, wo er kann. Und wenn der alte Mann seine Sachen verliert, gehört das Wiederfinden nun einmal zu meinen Aufgaben.

Wieder zu Hause angekommen, widmete sich jeder seinen Aufgaben. Der alte Mann verließ am späten Vormittag noch einmal für eine Weile das Haus. Als er wiederkam, ging er in sein Büro und gab dort Bescheid, dass er diese Woche nicht mehr arbeiten würde. Danach blieb er tatsächlich zu Hause und die leuchtenden Vierecke konnten einmal eine Pause machen. Mir soll es recht sein, wenn er nicht so viel davor sitzt. Viel anderes hatten sie heute zwar auch nicht gemacht, aber manchmal tut es einfach gut, einen Tag mit dem alten Mann auf dem Sofa zu verbringen.

Am Abend ging Frauchen mit mir auf die letzte Revierkontrolle. Ich erledigte schnell die wichtigsten Geschäfte und danach konnten wir in Ruhe alles überprüfen. Bei Frauchen funktioniert es außerdem ziemlich zuverlässig, einfach lieb zu schauen, wenn man ein Leckerli möchte. Das hat sich im Laufe der Zeit bewährt. Allerdings merkte Frauchen irgendwann, dass ich inzwischen ziemlich oft kleine Ästchen knackte, um sie anschließend wieder auszuspucken, sobald sie „Aus“ sagte. Dafür gab es nämlich eine Belohnung. Ich fand, das war eine ausgesprochen einfache und zuverlässige Möglichkeit, an Leckerlies zu kommen. Frauchen sah das leider etwas anders. Irgendwann wurde sie ziemlich knauserig und wollte nicht mehr jeden Ast als ernsthafte Arbeitsleistung anerkennen. Dabei hatte ich doch nur dafür gesorgt, dass unsere Revierkontrolle ordnungsgemäß ablief.

Als ich dann etwas energischer einen neuen Hund in unserem Revier kontrollieren wollte und dabei die Leine ein wenig stärker anzog, wurde Frauchens Laune nicht besser. Offenbar war sie der Meinung, dass für heute genug kontrolliert worden war. Also bog sie kurzerhand in die kurze Variante unserer Runde ein.

So kamen wir am Grundstück mit dem Dackel und dem großen Hirtenhund vorbei. Der Dackel stand schon am Zaun, der Schwanz wedelte schnell hin und her. Der Hirtenhund – der, der mich schon einmal etwas zu aufmerksam beschnüffelt hatte – kam wieder näher und streckte die Nase durch die Gitterstäbe. Ich blieb stehen. Der Dackel machte ein kurzes, hohes Geräusch, der Hirtenhund atmete tief durch die Nase aus. Dann beschnüffelten wir uns, so gut es durch den Zaun ging. Danach gingen wir weiter.

Eure Eira


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