Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 20. Juli 2026. Die Sache mit dem Rhythmus ist, dass er sich nicht so schnell ändert. Heute ist Frauchen wieder lange vor der Sonne aufgestanden. Das hat sogar der alte Mann rechtzeitig gemerkt, sodass ich ihn gar nicht erst wecken musste. Während Frauchen zu ihren leuchtenden Rechtecken gegangen ist, hat sich der alte Mann auf den Weg zum Sofa gemacht – natürlich nicht ohne einen Kaffee in der Hand. Ich fand, dass das Sofa um diese Uhrzeit eindeutig die bessere Entscheidung war.
Allerdings hat der alte Mann dann doch recht schnell den Weg ins Büro gefunden, und kurz darauf kam auch Frauchen zurück, damit wir unsere Morgenrunde früh beginnen konnten. Später zeigte sich, dass das eine richtig gute Entscheidung gewesen war, denn die Sonne hat heute wieder für zwei gearbeitet.
So war meine Nase noch angenehm kühl, über den Wiesen lag noch die frische Luft der Nacht, und selbst die Feldwege fühlten sich unter den Pfoten noch kühl an. Die Gerüche waren klar und deutlich, nichts wurde von der Hitze überdeckt. Ich konnte jede Spur sauber lesen, an den Wegrändern in Ruhe kontrollieren, wer seit gestern unterwegs gewesen war, und den Überblick über mein Revier behalten.
Frauchen hatte die Lederente mitgenommen, und so kam auch der Spaß nicht zu kurz. Ganz so schön wie mit dem alten Mann war es allerdings nicht, denn Frauchen zergelt einfach nicht richtig. Für ein ordentliches Zergelspiel braucht es schon jemanden, der Kraft hat und sich nicht gleich geschlagen gibt.
Wir gingen weiter, und irgendwann rächte es sich wohl, dass ich gestern etwas zu viel Gras erwischt hatte. Es wollte jedenfalls auf demselben Weg wieder hinaus, auf dem es hineingekommen war. Danach fühlte sich mein Magen deutlich zufriedener an. Frauchen stellte dafür fest, dass ich die Lederente gar nicht mehr dabeihatte.
Nun muss ich das richtigstellen: Frauchen hat die Ente nicht irgendwo liegen lassen. Sie hat sie mir nach dem Spielen einfach nicht wieder abgenommen. Irgendwo unterwegs muss dann eine Spur oder etwas anderes aufgetaucht sein, das meine volle Aufmerksamkeit gebraucht hat. Danach war die Lederente schlicht vergessen.
Natürlich war das kein wirkliches Problem. Sobald der Verlust gemeldet war, hatte ich einen Auftrag. Also ging es zurück auf Spurensuche, und kurze Zeit später konnte ich Frauchen die vermisste Lederente wieder ordnungsgemäß übergeben.
Wir setzten unseren Weg fort, als uns ein Labrador an der Leine mit seiner Besitzerin entgegenkam. Der Labrador machte ganz eindeutig Spielaufforderungen. Ich ging den beiden zügig entgegen. Dabei rutschte Frauchen wohl vor lauter Überraschung die Leine aus der Hand, und ich wollte gerade meine grundsätzliche Bereitschaft zu einem kurzen Rennen erklären, als die Frau Frauchen aufforderte, mich zurückzurufen.
Ein gemeinsames Rennen gab es also nicht. Nachdem Frauchen die Leine wieder genommen hatte, gingen wir einfach weiter. Ich persönlich finde es ja etwas schwierig, wenn sich ein entgegenkommendes Hund-Mensch-Team nicht einig ist. Der Hund sagt ganz eindeutig: „Komm, wir spielen!“, während der Mensch gleichzeitig signalisiert: „Bitte nicht näher kommen.“ Ich finde widersprüchliche Botschaften einfach unpraktisch. Wenn der Hund spielen möchte und der Mensch das Gegenteil sagt, weiß man schließlich erst einmal nicht, auf wen man nun Rücksicht nehmen soll.
Auf dem restlichen Kontrollgang gab es dann keine besonderen Vorkommnisse mehr. Zuhause hatte ich nur noch ein Ziel: die kühlsten Fliesen im ganzen Haus zu finden. Selbst Frauchen verlegte ihren Arbeitsplatz ins Esszimmer, weil es dort deutlich angenehmer war. Und Lilly, die warme Tage normalerweise irgendwo im Schatten der Bäume an der Steinach verbringt, hatte sich ebenfalls ins Haus zurückgezogen.
Am Nachmittag merkte Frauchen, dass wohl nicht mehr alle Knochen ganz dort saßen, wo sie hingehörten, und begann wieder, Tiernamen zu turnen. Zuerst half ich ihr natürlich dabei und achtete darauf, dass sie keine Übung ohne meine Kontrolle machte. Als dann aber der alte Mann nach Hause kam, sich mit einem Kaffee aufs Sofa setzte und Frauchen weiter beim Turnen zusah, beschloss ich, dass meine Unterstützung dort im Moment dringender gebraucht wurde. Ich legte mich schließlich zu ihm.
Da die Hitze heute einfach kein Ende finden wollte, gab es für mich am Abend nur noch einen kurzen Kontrollgang bis ein paar Meter hinter den Brunnen. Selbst das fand ich schon anstrengend. Aber geschäftliche Angelegenheiten lassen sich nun einmal nicht auf morgen verschieben. Die Abendkontrolle gehört zu meinen Aufgaben, und die werden auch an heißen Tagen zuverlässig erledigt – wenn auch mit etwas gemäßigterem Tempo.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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