Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 30. September 2026. Heute war der alte Mann schon zur Bürozeit von Frauchen wach geworden. Diesmal ist mir das nicht durchgegangen und ich habe mich an seine Fersen geheftet, als er zum Sofa gegangen ist. Natürlich nicht, ohne vorher an der Kaffeemaschine Halt zu machen. Manche Umwege gehören bei Menschen offenbar zum direkten Weg.
Als Frauchen dann auch auf war, gingen beide an ihre leuchtenden Vierecke. Ich suchte mir einen Platz, von dem aus ich beide Arbeitszimmer im Blick hatte. Man weiß ja nie, ob die Menschen bei der Arbeit nicht doch plötzlich etwas Wichtiges machen.
Gleich zu Beginn der Morgenrunde trafen wir auf eine größere Gruppe Grundschulkinder, die ziemlich ungeordnet unterwegs war. Ich setzte schon an, diesen Haufen erst einmal auf Entlebucherart aufzuräumen, als der alte Mann mich stoppte und behauptete, das wäre nicht mein Job.
Nicht mein Job. Die waren gerade mal einen Kurzsprint von meiner Haustür entfernt.
Es ist dann ja wohl verständlich, dass ich ein paar Meter gebraucht habe, bis ich mich von dieser Frechheit erholt hatte. Nur gut, dass mir auf dem weiteren Kontrollgang keine relevanten Änderungen aufgefallen sind. Den habe ich selbstverständlich trotzdem durchgeführt. Unterschiedliche Auffassungen über Zuständigkeiten sind schließlich kein Grund, die Revierkontrolle gleich ganz einzustellen.
Wir kamen dann auch ohne weitere Störungen auf den Feldern an. Hier konnte ich mir den letzten Stress vom Leib rennen, und der alte Mann übte erst mit mir Warte- und Suchspiele mit dem Ball.
Und dann legte er den Ball irgendwo auf den Boden, wie er es immer macht, wenn ich ihn suchen soll, und noch ein Leckerlie oben drauf. Ich schaute mir das aus der Ferne an und fand das sehr löblich. Dann kam er zurück und sagte allen Ernstes: „Nur das Leckerlie.“
Ich musste glatt kurz sitzen bleiben und das verdauen. Aber gut, es klappte beim ersten Mal. Beim zweiten auch. Beim dritten Mal dachte ich mir dann: Okay, wir wissen jetzt beide, dass ich es kann, also kann ich den Ball auch gleich mit zurückbringen.
Der alte Mann sah das anders und korrigierte mich sofort. Ich legte den Ball wieder ab, mit einem Blick, der deutlich machte, dass ich in dieser Sache völlig anderer Meinung war, und lief zu ihm zurück. Damit war er zufrieden und gab den Ball frei. Also wieder hin, Ball holen und dann endlich wildes Zergeln.
Auf dem Rückweg liefen noch ein paar Rehe an uns vorbei. Ich blieb stehen und sah ihnen hinterher. Als sie etwas mehr Abstand zwischen uns gebracht hatten, blieben sie stehen und gingen erst einmal zum Grasen über.
Der Rest des Tages verlief ziemlich ruhig, bis wir abends noch zu den Sieben Eichen gefahren sind. Heute waren dort wieder ziemlich viele von diesen lauten Zweirädern unterwegs, und es sah ganz danach aus, als würden sie auf der Neuffener Steige Rennspiele machen.
Ich finde ja, Rennspiele sollte man nur dort machen, wo es ungefährlich ist. Zum Beispiel auf den Feldern.
Bei dem Lärm, der bis weit in den Bannwald getragen wurde, machten wir nur eine kurze Runde und suchten dann lieber die Ruhe auf dem Sofa.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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