Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 1. Juli 2026. Heute Morgen waren die Vögel tatsächlich ein paar Minuten später. Vielleicht war das noch eine Nachwirkung von dem Unwetter, das gestern Abend über das Tal gezogen ist. Nach seinem traditionellen Morgenkaffee griff der alte Mann aber nicht nach meiner Leine, sondern nach seinem Bürorucksack. Es war mal wieder Bürotag. Also übernahm Frauchen die Morgenrunde.

Frauchen ist schließlich genauso gut am anderen Ende der Leine. Also begann unsere Morgenrunde wie jede ordentliche Morgenrunde: mit den wichtigen Dingen. Zuerst der Blick in die Gärten. Die Hühner waren schon unterwegs und scharrten zwischen Gras und Erde nach ihrem Frühstück. Hasen ließen sich heute keine blicken, aber nach ihnen halte ich trotzdem immer Ausschau. Man weiß schließlich nie. Erst danach ging es weiter hinaus zu den Feldern. Dort beginnt das eigentliche Revier.

Gerade interessieren mich hier besonders die Nachrichten der anderen Hunde. Die lese ich sehr aufmerksam. Also wirklich sehr aufmerksam. Frauchen nennt das inzwischen schon „Extremschnüffeln“. Ich finde, wenn jemand sich die Mühe macht, so viele Informationen zu hinterlassen, dann sollte man sie auch gründlich lesen.

Oben an der Kreuzung zu den Feldern entschied Frauchen, dass es heute die kleine Runde werden würde. Ausgerechnet dort, wo von oben gerade ein besonders verlockender Duft herüberzog. Ich blieb einen Moment stehen und prüfte die Lage. Aber gut. Wenn Frauchen die kleine Runde wollte, dann eben die kleine Runde.

Für den Rückweg entschied sich Frauchen dann für den Weg an der Straße und nicht für den über die Wiesen. Die waren nach dem gestrigen Unwetter noch ziemlich nass. Ich hätte damit zwar kein Problem gehabt, aber Frauchen offenbar schon. Also blieben meine Pfoten heute sauberer als sonst.

Bis zum Nachmittag verbrachten wir den Tag ganz gemütlich. Wir aßen, ruhten uns aus und ich schaute Frauchen dabei zu, wie sie in ihre leuchtenden Rechtecke blickte. Ich weiß bis heute nicht, was daran so spannend ist. Für mich sah es nach einem ausgesprochen beschaulichen Tag aus.

Später am Nachmittag kam dann der alte Mann zurück. Und Daniel war auch wieder dabei. Das fiel sogar mir auf. So oft passiert das eigentlich nicht. Irgendetwas lag in der Luft. Nicht als Geruch. Eher als dieses Gefühl, dass die Menschen etwas vorhaben und alle so tun, als wäre es ein ganz normaler Tag.

Es wurde aber nichts gepackt. Also konnte es nichts sein, das sofort passieren musste. Ich beschloss, die Sache erst einmal weiter zu beobachten.

Am Abend fuhren wir dann noch einmal in den Burgwald. Auch dort war ich heute der Meinung, dass alles etwas genauer untersucht werden sollte als an normalen Tagen. Manche Tage sind eben so. Da erzählen die Gerüche einfach mehr als sonst.

Zwischendrin trainierten der alte Mann und Frauchen noch ein wenig mit mir. Das klappte hier deutlich besser als gestern auf den Feldern. Im Wald trägt der Wind viele Gerüche nicht so weit durch die Luft. Gerade jetzt mit dem Mädchenkram fällt es mir dort leichter, mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren.

Als wir wieder nach Hause fuhren, war ich zufrieden. Heute gab es einfach besonders viel zu lesen. Manchmal sind genau das die besten Tage.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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