Entlebucher Tagebuch – Donnerstag, 24. September 2026. Über gestern möchte ich nicht wirklich reden. Nur so viel: Bereits am Morgen waren Frauchen und ich auf dem ersten Kontrollgang mehr als unterschiedlicher Meinung. Ich werde selbstverständlich nicht kommentieren, an wem das gelegen hat. Das Ende vom Lied war, dass die Runde kaum begonnen hatte, schon wieder abgebrochen wurde, und auch der Rest des Tages erst gegen Abend langsam entspannter wurde.
Reden wir also von heute.
Heute begann der Morgen mit dem Kaffee-auf-dem-Sofa-Ritual des alten Mannes. Etwas früher als sonst, und wenn ich mir sein Gesicht beim Aufwachen so ansah, hatte ich den Eindruck, dass seine Schulter zwischendurch mal wieder darauf aufmerksam machen musste, dass sie auch noch da ist. Ich habe das selbstverständlich zur Kenntnis genommen, ohne mich einzumischen.
Zumindest verschwand er ausgesprochen früh Richtung Büro, was dafür sprach, dass er dort vermutlich auch nicht so lange bleiben würde. Als der Tag dann beschlossen hatte, das Licht einzuschalten, brachen Frauchen und ich zur Morgenrunde auf. Da gestern unsere Kontrollrunde kaum über den Anfang hinausgekommen war, hatte ich heute praktisch zwei Tage Reviergeschehen nachzuholen. Entsprechend sorgfältig musste natürlich geprüft werden, was sich in unserer Abwesenheit alles verändert hatte. Welche Gerüche neu waren, welche bekannten noch an ihrem Platz lagen und welche plötzlich fehlten. Dinge, die gestern noch da gewesen waren, mussten heute wiedergefunden oder zumindest ihr Verschwinden zur Kenntnis genommen werden. Schließlich kann man bei einer Revierkontrolle nicht einfach so tun, als hätte zwischendurch nichts stattgefunden.
Auf den Feldern trafen wir dann Pako. Pako ist ein wirklich stattlicher Retriever, und ich kenne ihn schon seit der Zeit, als ich zum ersten Mal mit Mädchenkram zu tun hatte. Damals waren wir ebenfalls auf den Feldern unterwegs, ich durfte noch frei laufen, und irgendwann kam mir sein Duft in die Nase. Also raste ich los. Bei Pako war es offensichtlich genauso, denn auch er kam in meine Richtung.
Wir trafen uns an einer Stelle, an der unsere Frauchen uns gerade noch aus ihren unterschiedlichen Richtungen sehen konnten. Damit war die Sache eigentlich ganz gut geregelt und wir konnten uns in Ruhe kennenlernen. Nach dem Kennenlernen ging es allerdings ziemlich schnell in ein wildes Spiel über, das uns beide ein gutes Stück vom Weg wegführte. Frauchen behauptet bis heute, sie hätten ewig gebraucht, bis wir wieder bei ihnen waren. Ich finde, sie übertreibt da immer ein bisschen.
Heute jedenfalls traf ich Pako wieder, und ich kann bestätigen: Er riecht immer noch genauso gut und ist nach wie vor ein stattlicher Kerl, mit dem das Toben Spaß macht. Nachdem wir unsere Begrüßung etwas ausführlicher gestaltet hatten, liefen wir noch eine ganze Weile Seite an Seite ganz ruhig weiter. Irgendwann waren dann alle wieder beisammen und gemeinsam ging es zurück ins Städtchen.
Der alte Mann kam tatsächlich nicht so spät nach Hause, und so machte ich meine zweite Revierkontrolle mit ihm. Zurzeit sind die Nachmittagsrunden allerdings eher ruhig, und es gibt nur selten etwas zu melden. An der Straße lag dann aber etwas, das ich durchaus interessant fand. Der alte Mann sah es sich kurz an, beschloss anschließend, dass er gar nicht so genau wissen wollte, was es denn nun eigentlich war, und erklärte mir sehr deutlich, dass ich darum einen Bogen zu machen hätte. Die Erklärung war so eindeutig, dass ich – obwohl ich ein Entlebucher bin – auf dem Rückweg nicht mehr weiter nachgefragt habe.
Auf der Runde trafen wir außerdem die alte Leonbergerin Emmy. Ich blieb stehen und wartete auf sie, aber sie ging einfach an mir vorbei, ohne mich überhaupt zu bemerken. Und das, obwohl wir uns eigentlich ganz gut kennen. Sie ist inzwischen eben eine ältere Dame, und manchmal scheint sie ihre Umwelt etwas anders wahrzunehmen als früher.
Wieder zu Hause gab es noch ein ordentliches wildes Gezergel, bevor ich mich später auf dem Sofa schon einmal mit meinem Rücken an den alten Mann schmiegen konnte. So lässt es sich schließlich ganz gut ein wenig vorschlafen, wenn der Tag langsam auf seinen gemütlichen Teil zusteuert.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira
-

Eine doppelte Begrüßung, neugierige Rehe und ein Wettlauf mit der Dunkelheit
Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 04. November und Donnerstag, 05. November 2026. Gestern war wieder Bürotag…
-

Ein verdächtig gehorsamer Hund und ein misstrauischer alter Mann
Entlebucher Tagebuch – Dienstag, 3. November 2026. Heute war Frauchens Bürotag. Deshalb fingen die leuchtenden…
-

Ein verspäteter Weckruf, Hunde mit anderen Plänen und ein vorgezogener Montag
Entlebucher Tagebuch – Sonntag, 01. November 2026 und Montag 02. November 2026. Gestern Morgen musste…


Schreibe einen Kommentar