Entlebucher Tagebuch – Sonntag, 19. Juli 2026. Heute wurde der alte Mann pünktlich zum Dienstbeginn der Vögel wach. Die Vögel selbst schienen allerdings frei zu haben. Unnötig. Ich hatte längst alles geprüft: die Geräusche im Haus, die Plätze von Frauchen und ihm, sogar die Luft unter der Tür.
Er stand auf, ging zum Fenster und schloss es. Dann legte er sich wieder hin. Ich wartete. Menschen tun manchmal Dinge, die keinen sichtbaren Sinn ergeben. Aber wenn sie danach weiterschlafen, ist das in Ordnung. Also blieb ich liegen.
Kurze Zeit später begann der Himmel, Wasser auf die Erde zu werfen. Kein zögerliches Nieseln, das Menschen ignorieren. Sondern kräftig, mit Absicht. Ich hob den Kopf. Das Geräusch auf dem Dach war klar: Jetzt wird es nass. Ich überlegte, ob das Wasser draußen besser roch als drinnen.
Es roch. Immer.
Als der alte Mann später aufstand, hörte ich noch dem fallenden Wasser zu. Er ging wie jeden Morgen zur Kaffeemaschine, nahm eine Tasse und setzte sich aufs Sofa. Nach einem Blick auf das leuchtende Rechteck war klar: Die Morgenrunde würde erst nach dem Frühstück stattfinden.
Ich genoss die Ruhe im Haus. Die Spuren verrieten mir, dass selbst Lilly es bei dem Wetter vorgezogen hatte, den Tag drinnen zu verschlafen. Nach dem Frühstück bekam Fee noch eine Extra-Streicheleinheit vom alten Mann.
Dann starteten wir zu dritt in die Morgenrunde. Draußen war es wieder trocken. Nach dem Regen roch das Revier anders und doch vertraut. Auf dem Weg zu den Feldern traf ich meine älteste Freundin Rosa. Sie war mit ihrer Revierkontrolle schon fertig. Wir machten nur ein schnelles Nase-an-Nase, dann ging jeder seinen Weg.
Dass wir einen der Jungfüchse am Brombeerwäldchen sehen, passiert zurzeit fast täglich. Heute saß er auf der Wiese auf der anderen Seite des Weges. Der alte Mann war sicher froh, dass ich mit wichtigen Schnüffelarbeiten beschäftigt war, als der Fuchs wie ein Blitz über den Weg rannte und im Dickicht verschwand. Natürlich verriet mir die Spurenlage einige Momente später trotzdem, was passiert war. Der alte Mann hätte mich nicht zurückrufen müssen, als ich der Spur folgte. Den schmalen Tunnel durch die meterdicke Brombeerhecke kann wohl nur ein Fuchs nutzen.
Auf den Feldern wurden wir dynamischer. Frauchen joggte, der alte Mann wanderte, und ich lief mal voraus, mal wieder zurück und zog weite Kreise um die beiden. So kamen wir alle gleich schnell voran. Es ist immer wieder erstaunlich, wie der alte Mann es schafft, ohne zu laufen mit Frauchen mitzuhalten – jedenfalls solange ich sie nicht ziehe.
Heute passte es dann besser, dass wir Nala wieder trafen. Ich war wieder für ein paar schnelle Spielrunden zu haben. Danach gab es eine Trinkpause – der alte Mann achtet auf so etwas. Genauso wie darauf, dass ich noch ein paar Runden über die aufgebrochenen Äcker lief. Deshalb wurde ich zu Hause ordentlich abgebraust. Aber vorher durfte ich noch den verlorenen Futterbeutel suchen.
Nach einem eher ruhigen Sonntag machte Frauchen noch eine Nachmittagsrunde mit mir. Wir machten eine der Schafrunden. Sie behauptete, ich würde viel langsamer laufen als am Morgen. Dabei hatte ich nur Rücksicht auf sie genommen. Uns kam ein kleiner Hund entgegen. Der war von meinem wachsamen Auftreten offensichtlich schon eingeschüchtert, bevor ich überhaupt etwas sagte. Frauchen schlug vor, wir sollten gelassen bleiben und auf eine Wiese ausweichen, bis er vorbei war. Ich sah nichts, was dagegen sprach.
Die Schafe und selbst die Hühner, an denen wir noch vorbeikamen, waren weniger ängstlich. Sie liefen eine Weile neben uns her. Sicher sieht man mir an, wofür ich eigentlich gemacht bin.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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