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Entlebucher Tagebuch – Montag, 05. Oktober 2026. Heute war wieder einiges durcheinander. Eigentlich war Bürotag vom alten Mann, und an solchen Tagen gelten morgens normalerweise andere Zeiten. Trotzdem wurde er schon zu Frauchens Zeit wach. Warum auch immer. Vielleicht funktioniert seine innere Uhr inzwischen nach einem eigenen Dienstplan. Für ihn hatte das immerhin einen Vorteil: Er hatte plötzlich deutlich mehr Zeit für seinen Morgenkaffee. Manche Änderungen im Tagesablauf scheinen Menschen wesentlich leichter zu fallen, wenn Kaffee daran beteiligt ist.

Danach fuhr der alte Mann ins Büro, und als es dann endlich Zeit für den morgendlichen Kontrollgang war, ging Frauchen mit mir los. Montags gibt es dabei regelmäßig kleinere Meinungsverschiedenheiten über die angemessene Geschwindigkeit. An den wichtigen Stellen muss gründlich geschnüffelt werden. Darüber sind wir uns einig. Dazwischen sehe ich keinen Grund, unnötig Zeit zu verlieren. Wenn der nächste Kontrollpunkt feststeht, kann man dort schließlich auch zügig hinkommen. Frauchen sieht das etwas anders. Besonders dann, wenn ich die Leine straffe und versuche, den Abschnitt bis zur nächsten interessanten Stelle möglichst schnell hinter uns zu bringen. Dann wird gebremst, und ich werde daran erinnert, dass ein gemeinsamer Kontrollgang offenbar bedeutet, dass Frauchen das Tempo mitbestimmen darf.

Bei gefundenem Spielzeug gibt es mit Frauchen klare Regeln. Was ich aufnehme, soll auf Aufforderung sofort übergeben werden. Grundsätzlich ist mir diese Vorschrift bekannt. Montags halte ich sie regelmäßig für diskussionswürdig. Schließlich könnte man so ein Fundstück zunächst noch ein Stück tragen, genauer untersuchen oder wenigstens prüfen, ob Frauchen ihre Aufforderung wirklich ganz genauso gemeint hat. Frauchen meint sie meistens genauso. Dann wird kurz verhandelt und anschließend doch übergeben. An den übrigen Wochentagen funktioniert das meist etwas schneller.

Heute kam noch der Nebel dazu. Über den Feldern war die Welt stellenweise ziemlich klein geworden, und damit änderten sich offenbar auch die Vorschriften über die Entfernung zu Frauchen. Bei klarer Sicht darf ich mich durchaus ein Stück entfernen. Im Nebel gilt dagegen: Wenn Frauchen mich nicht mehr richtig sehen kann, bin ich zu weit weg. Ich persönlich finde Sichtkontakt etwas überschätzt. Ich weiß schließlich, wo Frauchen ist. Frauchen möchte trotzdem gern wissen, wo ich bin.

Wir konnten diesen Punkt unterwegs nicht abschließend klären. Deshalb musste ich an die Leine.

Nach dem Kontrollgang ging es wieder nach Hause. Frauchen setzte sich im Arbeitszimmer an ihre leuchtenden Vierecke, und damit begann für mich der Sicherheitsdienst. Ich blieb bei ihr und behielt von dort aus im Blick, was sich draußen tat. Bewegungen am Haus wurden überprüft und bei Bedarf gemeldet.

Frauchen war mit der Häufigkeit dieser Meldungen vielleicht nicht immer vollständig einverstanden. Aber wenn sie mit ihren leuchtenden Vierecken beschäftigt ist und der alte Mann im Büro sitzt, muss schließlich jemand zusätzlich aufpassen.

Der alte Mann kam relativ früh zurück. Lange blieb er nicht untätig. Schon bald packte er den Korb mit Wasser für Menschen und Hund, und Leckerlis kamen hinein. Spätestens da war klar, dass noch etwas anstand. Ich beobachtete die Vorbereitungen sehr genau. Das Trailgeschirr blieb liegen. Das war bedauerlich und schränkte die Möglichkeiten erheblich ein. Mantrailing konnte es also nicht sein. Trotzdem werden Wasser und Leckerlis nicht ohne Grund eingepackt, und selbst der alte Mann fährt normalerweise nicht mit einem vollständig ausgestatteten Versorgungskorb einfach nur irgendwohin. Irgendetwas war geplant.

Die Zeit verging, und Frauchen führte immer noch eine ziemlich hitzige Diskussion mit ihrem leuchtenden Viereck. Irgendwann sagte der alte Mann, dann müsse man eben ohne sie fahren. Fast gleichzeitig sagte Frauchen, wir sollten ohne sie fahren. Damit war die Sache beschlossen, obwohl es ein wenig so wirkte, als hätten beide dieselbe Entscheidung unabhängig voneinander getroffen und wollten nun jeweils sicherstellen, dass sie auch wirklich von ihnen stammte. Für mich war vor allem wichtig, dass das Wort „fahren“ gefallen war.

Die Fahrt dauerte etwas länger. Da das Trailgeschirr zu Hause geblieben war, sprach inzwischen einiges für Treibball. Und genau so war es dann auch. Die Trainerin erklärte zuerst, was wir machen sollten. Zum Anfang sollte ich den Ball stupsen. Das machte ich. Wenn die Bezahlung stimmt. Darüber, ob wirklich nach jedem einzelnen Stups bezahlt werden muss, verhandeln wir gerade noch. Der alte Mann scheint der Auffassung zu sein, dass mehrere Stupser zu einem Vorgang zusammengefasst werden können. Ich sehe das anders.

Beim Treibball gibt es noch ein paar Punkte zu klären. Zum Beispiel muss der alte Mann die Reihenfolge seiner Kommandos besser koordinieren. Man hört schon, bei wem hier die größeren Baustellen liegen. Das Schicken zu den markierten Punkten funktioniert inzwischen ziemlich gut. Hinlaufen, Punkt finden, Aufgabe erledigt. Danach soll ich mich noch gerade zum alten Mann ausrichten und hinsetzen. Genau damit ist die Trainerin noch nicht zufrieden. Ich finde ja, es müsste reichen, wenn ich sitze und den Kopf zu ihm drehe. Dann sehe ich ihn schließlich auch. Die Trainerin besteht trotzdem darauf, dass der ganze Hund in die richtige Richtung zeigt. Offenbar gelten beim Treibball strengere Vorschriften für die Ausrichtung als bei einer normalen Unterhaltung.

Insgesamt war das Training wieder viel zu schnell vorbei. Gerade hatte man die Abläufe verstanden, die Bezahlung halbwegs geklärt und die Baustellen des alten Mannes erkannt, da wurde schon wieder zusammengepackt. Wir fuhren nach Hause, und ich suchte mir auf dem Sofa einen Platz mit möglichst viel Körperkontakt.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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