Neue und alte Bekannte

Neue und alte Bekannte

Entlebucher Tagebuch – Dienstag, 29. September 2026. Als der alte Mann und ich zur rechten Zeit für Frauchens Bürotag wach wurden, mussten wir feststellen, dass sie schon auf war. Mir war das ein wenig peinlich. Schließlich gehört es zu meinen Aufgaben, rechtzeitig mitzubekommen, wenn sich jemand aus dem Rudel bewegt. Der alte Mann sah allerdings auch nicht so aus, als hätte er die Sache besser im Griff gehabt.

So konnten wir vom Sofa aus, der alte Mann mit Kaffee in der Hand, nur noch zuschauen, wie sie das Haus verließ. Als er mit dem Kaffee fertig war, konnte der alte Mann früh an seine leuchtenden Vierecke, und ich suchte mir einen bequemen Platz, von dem aus ich das überwachen konnte.

Als der Tag dann beschlossen hatte aufzustehen, konnten wir mit der Morgenrunde starten. Vor dem Haus begann wie üblich die Revierkontrolle. Die wichtigsten Stellen waren noch da, ein paar neue Nachrichten mussten gelesen werden und an einigen Stellen hatte offenbar jemand in der Nacht gearbeitet. Auf dem Weg zu den Feldern war ich der Meinung, dass wir das Tempo ein wenig erhöhen könnten, und zog kurz an der Leine. Der alte Mann war anderer Meinung und blieb dabei ziemlich unnachgiebig. Ich versuchte es noch einmal, nur um sicherzugehen. Er blieb bei seiner Meinung. Ich sah ein, dass diese Diskussion heute zu nichts führen würde, und wir erreichten die Felder in einem Tempo, das der alte Mann offenbar für angemessen hielt.

Kaum konnte der alte Mann das Gebiet überblicken, kam ich von der Leine. Wir hatten gerade begonnen, ein paar Übungen mit dem Ball zu machen, als von hinten ein größerer Hund kam, der so dies und das als Eltern und Großeltern gehabt haben kann.

Er war an der Leine, deshalb rief mich der alte Mann zu sich und hatte mich gerade angeleint, als sein Mensch von Weitem fragte, ob er ihn losmachen könne. Kurz darauf war ich wieder frei.

Ich musterte den Kerl erst einmal ordentlich, dann kam er ziemlich schnell näher. Nett war er ja, aber von „ich nähere mich im Bogen“ hatte er wohl nur vom Hörensagen etwas mitbekommen. Bei den Rennspielen hatte er das Konzept ebenfalls noch nicht völlig begriffen.

Er lief mir nach, ich stoppte und drehte um. Er stoppte ebenfalls und glotzte mich an, aber das war es dann schon. Gut, bin ich eben wieder losgelaufen. War ohnehin sinnvoller, lieber im lockeren Trab wegzulaufen, als so zu tun, als müsste man sich anstrengen, ihn einzuholen.

Ich machte einen großen Bogen, sammelte dabei noch den Ball ein, der auf der Wiese liegen geblieben war, und spielte dann ein wenig mit dem Abstand zu ihm.

Irgendwann wollten die Männer in unterschiedliche Richtungen und sein Herrchen rief: „Sammi!“ Immerhin wusste ich jetzt, wie der Kerl hieß. Sammi wusste dagegen offenbar noch nicht, dass er gemeint war.

Ich hätte ihm ja erklären können, dass das Spiel wohl zu Ende ist. Da er mir aber nicht auf die Pelle rückte, sah ich das nicht als meine Aufgabe an. Am Ende rief der alte Mann mich zu sich, Sammi konnte angeleint werden und ich ging mit dem alten Mann nach Hause.

Die Sonne meinte es inzwischen fast ein bisschen zu gut mit uns, deshalb verbrachten wir den Rest des Tages bei den leuchtenden Vierecken. Der alte Mann tat wichtig und ich bewachte ihn.

Gegen Abend, nachdem Frauchen wieder zurück war, ging sie noch einmal mit mir raus. Es war immer noch ziemlich warm, also zog ich sie in die kleine Schafrunde. Man sollte so eine Sonnenexkursion schließlich nicht übertreiben.

Auf diese Weise traf ich noch das ungleiche Paar aus Hirtenschutzhund und Dackel, die an der Runde wohnen. Wie üblich begrüßten wir uns durch den Zaun und bestätigten das gegenseitige positive Interesse aneinander.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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