Heute Morgen konnten wir feststellen, dass die Vögel nicht mit uns verreist waren. Zu Hause wecken sie uns jeden Morgen mit ihrem Konzert. Hier blieb es dagegen erstaunlich still.

Der alte Mann wurde zwar zur rechten Zeit wach, aber Frauchen meinte, heute müssten wir noch nicht so früh aufstehen. Da die erste Morgenrunde hier an der Ersatzhöhle ohnehin noch vor dem ersten Kaffee des alten Mannes stattfand, konnte ein paar Minuten länger liegenbleiben wohl niemandem schaden.

Wir machten eine kleine Runde durch die Gegend und ich nahm erst einmal das Revier genau auf. So konnte ich mir merken, wie alles aussah, um in den nächsten Tagen jede Veränderung zu bemerken.

Dann gab es Frühstück. Meins bekam ich noch in der Ersatzhöhle, die Menschen gingen dafür ins Restaurant. Dort trafen wir den Collie von gestern Abend wieder, und diesmal konnten wir uns in aller Ruhe richtig kennenlernen.

Anschließend wurden die Sachen gepackt und wir trafen uns für die erste Arbeitsaufgabe auf einem Parkplatz. Die Menschen schickten die Autos schlafen und deckten sie sogar noch zu. Ich wusste erst nicht, warum, aber bei der Hitze hatte das offenbar seinen Sinn. In den Autos blieb es deutlich kühler.

Als Erstes machte Linda eine Vorstellungsrunde, damit die Hunde sich kennenlernen konnten. Dass ein arbeitsorientierter Entlebucher so etwas für leicht überbewertet hält, tat ich dann auch ausgiebig kund.

In der ersten Übung an diesem Tag ging es vor allem um den Abgang, also um den Teil der Suche, in dem der Mensch noch die Kontrolle hat. Eigentlich wurde also Frauchen trainiert und nicht ich. Ich glaube, im Großen und Ganzen hat sie ihre Aufgabe ganz ordentlich gemacht. Bei der anschließenden Suche lieferte ich natürlich eine saubere Arbeit ab. Frauchen muss allerdings noch etwas an ihrer Leinenhaltung arbeiten und lernen, mir dabei nicht so oft im Weg zu stehen.

Die meiste Zeit des restlichen Vormittags verbrachte ich dann mit Warten. Das gehört bei so einem Training eben auch dazu, schließlich mussten alle Menschen einmal arbeiten. Einmal ging Frauchen mit den anderen mit. Das gefiel mir überhaupt nicht. Ich war der Meinung, dass jemand auf sie aufpassen musste, und das wäre nun einmal meine Aufgabe gewesen. Der alte Mann sah das anders. Er bestand darauf, dass ich ihrer Spur jetzt nicht folgen durfte. Also blieb ich bei ihm. Natürlich hörte ich auf ihn, erklärte ihm aber sehr ausführlich, dass ich seine Entscheidung für ausgesprochen fragwürdig hielt.

Später wechselten wir den Standort und dann war ich noch einmal mit der Suche an der Reihe. Der alte Mann sah inzwischen schon etwas müde aus. Ich dagegen war noch hoch motiviert. Diese unterschiedliche Ausgangslage erklärt wohl meinen kleinen Frühstart, der allerdings sofort korrigiert wurde. Danach arbeitete ich wieder so, wie man es von einem Entlebucher erwarten darf – konzentriert und hoch professionell.

Kaum hatte ich angefangen, hatte ich die Versteckperson auch schon lokalisiert. Ich wollte gerade darauf hinweisen, dass ich trotz der Hitze durchaus eine etwas größere Herausforderung erwartet hätte, da sprang mein Ziel plötzlich auf und lief laut schreiend davon. Ich stutzte. Zurecht, wie ich finde. Regeltechnisch bewegte sich das jedenfalls sehr nah an der Grenze des Erlaubten.

Ich schaute den alten Mann an. Wirklich hilfreich war er in diesem Moment nicht, denn er motivierte mich nur, hinterherzurennen. Für einen Entlebucher ist das gar nicht so einfach. Schließlich gibt es in so einer Situation einiges abzuwägen. Für einen Lauf trug ich eindeutig die falsche Ausrüstung, darauf wies ich zumindest pro forma hin. Dann war da noch Frauchen. Dass sie nicht so schnell ist wie wir, ist schließlich bekannt. Aber in so einem Moment stellt sich schon die Frage, ob man sie für kurze Zeit zurücklassen darf. Die Antwort kennt jeder Entlebucher: Wir lassen niemanden zurück.

Als Drittes kam noch dazu, dass die Versteckperson nicht allein unterwegs gewesen war. Ich hatte die ganze Zeit noch eine zweite Spur in der Nase, und die war schließlich immer noch da. Bevor ich der flüchtenden Versteckperson nachsetzte, hielt ich eine kurze Kontrolle der Zweiten für durchaus notwendig. Beim zweiten Mal ließ ich der Versteckperson so einen Fluchtversuch jedenfalls nicht noch einmal durchgehen. Am Ende waren alle höchst zufrieden mit dem Ergebnis. Ich auch. Aber damit hatte ich meine Arbeit für heute erledigt.

Das abschließende Abendessen unter den Bäumen verlief aus meiner Sicht erfreulich geordnet. Nur einmal musste ich den alten Mann darauf aufmerksam machen, dass sich von hinten jemand näherte. Er hatte das natürlich nicht gesehen. Dafür hat er schließlich mich.

Ein guter Tag für eine Entlebucher, eure Eira


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