Entlebucher Tagebuch – 03. Oktober 2026. Zur Bürozeit von Frauchen blieb heute alles ruhig, ich machte noch einmal die Augen zu. Als dann auch die Bürozeit vom alten Mann längst begonnen hatte, schliefen immer noch beide. Selbst die kleinen leuchtenden Vierecke hatten heute offenbar keine Lust herumzuschreien. Ich begann, die beiden zu beobachten. Sie schliefen tief und fest und hatten wohl beschlossen, dass der Tag noch ein bisschen auf sie warten konnte. Ich kann lange beobachten. Immerhin gehört Hüten zu meinen beruflichen Qualifikationen.

Als meine innere Schweizer Präzisionsuhr allerdings meldete, dass bis zum Frühstück nur noch ein alter-Mann-Kaffee übrig war, musste ich dann doch vorsichtig darauf hinweisen, dass der Tag bereits begonnen hatte.

Also Entlebucher-vorsichtig.

Der alte Mann wusste meine Umsicht nicht zu würdigen, stand aber trotzdem auf und holte sich, wie zu erwarten, einen Kaffee, um den Tag zu beginnen. Dass trotz meines Einsatzes das Frühstück erst verspätet kam, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

Die Morgenrunde begann dann immerhin pünktlich, und ich konnte die üblichen Überprüfungen anstellen. Erst die bekannten Stellen an den Häusern, dann die Hecken und Mauern, an denen über Nacht zuverlässig neue Nachrichten hinterlassen werden. Manche davon verdienen nur eine kurze Kenntnisnahme, andere eine etwas gründlichere Prüfung. Auch an den Einfahrten und Gartenzäunen musste kontrolliert werden, ob sich bei den Nachbarhunden etwas getan hatte. Danach ging es weiter Richtung Felder, mit den üblichen Zwischenstopps an Laternen, Wegkanten und den besonders ergiebigen Grasbüscheln. Der alte Mann wartete meistens geduldig.

Meistens.

Als wir an die Feldwegkreuzung kamen, wollte er nicht weiter auf die Felder, sondern nur die kurze Runde machen. Das kann sowohl ein gutes als auch ein schlechtes Zeichen sein. In diesem Fall sah man weiter hinten auf der Wiese schon den Anfang der Samstags-Morgen-Hundetreff-Runde. Zu dieser Veranstaltung haben der alte Mann und ich ein gespaltenes Verhältnis. Wir mögen die meisten Hunde und Menschen, die sich dort treffen. Nur eben nicht unbedingt alle gleichzeitig.

Wir wären einfach an ihnen vorbeigegangen, wenn Pako mich nicht entdeckt hätte. Pako sah das mit dem Vorbeigehen anders und beschloss, uns zu begrüßen. Da man uns von oben inzwischen nicht mehr sehen konnte, begann dort großes Gerufe. Das änderte nichts daran, dass Pako und ich uns erst einmal begrüßten. Wobei Pako ein Retriever ist. Da muss man das vielleicht noch einmal anders bewerten, wenn er auf Rufen nicht reagiert.

Schmelz.

Und als ich dann schon einmal halb in diese Richtung unterwegs war, konnte ich gleich noch die Collies begrüßen.

Der alte Mann rief mich zur Ordnung. Nicht böse, nur konsequent. Den Menschen sagte er im Weggehen etwas von einem Trail-Termin. Das Wort kenne ich.

Damit war klar: Die kurze Runde bedeutete etwas Gutes.

Als wir wieder zu Hause waren, wurden die Sachen gepackt: Trailgeschirr und Leine, Belohnungen, Geruchstüten und Wasser. Dann ging es auch schon fast los. Auf dem Parkplatz waren Marita, die Trainerin, und das andere Hund-Mensch-Team bereits da. Es konnte also gleich losgehen. Der andere Hund durfte anfangen. Er bekam zwei kurze Trails und machte das dafür, dass es erst sein zweites Mal war, ziemlich gut. Das ist beim Mantrailing oft so. Das größere Problem sitzt meistens am anderen Ende der Leine. Und selbst meine Menschen machen dort bis heute nicht immer die überzeugendste Figur.

Dann war ich an der Reihe. Zuerst mit Frauchen. Hinsetzen, Geruch aufnehmen, umschnallen und los. Ich bekam eine deutlich längere Strecke und fand die Versteckperson trotzdem zielsicher. Frauchen machte dabei das meiste richtig und stand mir fast überhaupt nicht im Weg.

Bei der zweiten Runde war der alte Mann dran. Er war mir heute deutlich zu langsam, was erst einmal zu einer Diskussion und damit zu einer weiteren Verzögerung führte. Später bog ich einmal in die falsche Straße ab. Erst lief ich weiter, dann wurde ich langsamer, nahm den Kopf hoch und prüfte noch einmal. Der alte Mann durfte entsprechend ein Stück zurücklaufen. Danach ging es mit deutlich mehr Elan weiter. Die Versteckperson war schnell gefunden, die Belohnung ebenso schnell verschwunden.

Dann musste ich warten, denn der Neue durfte noch zwei kurze Strecken machen. Auch die bekam er gut hin. Für einen Anfänger konnte man wirklich nicht meckern. Über das andere Ende der Leine sage ich vorsichtshalber nichts.

Danach ging es wieder nach Hause. Dort waren sich ausnahmsweise alle sofort einig, dass jetzt Mittagsruhe angebracht war. Die fiel dann etwas großzügiger aus und zog sich praktisch bis zum Abend. Für die Abendrunde ließen wir es entsprechend ruhig angehen. Einmal um den Bahnhof, ein bisschen schauen, ein bisschen schnüffeln, keine größeren Vorgänge.

Danach ging es aufs Sofa. Frauchen, der alte Mann und ich. Eng genug, dass ordentlich gekuschelt werden konnte.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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