Entlebucher Tagebuch – Samstag, 26. September und Sonntag, 27. September. Fast wäre ich ja gestern Morgen beleidigt gewesen. Pflichtbewusst wecke ich die beiden zur Bürozeit des alten Mannes und werde dafür angemault. Was soll das heißen, es ist Wochenende? Ein Entlebucher ist 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche im Dienst.
Nach einem ausgiebigen Sofa-Kaffee für den alten Mann wurde ich dann mit einer ausgiebigen Morgenrunde versöhnt. Vor dem Haus musste zuerst geprüft werden, wer in der Nacht unterwegs gewesen war. An den üblichen Stellen waren neue Nachrichten hinterlassen worden, an manchen Ecken roch es anders als am Abend zuvor und ein paar Spuren verlangten eine etwas genauere Untersuchung. Der alte Mann kennt das inzwischen und wartet meistens, während ich meine Nase dort hineinstecke, wo sich seiner Meinung nach überhaupt nichts Interessantes befindet.
Weiter ging es an den Häusern vorbei, mit einem kurzen Blick in die Einfahrten und der Kontrolle der Stellen, an denen man gelegentlich Hunde trifft. Niemand da. Wir konnten Richtung Felder weiterziehen. Dort wird aus der Revierkontrolle langsam eine richtige Morgenrunde. Die Häuser bleiben zurück, die Leine wird länger und vor mir liegen Wiesen, Wege und jede Menge Möglichkeiten, nachzusehen, was sich seit gestern verändert hat.
Gleich am Anfang der Felder hatte sich auf einer Wiese ein kleines Grüppchen aus Menschen und Hunden gebildet. Die Collies waren da, Nala und – schmelz – Pako. Ich rannte hin, begrüßte erst einmal alle höflich und dann konnten Pako und ich ein paar ordentliche Spurts über die Wiese machen.
Der alte Mann musste sich derweil anhören, dass die „Goldies“ auch noch kommen würden. Er winkte ab. Man sah ihm schon an, dass ihm jetzt bereits zu viele Menschen auf einem Haufen standen. Und ich muss gestehen, so langsam fand ich es ebenfalls grenzwertig. Die ersten Überlegungen, wie man etwas Ordnung in die Sache bringen könnte, hatte ich jedenfalls schon im Kopf.
Darum war ich sofort einverstanden, als wir weitergingen. Ein letzter Blick zu Pako, dann waren der alte Mann und der Kontrollgang wieder das, was zählte. Unterwegs machten wir ein paar Grundübungen. Nicht, weil ich sie nicht kann. Aber man sollte solche Dinge hin und wieder üben, für den Fall, dass man sie irgendwann wirklich braucht.
Bis zum Mittag hatte ich dann die Hausarbeit der beiden zu überwachen. Das lässt sich von einem bequemen Platz im Wohnzimmer aus recht gut erledigen. Man muss ja nicht überall selbst mitarbeiten. Nach der Mittagsruhe fuhren wir zu dritt zu den Sieben Eichen. Im Wald suchte sich der alte Mann ein paar liegende Stämme und übte mit mir darauf das gemeinsame Vor- und Zurückgehen. Das klappte ganz ordentlich, dann durfte Frauchen ebenfalls ran.
Das Balancieren ging bei ihr eigentlich. Nur beim Aufsteigen auf den Stamm besteht noch Übungsbedarf. Ich will da nicht kleinlich sein, aber wenn wir schon gemeinsam trainieren, sollte jeder wissen, woran er noch arbeiten muss.
Am Abend wurden dann Dinge gemacht, die nichts Gutes bedeuten. Sachen wurden beiseitegeräumt, die Kamera aufgestellt und ein Kong gefüllt. Ich kenne diese Vorbereitungen.
Ich hatte ja gedacht, nachdem die beiden jetzt wochenlang nicht mehr fort waren, das mit dem Tanzen hätte sich erledigt. Wie sich herausstellte, war das ein Irrtum. Es geht wieder los.
Die beiden gehen fort und ich muss für die Sicherheit des Hauses sorgen.
Ich nahm meinen Platz vor der Tür ein und verließ ihn nur ein paarmal für einen Kontrollgang zu den Katzen. Der Abend blieb ruhig und so konnten wir, nachdem die beiden wieder zurück waren und ich noch einen letzten kurzen Kontrollgang vor dem Haus gemacht hatte, ins Bett gehen.
Natürlich beanspruchte ich den Platz zwischen den beiden. Der alte Mann hatte allerdings andere Pläne und so lag ich ziemlich schnell wieder bei seinen Füßen.
Der Sonntag brachte dann die üblichen Revierrunden. Ich habe kontrolliert, was sich über Nacht verändert hatte, die wichtigen Stellen überprüft und dafür gesorgt, dass mir nichts entgeht. Es gab nur nichts, worüber es sich zu berichten lohnt. Das kommt vor. Selbst in einem ordentlich geführten Revier.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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