Entlebucher Tagebuch – Montag, 06. Juli 2026. Heute Morgen hat der alte Mann seinen Kaffee mit Fee getrunken. Ich bin noch bei Frauchen im Schlafzimmer geblieben. Nach der Reise zu Frauchens Mutter war ich einfach noch nicht wieder im Rhythmus.

Der alte Mann soll sich daraus aber keine Gewohnheit machen. An seinen Bürotagen gehört der Morgen eigentlich anders. Heute war eine Ausnahme. Mehr nicht.

Als der alte Mann dann aus dem Haus war, machten Frauchen und ich die große Schafrunde. Die heißt so, weil wir dabei an der großen Schafwiese vorbeikommen. Entlebucher geben ihren Runden schließlich vernünftige Namen.

Die Runde wurde selbstverständlich von mir geführt. Frauchen lief zwar vorneweg, aber ich habe darauf geachtet, dass niemand unbemerkt aus einer Hecke kam, keine verdächtigen Gerüche übersehen wurden und der Weg ordnungsgemäß kontrolliert war. So macht das ein Entlebucher.

Irgendwann warf Frauchen einen Ball. Ich fand, dass ich ihn zunächst einfach tragen konnte. Das schien mir eine vernünftige Lösung zu sein. Als dann allerdings ein Vogel meine Aufmerksamkeit auf sich zog, wollte Frauchen plötzlich den Ball zurück. Erst den Ball abgeben, dann den Kontrollgang fortsetzen. Menschen haben manchmal eine merkwürdige Reihenfolge ihrer Prioritäten.

Die Runde wurde ordnungsgemäß und ohne besondere Vorkommnisse abgeschlossen. Anschließend begleitete ich Frauchen bei ihrer Arbeit und beobachtete sie dabei, wie sie stundenlang auf ihre leuchtenden Rechtecke starrte. Menschen scheinen das für eine sinnvolle Beschäftigung zu halten. Ich habe derweil die Umgebung im Blick behalten.

Später kam der alte Mann wieder nach Hause. Dann fuhren wir zu dritt zu dem kleinen eingezäunten Platz, der nach ganz vielen Hunden riecht. Menschen nennen so etwas Hundeplatz. Für mich ist es einfach der Ort, an dem ständig neue Gerüche auftauchen und man trotzdem arbeiten soll.

Wir waren allerdings etwas zu früh. Der Platz war noch besetzt. Also machten wir noch einen kleinen Abstecher zu einem Bach ganz in der Nähe. Ich konnte ein bisschen durchs Wasser laufen, neue Gerüche einsammeln und feststellen, dass auch dort alles in Ordnung war. Anschließend gingen wir zurück zum Hundeplatz.

Dort übten wir wieder die Grundlagen für meine neue Beschäftigung. Es ging um „vor, vor, vor …“, um „Stups“ und dann kam noch etwas Neues dazu.

Der alte Mann führte mich zu einem der bunten Punkte. Dort sollte ich mich hinsetzen, ihn anschauen und dabei ganz gerade sitzen. Das klang einfacher, als es war. Zum einen war ich heute ohnehin nicht besonders konzentriert und hatte noch viele andere Dinge im Blick. Zum anderen machte der alte Mann plötzlich Armbewegungen, die so gar nicht zu seinem normalen Verhalten passten.

Als Entlebucher achtet man auf solche Veränderungen. Wenn sich jemand merkwürdig bewegt, sollte man das zumindest überprüfen. Ich war kurz versucht, das zu unterbinden. Mehr als ein kleiner Sprung war dann aber doch nicht nötig. Der alte Mann schien das alles absichtlich zu machen.

Die Trainerin hatte dann noch eine Idee, bei der der alte Mann nicht ständig mit den Armen herumfuchteln muss. Das sollen wir jetzt erst einmal in Ruhe üben.

Ich glaube, das passt besser zu ihm. Wenn der alte Mann sich normal verhält, fällt es mir auch leichter, mich auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren. Für einen Entlebucher ist es schließlich wichtig, dass im Rudel jeder seine Rolle ordentlich ausfüllt.

Danach fuhren wir nach Hause. Für heute war die Arbeit erledigt. Nach dem Abendessen wurde es ruhig im Rudel und ich ließ den Tag mit ein paar ausgiebigen Krauleinheiten auf dem Sofa ausklingen.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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