Entlebucher Tagebuch – Sonntag, 30. August 2026. Die Nacht in der Ersatzhöhle war ruhig. Heute konnte ich beobachten, wie die Sonne den alten Mann geweckt hat. Seinen Kaffee will er zum Wachwerden natürlich auch hier am Chiemsee haben. Wobei er behauptet, dass es hier noch keinen richtigen gibt. Ich weiß nicht, was an Kaffee so schwierig sein soll. Er riecht jedenfalls überall nach Kaffee.
Als wir dann alle wach waren – ich schon lange, die Menschen eher langsam –, begannen wir mit der ersten ordentlichen Revierkontrolle. Zu dritt machten wir uns auf den Weg über die Felder und durch die Wälder.
Das Gras war noch herrlich feucht, fast nass von der Nacht. Bei uns hatte es so etwas schon lange nicht mehr gegeben. Ich konnte gar nicht anders als zu rennen. Durch das nasse Gras, über die Felder und wieder zurück zu den Menschen. Einfach herrlich.
Am Waldrand wurde es dann wieder gründlicher. Ich blieb stehen, schnupperte in den Wind und nahm die Gerüche auf. Hund. Reh. Mensch. Einige frisch, andere schon älter. Ich arbeitete mich Stück für Stück voran.
Der alte Mann hatte ein neues Lederspielzeug besorgt. Es ließ sich gut werfen und hatte genug Seile zum Zergeln. Das wurde unterwegs gleich eingeweiht. Er warf. Ich rannte los, schnappte es mir und brachte es zurück. Dann zergelten wir eine Weile, bevor es wieder durch die Luft flog.
Als wir tiefer in den Wald kamen, musste ich an die Schleppleine. Frauchen sagte, die Leute hier wollten das so. Es gibt eine Regel. Ich fand das überflüssig. Aber Frauchen blieb dabei. Also lief ich an der langen Leine weiter und konnte mich trotzdem um den Wegesrand kümmern.
Die Runde schlossen wir mit einem Besuch am See ab. Die Menschen meinten, der See hätte gar nicht so viel Wasser. Ich fand, es war mehr als genug da. Das musste ich mir genauer ansehen.
Ich suchte mir dafür eine etwas schlammige Stelle aus.
Ich fand das nicht weiter schlimm. Die beiden Menschen waren anderer Meinung. Sie waren sich sofort einig, dass ich vor dem Frühstück noch unter die Dusche musste. Zumindest einmal ordentlich abbrausen.
Ich finde, sie übertreiben.
Nach dem Frühstück hatten die beiden dann offenbar eine vernünftige Entlebucherlogik verstanden und gingen in den Ruhemodus.
Die Menschen suchten sich sonnige Plätzchen zum Lesen. Ich übernahm derweil den Sicherheitsdienst rund um unser Häuschen. Den Weg direkt daran vorbei nahm ich selbstverständlich gleich mit. Schließlich kann man nie wissen, wer dort unterwegs ist.
Mehrfach wurde mir mitgeteilt, dass dieser Weg nicht zu meinem Aufgabengebiet gehöre. Ich wäge das noch ab.
Nach dem Abendessen, als die Sonne langsam müde wurde, brachen wir noch einmal zu einer Feld- und Waldrunde auf.
Ich lief sauber an den anderen Hunden vorbei. Die Menschen, die heute Vormittag noch zusammengezuckt waren, als ich erklärt hatte, dass ich den Sicherheitsdienst für unsere Hütte übernommen hatte, lächelten jetzt, als sie uns wieder sahen.
Auf den Feldern startete ich noch einmal mit großen, schnellen Runden.
Im Wald bogen wir diesmal in die andere Richtung ab. Hier roch es nach so vielen neuen Dingen. Ich nahm mir Zeit für jeden einzelnen Geruch. Mal ging die Nase tief zum Boden, mal hob ich den Kopf und prüfte die Luft. Es gab hier wirklich viel zu entdecken.
Der alte Mann ließ mir die Zeit, die ich brauchte, und auch Frauchen drängelte nicht.
Dann wurde es etwas unheimlich. Der Waldboden begann sich zu verändern. Meine Pfoten sanken ein wenig ein, und bei jedem Schritt fühlte sich der Boden anders an. So etwas kenne ich von zu Hause gar nicht.
Ich war erst vorsichtig. Aber schon nach ein paar Metern fand ich es sehr angenehm. Und auch die Gerüche waren wieder ganz besonders.
Dann ging es über die Wiesen zurück. Kurz bevor wir wieder auf den Ausgangsweg gekommen wären, lag ein Graben vor uns. Eigentlich sogar zwei, sodass es keine Möglichkeit zum Umgehen gab.
Ich bin mit dem alten Mann einfach rübergehüpft. Frauchen war allerdings der Meinung, dass man das nicht so einfach machen könnte. Mit der Hilfe vom alten Mann ging es dann doch.
Ich fand, ich hatte trotzdem noch etwas zu erledigen. Also nahm ich die Leine zwischen die Zähne und machte dem alten Mann sehr deutlich, was ich von seiner Wegeplanung hielt.
Kurze Zeit später waren wir wieder zu Hause, müde und bereit, den Tag auf dem Sofa ausklingen zu lassen.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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