Zwei mal verschlafen

Zwei mal verschlafen

Entlebucher Tagebuch – Sonntag, 20. September 2026. Ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll. Da geht der alte Mann jeden Abend zu Fee, um meine Geschichte zu Papier zu bringen. Allein das ist ja schon verdächtig. Sich bei einer Katze Rat für ein Hundetagebuch zu holen, ist schließlich nicht gerade die naheliegendste Lösung. Aber gut, ich beobachte das und mische mich nicht ein. Gestern ist er dabei doch glatt eingeschlafen. Einfach so. Und anschließend meint er, es sei ja eigentlich gar nichts wirklich Aufregendes passiert. Das ist doch völlig egal. Eine ordentliche Revierkontrolle gehört dokumentiert, selbst wenn man dabei kein frisch eingewandertes Wolfsrudel entdeckt, keinen Einbrecher stellt und sonst nichts passiert, was für Menschen besonders erwähnenswert wäre. Also ist hiermit offiziell bestätigt, dass gestern alle Reviergänge ordnungsgemäß und ohne besondere Vorkommnisse durchgeführt wurden. Vielleicht war der alte Mann aber einfach etwas verwirrt, weil Frauchen den ganzen Tag in der Tierfiguren-Turnschule war. Was immer das auch sein mag.

Heute ist Frauchen dann schon sehr früh aufgestanden. Der alte Mann hat einfach weitergeschlafen. Ich habe ihn eine Weile beobachtet, aber es kam keine Reaktion. Da steht ein Rudelmitglied auf und er liegt einfach weiter. Nichts. Gar nichts. Ich habe ihm Zeit gegeben, seinen Fehler selbst zu bemerken und zu korrigieren. Als er danach immer noch keine Anstalten machte, aufzustehen, habe ich ihn geweckt. Manchmal muss man Menschen eben ein wenig unterstützen.

Frauchen hatte heute noch einmal Tierfiguren-Turnschule, deshalb sind der alte Mann und ich allein zur morgendlichen Revierkontrolle aufgebrochen. Rund um die Häuser roch es noch nach der Nacht. Auf dem Weg war eine Stelle dabei, an der ein fremder Hund gewesen sein musste, und weiter unten kamen die Gerüche vom Feld dazu. Auch bei den Wildtieren hatte sich etwas getan. Nicht viel, aber genug, dass ich an mehreren Stellen stehen bleiben und genauer riechen musste.

Der alte Mann lief hinter mir her und wartete geduldig, wenn ich wieder einmal länger an einer Stelle schnupperte. Nach und nach wurden die Häuser weniger und wir kamen hinaus auf die Felder.

Dort konnte man es dann fühlen. Früh am Morgen riecht die Luft jetzt anders, feuchter, schwerer. Es zeigt sich, der Herbst kommt. Und damit beginnt auch wieder die Zeit, in der man rennen kann, ohne an die Hitze des Tages denken zu müssen.

Also tat ich es. Ich rannte. Erst einen Kreis, dann einen größeren, immer weiter hinaus, so weit, dass der alte Mann mich noch sehen konnte. Die kühle Luft, die feuchte Wiese unter den Pfoten und endlich wieder Platz, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Es war herrlich.

Als meine Beine irgendwann schwerer wurden, lächelte der alte Mann. Er schien zufrieden damit, dass ich mich mal wieder richtig auslaufen konnte. Jetzt, fand er, war die Zeit gekommen, auch noch den Kopf zu fordern. Also machten wir ein paar Suchspiele. Erst rennen, dann suchen. Damit konnte ich gut leben.

Wieder zu Hause war ich ziemlich müde. Nach dem Frühstück habe ich mich erst einmal hingelegt und ein Nickerchen gemacht.

Den Rest des Tages haben wir mit den üblichen Wochenendarbeiten verbracht. Der alte Mann hat gearbeitet und ich habe kontrolliert. Einer muss schließlich darauf achten, dass die Dinge ordentlich erledigt werden.

Als Frauchen am Abend wieder da war, sind der alte Mann und ich noch zu den Sieben Eichen gefahren. Dort lag ein Hund mit Maulkorb. Er blieb ruhig liegen, als wir vorbeikamen, hob nur kurz den Kopf und zeigte keine Anspannung. Ich blieb ebenfalls ruhig und wir gingen aneinander vorbei. So kann das gerne sein.

Danach hat der alte Mann mit mir wieder ein wenig das gemeinsame Gehen über Baumstämme geübt. Ich glaube, er findet das ziemlich gut. Ich finde es jedenfalls interessant genug, um mitzumachen.

Zu Hause hat der alte Mann dann heute seine Pflicht mit dem Schreiben wieder aufgenommen. Das war auch nötig. Später konnten wir noch mit Frauchen auf dem Sofa kuscheln.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira


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