Entlebucher Tagebuch – Samstag, 22. August 2026. Heute Morgen schliefen wir alle ein bisschen länger und begannen den Tag gemütlich auf dem Sofa. Der alte Mann mit seinem Kaffee, Frauchen mit ihrem Tee und ich mit der ersten Kontrolle. Man muss ja wissen, ob über Nacht noch alles da ist, wo es hingehört. Es war trotzdem noch so frisch, dass der alte Mann einen Pulli überzog. Frauchen behauptet manchmal, der sei schon ungefähr so alt wie der alte Mann selbst. Wenn sie so etwas sagt, tut er immer so, als wüsste er nicht, wovon sie redet. Menschen haben schon seltsame Rituale.

Die Runde begann dann mit den routinierten Kontrollen. Was hat sich verändert? Wer war unterwegs? Welche Gerüche sind neu und sind die bekannten Stellen noch so, wie sie sein sollen? Vieles war wie immer, und das ist bei einer Kontrolle eigentlich ein ziemlich gutes Ergebnis. An der schönen, flachen Wiese packte der alte Mann den Ball aus und ließ mich suchen. Das mit dem Warten, bis ich endlich los darf, ist allerdings immer so eine Sache. Ich weiß, dass der Ball da ist. Der alte Mann weiß, dass ich weiß, dass der Ball da ist. Und trotzdem soll ich warten. Das ist ungefähr so, als würde man einem Menschen den Kaffee hinstellen und sagen: „Du darfst ihn gleich trinken.“ Man kann warten. Man muss ja. Aber warum eigentlich?

Als meine erste Drangphase vorbei war, machten wir noch ein paar Treibballübungen. Das klappt bei mir besser, wenn vorher schon ein bisschen etwas passiert ist. Dann ist die erste Energie weg und ich kann mich besser auf die Aufgabe konzentrieren. Zu viel darf es aber auch nicht sein. Irgendwann ist nämlich auch ein Entlebucher mit seiner Konzentration fertig. Danach liefen wir weiter. Der alte Mann genoss die Aussicht und die frische Luft, während ich mich um das Revier kümmerte. Als wir uns an den Abstieg von den Feldern machten, kam uns Rosa entgegen. Rosa ist eine Freundin der ersten Stunde, aber wir hatten uns lange nicht gesehen. Deshalb blieben wir beide erst einmal stehen. Wir schauten uns an. Und schauten. Und schauten noch ein bisschen. Dann machte es klick und das Spiel begann. Nicht besonders lange, denn ich hatte an diesem Morgen ja schon einiges geleistet. Nach einer guten Revierkontrolle darf ein Entlebucher seinen Sicherheitsdienst schließlich auch einmal aus einer entspannten Position betreiben. Man muss nicht ständig auf den Pfoten stehen, um aufmerksam zu sein. Ein paar Minuten geschlossene Augen ändern daran nichts.

Nach der Mittagsruhe lag der alte Mann heute im Bett im Katzenzimmer, während Frauchen und ich es uns auf dem Sofa gemütlich gemacht hatten. Danach hatte Frauchen Lust auf eine ordentliche Runde mit den Stöcken, und diesmal machten wir uns zu dritt auf den Weg. Trotz ihrer Stöcke musste sich der alte Mann unterwegs Sätze anhören wie: „Was ihr wieder langsam nennt.“ Dabei hatte er vorher zu mir gesagt: „Stopp an der Straße.“ Das habe ich gemacht. Dann kam: „Jetzt langsam rüber.“ Also gingen wir langsam. Was daran nun wieder nicht langsam genug gewesen sein soll, habe ich nicht verstanden. Dann kam noch: „Wieso werdet ihr bergauf nicht langsamer?“ Auch diese Frage war mir etwas rätselhaft. Warum sollte man bergauf langsamer werden? Ich glaube, Frauchen sagt solche Sachen einfach gerne. Eigentlich war sie nämlich genauso schnell unterwegs wie wir. Vielleicht lag es auch daran, dass wir die Haldenhofrunde nicht so oft gehen und ich deshalb besonders viel zu überprüfen hatte. Wenn eine Strecke länger nicht kontrolliert wurde, gibt es eben einiges nachzuholen.

Die Runde führte uns auch am großen Gieß vorbei. Viel Wasser war dort nicht mehr und an einigen Stellen sah es ziemlich trüb aus. Deshalb sollte ich lieber ein Stück weiter oben aus der Steinach trinken. Das habe ich dann auch getan. Das Wasser sah jedenfalls deutlich besser aus. Als wir wieder zu Hause ankamen, waren wir uns alle einig, dass es eine gute Runde gewesen war. Frauchen und der alte Mann verschwanden danach noch eine Weile im Keller. Als sie wieder hochkamen, waren sie schweißnass, dampften regelrecht und hatten teilweise ziemlich rote Haut. Das musste natürlich sofort untersucht und kommentiert werden. Bei ungewöhnlichen Zuständen im eigenen Haushalt schaut man schließlich nicht einfach weg. Offenbar hatten die beiden sich freiwillig großer Hitze ausgesetzt. Das fand ich bemerkenswert. Vor zwei Tagen haben sie noch gejammert, weil die Sonne das völlig kostenlos für sie erledigt hat. Und jetzt bauen sie sich extra ein kleines Holzhaus, in dem sie genau das noch einmal machen können. Menschen sind schon eigenartig. Wenn es draußen heiß ist, suchen sie Schatten. Und wenn es ihnen nicht heiß genug ist, gehen sie freiwillig in ein kleines Holzhaus und machen es dort noch heißer.

Ich habe es zumindest vorgezogen, nach der zweiten ordentlichen Revierkontrolle heute einfach ein wenig auf dem Sofa zu dösen.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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