Entlebucher Tagebuch – Dienstag, 22. September 2026. Heute war wieder so ein Tag, an dem Frauchen Bürotag hatte. Das merkt man bei uns schon sehr früh, denn wenn Frauchen ins Büro muss, klingelt der Wecker zu einer Uhrzeit, zu der ein vernünftiger Entlebucher eigentlich noch nicht über den Tagesablauf nachdenken möchte. Der alte Mann war zwar wach, aber man sah ihm ziemlich deutlich an, dass er mit dieser Uhrzeit nicht einverstanden war. Zum Sofa fand er so früh natürlich kaum. Selbst der Kaffee schien heute erst bei der zweiten Tasse eine Wirkung zu zeigen. Danach ging er dann trotzdem noch ziemlich mürrisch an seine leuchtenden Vierecke.
Da die Tage beschlossen haben, immer später zu beginnen, hat der alte Mann mir heute mein Frühstück etwas früher gegeben und dafür die Morgenrunde auf nach dem Frühstück gelegt. Draußen war es zu dieser Zeit noch dunkel, was inzwischen wohl dazugehört.
Die Morgenrunde begann dann mit der Kontrolle, ob es in der Nacht Veränderungen gegeben hatte. Gleich vor dem Haus entdeckte ich eine verdächtige Markierung und auf dem Gehweg lagen immer wieder Menschenleckerlies, gerade so, als wäre dort jemand mit einer kaputten Tüte entlanggelaufen. Nur dumm, dass der alte Mann ein Auge darauf hatte und überhaupt nicht gewillt war, mich davon kosten zu lassen.
Als wir am Auto der Labradore vorbeikamen, machte ich eine kurze professionelle Kontrolle. Die Spur war schon kalt, also gab es keinen Grund, mit dem alten Mann über Geschwindigkeit zu diskutieren. Auf den Feldern konnte ich dann meine Runden drehen, bis der alte Mann beschloss, einen Dummy zu verstecken. Ich musste absitzen und er ging ins hohe Gras zwischen die Bäume. Nach links, nach rechts, halt so, wie er es immer macht, wenn er meint, mich damit verwirren zu können.
Plötzlich blieb er stehen. Direkt vor ihm steckte ein Rehbock seinen Kopf aus einem Gebüsch. Der alte Mann glotzte überrascht das Reh an, das Reh schaute den alten Mann an und ich beobachtete die beiden, wie sie einfach so dastanden. Bemerkenswert fand ich vor allem, dass das Reh überhaupt keine Anstalten machte wegzulaufen. Nach einer Weile drehte sich der alte Mann um, sagte „Dann halt nicht hier“ und kam wieder zu mir.
Wir gingen weiter und damit der Ausflug trotzdem noch einen vernünftigen Zweck hatte, durfte ich ersatzweise das Spielie tragen. Lange blieb es allerdings nicht bei einem ruhigen Spaziergang. Kaum waren wir unterwegs, tauchten die Collies auf. Benni kam direkt zu mir und schnappte sich das Spielie aus meiner Schnauze. Wir zergelten kurz darum, dann gab es Rennen und anschließend noch einmal Gezergel. Irgendwann sammelte der alte Mann das Spielie ein, bevor ich vielleicht doch noch auf die Idee gekommen wäre, Benni zu erklären, dass es mein Spielie ist.
Nachmittags war Frauchen dann zurück und wir machten die zweite Revierkontrolle zu dritt. Wir übten Sitz auf Entfernung, weil wir das später ins Treibballtraining einbauen wollen. Gegenüber heute Morgen gab es keine meldepflichtigen Veränderungen. Lediglich den schmalen Waldweg sparten wir uns, weil dort einer von den kleinen Kläffern unterwegs war. Wir blieben ruhig und nahmen die Abkürzung über die Wiese.
Später lagen wir noch eine Weile auf dem Sofa. Der alte Mann links, Frauchen rechts und ich quer dazwischen. Nach dem frühen Start war bald Schlafenszeit und jeder suchte seinen Platz im Bett.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira
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