Entlebucher Tagebuch – Mittwoch, 02. September 2026. Heute Morgen war Frauchen schon vor dem alten Mann wach. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen für seine Schulter. Wenn er länger schläft, hat sie ihn vielleicht in der Nacht nicht so sehr geärgert.

Frauchen stand auf und kurz darauf war auch der alte Mann wach. Die beiden machten sich gemeinsam auf den Weg in die Küche, damit der alte Mann erst einmal seinen Morgenkaffee bekommen konnte. Das gehört bei uns zu einem ordentlichen Tagesbeginn.

Ich beobachtete den alten Mann ein wenig genauer als sonst. Er bewegte sich ganz ordentlich, und Frauchen schien damit ebenfalls zufrieden zu sein. Das sah schon einmal gut aus.

Mit genügend Leckerli und dem schwimmfähigen Leuchtturm im Gepäck brachen wir zur Morgenrunde auf.

Morgens gehen wir meistens zum See. Um diese Uhrzeit sind dort kaum Leute unterwegs, die sich an einem Entlebucher auf Revierkontrolle und bei Bedarf im Rettungseinsatz stören könnten.

Ich hatte einiges zu überprüfen. Was hatte sich seit gestern verändert? Welche Gerüche waren neu? Wer war hier unterwegs gewesen? Hatte jemand etwas hinterlassen, das gestern noch nicht da gewesen war? Schon an den ersten Bäumen gab es neue Spuren, und auch am Ufer musste ich gründlich nachsehen. Mal war eine Spur ganz deutlich, mal musste ich mich erst ein wenig hineinarbeiten. Es gab jedenfalls genug zu entdecken.

Nach dem Frühstück verbrachte Frauchen dann eine ganze Weile an ihrem leuchtenden Viereck. Sie hat jetzt wohl die Ruhe, ihr Yogaskript endgültig fertig zu machen.

Ich legte mich in ihre Nähe und behielt sie ein wenig im Auge. Zwischendurch tippte sie auf dem Viereck herum, las etwas, schrieb wieder ein paar Zeilen und sah gelegentlich so konzentriert aus, dass ich lieber nicht dazwischen ging. Das konnte dauern.

Mir sollte es recht sein. Ein ruhiger Sicherheitsdienst hat auch seine angenehmen Seiten. Ich konnte liegen, dösen und trotzdem mitbekommen, wenn sich im Haus etwas bewegte.

Dann brachen wir noch einmal auf. Der alte Mann hatte eine Runde um einen kleinen See ausgesucht.

Die Menschen schauten sich die alten Häuser und das Wasser an. Sie blieben immer mal wieder stehen und betrachteten etwas genauer. Ich hatte andere Schwerpunkte.

Mich interessierten die Bäume, die Büsche und vor allem die Wiesen. Hier gab es so viele neue Gerüche, dass ich kaum wusste, wo ich zuerst anfangen sollte. Pflanzen, Tiere und jede Menge Hunde. Offenbar liefen hier jeden Tag viele Hunde mit ihren Menschen ihre Runden und hinterließen dabei ihre Nachrichten.

Manche waren noch frisch, andere schon älter. Bei einigen wusste ich sofort, wer hier gewesen war. Bei anderen musste ich länger schnuppern und die Informationen ein wenig genauer zusammensetzen.

Für die Menschen war es eine Runde um einen kleinen See. Für mich war es eher das Lesen einer ziemlich umfangreichen täglichen Zeitung.

Als wir wieder zu Hause waren, war ich erst einmal bedient. Schnell noch etwas gegessen und dann musste ich mich hinlegen. Eine ganze Weile schlafen, das war jetzt genau das Richtige.

Dabei war die Strecke gar nicht besonders lang gewesen. Aber die vielen Gerüche, Spuren und Nachrichten machen einen Entlebucher müde. Man kann schließlich nicht an jedem interessanten Baum einfach vorbeilaufen.

Am Abend brachen wir dann noch einmal zu unserer Runde über die Wiesen und durch den Wald auf, die wir inzwischen jeden Tag gegangen waren.

Hier kannte ich mich mittlerweile schon ziemlich gut aus. Ich musste nur noch kontrollieren, ob sich seit dem letzten Mal etwas verändert hatte. Die wichtigen Stellen waren schnell überprüft. Danach konnte ich mich auf die angenehmeren Dinge konzentrieren: laufen, größere Kreise ziehen und immer wieder zu Frauchen zurückkommen.

Zwischendurch musste ich Frauchen noch einmal zeigen, wie locker man über die Gräben springen kann. Ich nahm Anlauf, sprang hinüber und landete leichtfüßig auf der anderen Seite. Ein kurzer Blick zurück zu Frauchen – sie sah wieder skeptisch aus.

Ich lief einfach weiter.

Vielleicht wird sie sich irgendwann daran gewöhnen.

Als wir wieder in unserer Ersatzhöhle waren, freuten sich alle auf den gemütlichen Tagesabschluss auf dem Sofa. Der alte Mann sah müde aus, aber seine Schulter schien ihn heute nicht allzu sehr zu ärgern.

Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.


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