Entlebucher Tagebuch – Dienstag 21. Juli 2026. Heute Morgen war es ungewöhnlich ruhig. Frauchen schlief noch tief und fest, der alte Mann war gar nicht da, und die Katzen hatten ihre Revierkontrolle bereits erledigt und waren längst wieder im Haus. Für einen Entlebucher ist so etwas eine besondere Lage. Eigentlich beginnt der Tag mit Bewegung, Kaffee und den ersten kleinen Aufgaben. Stattdessen herrschte überall Gelassenheit. Also behielt ich Frauchen im Auge und döste zwischendurch immer wieder ein. Es hatte schließlich keinen Sinn, sie zu drängen. Irgendjemand muss schließlich darauf achten, wann die Menschen endlich beschließen, den Dienst aufzunehmen. Als Frauchen schließlich so weit war, war ich selbstverständlich sofort bereit.
So kamen wir heute etwas verspätet zu unserer Kontrollrunde. Das ist im Moment aber nicht weiter wichtig. Die Sonne braucht ohnehin noch eine Weile, bis sie über den Berg schaut, und solange bleibt es angenehm kühl. Es gibt also keinen Grund zur Eile – auch wenn ein Entlebucher seine Kontrollrunde normalerweise lieber pünktlich beginnt. Immerhin waren die Veränderungen der Nacht trotzdem noch gut zu erkennen. Mir entgeht schließlich nichts, was sich im Revier über Nacht getan hat.
Auf den Feldern angekommen, entdeckte ich in einiger Entfernung schon Nala. Heute machte ich es ein wenig anders. Ich legte mich erst einmal ab und beobachtete, wie sie immer näher kam. Erst als der richtige Moment gekommen war, sprang ich auf und lief los – gerade rechtzeitig, damit sie sich ordentlich anstrengen musste, um mit mir mitzuhalten. So gehört sich das schließlich.
Danach ging es eine ganze Weile hin und her über das Feld. Mal jagte ich Nala, mal jagte sie mich. Irgendwann waren unsere Frauchen allerdings der Meinung, dass es nun genug sei und wir eigentlich in verschiedene Richtungen weitergehen sollten.
Als ich mich noch einmal umschaute, lag Nala plötzlich auf dem Boden und fixierte mich ganz aufmerksam. Das konnte ich natürlich nicht einfach so stehen lassen. Also rannte ich wieder auf sie zu. Kurz bevor ich sie erreichte, sprang sie auf und sauste davon. Damit war völlig klar, dass das Spiel noch lange nicht vorbei war, und alles begann von vorn.
Schließlich entschied Frauchen, dass wir doch einfach gemeinsam in dieselbe Richtung gehen könnten. Also zogen wir zu viert weiter über die Felder. Dass die beiden Menschen dabei von Spieldemenz sprachen, fand ich allerdings ziemlich unfair. Wir wussten schließlich ganz genau, was wir taten – wir hatten nur immer wieder einen guten Grund, noch eine letzte Runde zu spielen.
Nach der Mittagsruhe bekamen wir dann Besuch von Ivy und ihrem Frauchen. Ivys Herrchen ist im Moment ebenfalls unterwegs, deshalb hatten unsere Frauchen beschlossen, sich zu treffen. Während die beiden Menschen miteinander plauderten, holten Ivy und ich uns die eine oder andere Streicheleinheit ab. Anschließend machten wir uns gemeinsam auf den Weg Richtung „Großes Gieß“.
Allerdings beschlossen Ivy und ich schon unterwegs, dass die Steinach heute viel spannender war als der eigentliche Spazierweg. Immer wieder mussten wir nachsehen, was sich am Wasser verändert hatte, welche Gerüche neu waren und ob sich irgendwo etwas Interessantes entdecken ließ. Dadurch kamen wir so gemächlich voran, dass unsere Frauchen schließlich schon vor dem Großen Gieß umdrehten. Unzufrieden war deshalb aber niemand. Manchmal ist eben der Weg das eigentliche Ziel.
Wieder zu Hause mussten Ivy und ich erst einmal ein ausgiebiges Schläfchen halten. Den Paketboten haben wir später trotzdem gemeinsam angekündigt und anschließend sorgfältig vom Fenster aus kontrolliert, ob er das Grundstück auch wirklich wieder verlassen hatte. Erst als alles ordnungsgemäß erledigt war und Frauchen und ich wieder allein waren, ließen wir den Tag gemeinsam ganz ruhig ausklingen.
Ein guter Tag für einen Entlebucher, sagt euch eure Eira.
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